SWB 04/97 - Ticker

UNFÄLLE & KATASTROPHEN

BAYER-Rückruf von Prolastin wegen möglicher Creutzfeldt-Jacob-Kontamination
BAYER hat in Amerika unter ALPHA 1-PatientInnen eine Rückruf- Aktionen für drei Margen seines Blutplasma-Produktes PROLASTIN gestartet, weil bei bestimmten Plasma-Spendern "später die Creutzfeldt-Jacob-Erkrankung (CJD) diagnostiziert wurde", wie der Konzern mitteilte. Die Erkrankung kann nur später, also nach dem Tod des/der PatientIn, diagnostiziert werden, nicht aber bei Lebenden, da der Nachweis über die Infizierung von Prionen (körpereigenen Eiweißen) nur indirekt zu führen ist. Erst Anfang November gelang es Schweizer Wissenschaftlern, den Nachweis auch direkt zu führen, was andere Diagnose-Wege eröffnen könnte. ALPHA 1-PatientInnen leiden an Degenerationserscheinungen der Lunge oder anderer innerer Organe.

Explosion im BAYER-Werk Köln-Flittard
Durch die Explosion zweier Destillationsapparaturen in der BAYER- Versuchsanlage Köln-Flittard entstand ein Großfeuer, bei dem 300 Liter Methyl-Alkohol und 500 kg Nitrobenzaldehyd, ein Grundstoff zur Arzneimittel-Herstellung, verbrannten. Außerdem ist Nitrose, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid freigesetzt worden. Wie schon im Juni beim Dormagener Unfall verhinderten günstige Witterungsbedingungen - durch den Wind verwehten die Gase - Schlimmeres. Verletzt wurde durch die Explosion niemand, der Schaden liegt in zweistelliger Millionenhöhe. Langzeitfolgen für die Gesundheit werden von BAYER ausgeschlossen, wie immer in solchen Fällen.

Untersuchung zum Dormagener "Störfall" vorgestellt
Nach einem Untersuchungsberichts des Gewerbeaufsichtsamtes und des TÜV Rheinland war "hauchdünne Ablagerung", die sich durch eine "neue Bauweise des Reaktors" an zwei Rohren der Anlage bildete, für die Beinahe-Katastrophe bei BAYER Dormagen im Juni verantwortlich. Bei dem Unfall traten 12 Tonnen des krebserregenden Stoffes Toluylendiamin aus. Natürlich waren solche "Auswirkungen" in dem "umfangreichen Planungs- und Genehmigungsverfahren" für die erst im Dezember 1996 in Betrieb genommene Anlage "nicht vorhersehbar". Damit sie in Zukunft noch weniger vorhersehbar sind, sicherte Regierungspräsident Jürgen Büssow BAYER bei einem Besuch des Uerdinger Werkes zu, daß sich die Landesregierung wg. Standortsicherung um "eine schnelle Zusammenarbeit besonders im Bereich der Genehmigungsverfahren" bemüht (vgl. Artikel in SWB 4/97).