SWB 04/97 - Ticker

GENE & KLONE

Neue EU-Freisetzungsrichtlinie?
(GID) Das Europa-Parlament hat die EU-Kommission aufgefordert, die EU-Freisetzungsrichtlinie dahingehend zu ändern, daß Freisetzungen nach dem "vereinfachten Verfahren" in Zukunft nicht mehr möglich sind. Außerdem sollten klare Haftungsrichtlinien erlassen werden.

UNESCO-Deklaration geht weiter als Bio-Medizin-Konvention
der EU
(GID) Anders als die Bio-Medizin-Konvention der Europäischen Union - auf die "Ethik" im Namen verzichtet man seit kurzem, vorher hieß das Ding "Bio-Ethik-Konvention" - enthält die im November verabschiedete UNESCO-Deklaration "Allgemeine Erklärung zum menschlichen Genom und zu den Menschenrechten" Abschnitte, die das Klonen von Menschen ausdrücklich verbieten und medizinische Versuche mit "nicht zustimmungsfähigen" Menschen strenger reglementieren.

Unfreiheit der Wissenschaft
Bartha Knoppers, die Vorsitzende der Ethik-Kommission, die das "Human Genome Project" (HUGO) begleitet, sieht die Freiheit der Wissenschaft massiv bedroht. Immer mehr ForscherInnen seien von privaten Investoren als Geldgeber abhängig und müssen deren Zustimmung einholen, wollen sie Untersuchungsergebnisse veröffentlichen. Diese Praxis ist nach Knoppers ebensowenig mit der Freiheit der Wissenschaft vereinbar wie die Patentierung von Genen. Sie forderte die WissenschaftlerInnen auf, mehr Standesbewußtsein zu entwickeln, um dem Einfluß privater Interessen zu trotzen.

Winnacker verteidigt Frosch-Experiment
Der Bio-Chemiker Ernst-Ludwig Winnacker, Mitglied des BAYER- Aufsichtsrats und ab Januar Präsident der Deutschen Forschungs-
gemeinschaft, versteht die Aufregung um die ohne Köpfe gezüchteten Frosch-Embryonen nicht. Für ihn ist das "ganz normale Entwicklungs-
biologie". Die Sinnfrage stelle sich für Wissenschaftler nicht, "die wird von uns gar nicht verstanden." Den Seinen ist es nicht um einen vernünftigen Zweck zu tun, sondern darum, Zusammenhänge in der Natur besser zu verstehen. Deshalb sitzt der völlig Losgelöste wahrscheinlich auch ganz zweckfrei auf BAYER-Aufsichtsratssitzungen herum.
Eine Gesellschaft, so führte er weiter aus, die mehr Kontrolle über die Forschung wolle, "würde von der Wissenschaft bestimmt nicht so bedient werden können, wie sie es sich wünscht".

BAYER nutzt Proteindatenbank von GENETICS INSTITUTE
Die BAYER Corp, Cambridge, kann künftig auf die Proteindatenbank von GENETICS INSTITUTE Inc zugreifen. GENETICS INSTITUTE, eine Tochter von AMERICAN HOME PRODUCTS CORPORATION, habe eine patentierte Technologie entwickelt, die einen schnellen Zugriff auf neue extrazelluläre Proteine menschlichen Ursprungs ermögliche. Diese Proteine werden in einer Datenbank ("Discover Ease-Programm") umfassend dokumentiert und stehen WissenschaftlerInnen zu pharmakologischen Prüfzwecken zur Verfügung. Neun der zehn wichtigsten biotechnologisch hergestellten Produkte beruhen auf extrazellulären Proteinen. Deren Jahresumsatz beziffert BAYER auf rund 5,2 Mrd US-Dollar. Ziel der Kooperation ist es, die Entdeckung und Entwicklung bio- und gentechnologischer Wirkstoffe zu beschleunigen.