SWB 04/97 - Ticker

FORSCHUNG & ENTWICKLUNG

Markt-Forschung
Vorstandsvorstitzender Dr. Manfred Schneider kündigte an, daß BAYER mit neuen Produkt-Entwicklungen seinen Umsatz bis zum Jahr 2001 um 9 Milliarden DM steigern wolle. Im Mittelpunkt der Forschung werden die Konzern-Bereiche "Gesundheit" und "Landwirtschaft" stehen, deren Anteil am Konzern-Umsatz von derzeit 35 % auf 45 % steigen solle. Allein in den USA werden binnen der nächsten fünf Jahre 14 Milliarden DM für Forschung und Erweiterung der Produktion aufgewendet, einen weiteren Investionsschwerpunkt stellt Asien dar. Über den europäischen Markt sagte Schneider lediglich schwammig, er solle darüber nicht vernachlässigt werden.

Noch mehr Markt-Forschung
Eingen Einblick in das Wesen der Pharma-Forschung unter dem Zeichen des Profits gewährte BAYER-Wissenschaftlerin Dr. Jutta Hansen.. Als AIDS-Forscherin ursprünglich nur auf ihrem Fachgebiet tätig, arbeitet sie inzwischen auch mit den Erregern von Hepatitis B und Herpes. Auf die Frage "Weshalb?" antwortet sie schlicht: "Der Markt dafür ist da, denn chronische Erkrankungen nehmen zu". Später führt sie aus, daß die AIDS-Forschungskooperation zwischen BAYER und HOECHST früher nur Substanzklassen untersuchte, die auch von anderen Firmen bearbeitet wurden, was nicht genug Profit versprach. "Es ging also darum, neue Stoffe zu finden, denn natürlich steht auch der wirtschaftliche Aspekt im Raum", bemerkt Dr. Hansen schlicht.
Momentan wird eine neue Substanz gegen AIDS erprobt, und zwar in den USA, "da es dort einfacher ist, Probanden, also Versuchspersonen, zu finden". Sprich: zu Profitzwecken die Lage von Menschen auszunutzen, die sich aufgrund ihrer unheilbaren Krankheit an jeden sich bietenden Strohhalm klammern.

Chemie-Verbände reformieren das Hochschulwesen
In dem sogenannten "Würzburger Modell" erarbeiteten die chemischen Fachverbände Vorschläge, wie ihrer Meinung nach das Chemie- Studium umzugestalten sei, um die vielbeschworene "größere Praxis-Nähe" sprich: größeren Wissens/Profit-Transfer zu erreichen. Nach einem Grundstudium soll man künftig zwischen zwei anwendungs- orientierten Richtungen, etwa Agro- oder Wirtschaftschemie, und dem sich eher der Grundlagen-Forschung widmenden Promotionsstudien-
gang wählen können oder müssen. Zwischen dem Forschungschef von HENKEL, Wilfried Umbach, und dem Rektor der Düsseldorfer Universität, Gert Kaiser, haben bereits erste Vorgespräche über eine Umgestaltung der Studienordnung stattgefunden.  

BAYER-Chemiker kritisiert EU-Forschungsförderung
Auf der Hauptversammlung der "Gesellschaft Deutscher Chemiker" (GDCh) bezeichnete BAYER-Chemiker Hans Jürgen Rosenkranz, der stellvertretende GDCh-Präsident, die EU-Forschungsförderung als irrational, bürokratisch und zu wenig an Qualität orientiert. Brüssel vergebe Geld hauptsächlich nach strukturellen Gesichtspunkten. Da steht wohl noch einige Lobby-Arbeit ins Haus, ehe nach bewährtem Muster die Forschungskosten sozialisiert, die Forschungsprofite aber privatisiert werden können. 

Bund subventioniert Pharma-Forschung
Besonders in den Bereichen "Alzheimer" und "Schmerz" will die Bundesregierung Forschungsvorhaben der pharmazeutischen Industrie unterstützen. Hauptaugenmerk des von Forschungsminister Rüttgers in Bonn vorgestellten Förder-Konzeptes zur Molekular-Medizin gilt dabei der Marktwirkung und der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen. BAYER hat den Lockruf des Goldes bereits vernommen und seine Alzheimer- Forschung aus den USA wieder in die Bundesrepublik verlagert. Rüttgers begründete die Initiative des Bundes mit den hohen Entwicklungskosten im Pharma-Bereich. Als Beispiel für Fehlentwicklungen, die durch die freien Kräfte des Marktes entstehen, führte er scheinheilig die wg. mangelnder Gewinn-Aussichten aufs Eis gelegten Forschungsprojekte auf dem Gebiet der Tropen-Krankheiten an - Projekte, die auch nicht in den rein nach ökonomischen Gesichtspunkten ausgerichteten Rahmen seines Subventionskonzeptes passen.

BAYER prämiert Gen-Forscher
Dr. Amalio Telenti, Direktor eines Laboratoriums für Molekulare Mikrobiologie an der Universität Bern, erhält einen mit 45.000 DM dotierten Preis, den BAYER über die "European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ESCMID)  ausrichten läßt. Ausgezeichnet wurde der Forscher für die Identifizierung einer Gen- Gruppe, die die Wirksamkeit des Antibiotikums ETHAMBUTOL gegenüber Tuberkulose-Bakterien behindert. Die "Coordination gegen BAYER-Gefahren" lehnt die Gen-Forschung ab.

Orden für BAYER-Mann
Der französische Generalkonsul Marc Gilbert verlieh dem Leiter des BAYER-Personalbereiches, Harald Richter, für seine Verdienste um die deutsch-französische Verständigung im Hochschulwesen den Orden "Officier de L´Ordre National du Mérite", da BAYER jährlich etwa 50 französischen StudentInnen Praktikumsplätze anbietet. Bei 100 wäre er bestimmt Ritter der Ehrenlegion geworden.