SWB 04/97 - Ticker

PRODUKTION & SICHERHEIT

Umwelttechnische Prüfung von Chemie-Unternehmen in NRW
Nachdem eine Überprüfung von Industrie-Anlagen in NRW zu besorgniserregenden Resultaten führte (13 % der Anlagen überschritten zulässige Grenzwerte, 20 % wiesen technische Defizite auf, 44 % der Unternehmen machten unvollständige Angaben über Emissionen), kündigte Umweltministerin Bärbel Höhn die Untersuchung von 200 Betrieben der chemischen Industrie an. Man darf darauf gespannt sein, ob die BAYER- Werke in Dormagen, wo im Juni zwei Rohre platzen und giftiges Toluylendiamin austrat, und Köln-Flittard, wo zwei Destillationsapparaturen explodierten, aus Düsseldorf weiterhin grünes Licht bekommen werden. Die COORDINATION GEGEN BAYER- GEFAHREN hat in einem offenen Brief an Ministerpräsident Rau die Stillegung der Dormagener Anlage gefordert.

Chemische Industrie untersucht erstmals Gefährlichkeit
ihrer Stoffe
Die chemische Industrie will zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt binnen fünf Jahren einen Grunddatensatz über die von ihr verarbeiteten oder produzierten chemischen Stoffe erstellen. Der Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie, Dr. Jürgen Strube, überreichte der Bundesumweltministerin Angela Merkel im September eine entsprechende Erklärung. Die Wirkung eines Stoffes auf Mensch und Umwelt scheint bei all den langwierigen Analyse-Verfahren der chemischen Industrie bisher so ziemlich die einzige unbekannte Größe gewesen zu sein. Über mögliche Konsequenzen bei erwiesener schädigender Wirkung eines Stoffes schweigt sich das geduldige Papier aus. Erfahrungen aus der Vergangenheit, wie etwa bei den Prozessen um die giftigen Holzschutzmittel, zeigen, daß z. B. BAYER selbst bei medizinisch dokumentierten gesundheitsschädlichen Wirkungen eines firmeneigenen Produktes juristisch alles tut, um sich der Verantwortung zu entziehen. Da die industrie-eigene "Negativliste" wahrscheinlich von industrie-eigenen Chemikern erstellt wird, steht zudem zu befürchten, daß ihr Befund weit harmloser als der unabhängiger Wissenschaftler ausfallen wird.