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Immer wenn es stinkt und knallt
Über die (Un-)Sicherheit bei BAYER und anderswo
Am 30.
Juni kommt es bei BAYER in Dormagen zu einem der größten Chemieunfälle in der Geschichte der Bundesrepublik. Wie berichtet, treten 12 Tonnen hochgiftiges TDA aus. Obwohl Öffentlichkeit und Behörden bis heute nicht
wissen, warum es zu der fatalen Explosion gekommen ist, wurde die Anlage ohne Bedenken wieder angefahren. "Ein Skandal", urteilt der Chemiker Roland Fendler, seit 1994 Mitglied der Störfall-Kommission der
Bundesregierung. In einem Interview für das Öko-Institut (Freiburg) und STICHWORT BAYER fordert er eine schärfere Kontrollen der Betreiber.
?: Verschlechtert sich der Standard der Chemie-Anlagen?
!: Ja! Zwischen 1987 und 1992 ist es zwar besser geworden. Doch diese Zeiten sind vorbei. Damals lag das vor allem an der Katastrophe bei SANDOZ. Danach gab
es einige Verbesserungen im technischen Regelwerk z.B. in bezug auf die Löschwasserrückhaltung. Außerdem war ein gewisser Ehrgeiz spürbar, die Anlagen zu verbessern. Seit 1993 geht es abwärts. Im Moment ist der
Standard zwar noch etwas besser als vor zehn Jahren, doch der Trend zur Verschlechterung ist deutlich spürbar.
?: Was sind die Ursachen?
!: Das liegt im wesentlichen an drei Faktoren: der europäischen Einigung, der Deregulierungsdebatte auf Bundesebene und dem zunehmenden Wettbewerb zwischen
den Großunternehmen. Im Zuge der europäischen Einigung wird das technische Regelwerk vereinheitlicht. Eine Angleichung hat zwangsläufig Aufweichungen und Verschiebungen zur Folge, die auf Kosten der
Anlagensicherheit gehen.
Was die Deregulierungsdiskussion anbelangt, so ist festzuhalten, daß die Debatte fast noch schädlicher ist als das, was hinterher tatsächlich gemacht. wird.
Die Diskussion führt zu einer Art vorauseilendem Gehorsam der zuständigen Beamten. So wird Deregulierung in Genehmigungsverfahren bereits praktiziert, bevor entsprechende rechtliche Vorgaben aus Bonn kommen. Die
Genehmigungsbehörden sind keine Umweltschutzbehörden und verstehen sich auch so.
Der dritte Punkt ist der zunehmende Wettbewerb um Kapital. Was zählt sind steigende Aktienkurse und die Jagd nach Dividenden. Die Konsequenz daraus sind
Umstrukturierungen wie sie jetzt z.B. bei HOECHST oder bei BAYER umgesetzt werden. Die Sicherheitsab- teilungen werden als sogenannte Service-Units vor die Tür gesetzt. Sie haben keine Kontroll- sondern nur noch
Beratungsfunktion, und das geht zwangsläufig auf Kosten der Sicherheit.
?: Wettbewerb hat auch etwas mit der Globalisierung der Märkte zu tun. Wie schneiden die bundesdeutschen Anlagen im internationalen Vergleich ab?
!: Auf jeden Fall würde ich nicht a priori unterschreiben, daß deutsche Anlagen sicherer sind als anderswo auf der Welt. Das hängt auch mit sehr
unterschiedlichen Sicherheitskonzepten zusammen, die schwer vergleichbar sind. Ich würde nicht den Vergleich zwischen In- und Ausland ziehen, viel entscheidender ist das Alter der Anlagen.
?: Die chemische Industrie steht nach jedem Störfall in der Kritik. Deshalb müßte sie eigentlich ein Interesse an der Verbesserung ihrer Anlagen haben.
Trotzdem sträubt man sich gegen eine effektive Kontrolle. Wie ist das zu erklären?
!: Die chemische Industrie ist eine Welt für sich. Es gibt dort erstaunliche Wahrnehmungsdefizite, was Risiken anbelangt. Überdies tut man sich nach wie vor
schwer mit Leuten zu reden, die wirtschaftlich nicht von der Chemieindustrie abhängig sind. Ganz besonders deutlich wird das bei externen Gutachtern. Die Luft in der Szene ist sehr dünn, was zu hohen Abhängigkeiten
führt. Es ist z. B. üblich, daß die Ergebnisse von Überprüfungen bevor sie an die Behörden gehen von den Betreibern quasi abgenickt werden, selbst wenn die Behörden die Arbeiten in Auftrag gegeben haben.
?: Es gibt seit 1991 die Störfall-Kommission. Das Gremium wurde 1991 zur politischen Beratung der Bundesregierung eingesetzt. Du selbst gehörst der Kommission
seit rund drei Jahren an. Ihre Aufgabe ist es, Möglichkeiten zur Verbesserung der Anlagensicherheit aufzuzeigen. Bisher trat das Gremium sehr selten in Erscheinung. Wird dort zu wenig getan oder arbeitet man nur
hinter den Kulissen?
!: Man kann sicher sagen, daß gewisse Kreise in der Kommission nicht sonderlich aktiv waren. Ein Problem ist, daß das Gremium zwar gutachterlich beraten soll,
es aber andererseits keine Mittel zu Vergabe von Forschungsaufträgen hat. Einige Themenkomplexe eignen sich nicht zur ehrenamtlichen Arbeit. Professionelle Recherchen lassen sich nicht einfach nach Feierabend
erledigen. Aus diesem Grund hat das Öko-Institut meine Arbeit in diesem Gremium finanziell unterstützt.
Trotz der skizzierten Mängel, mit denen das Gremium zu kämpfen hat, sind einige Dinge angeschoben worden. Ich bin zuversichtlich, daß bei der Arbeit einiges
herauskommt. Immerhin hat die Kommission zu Beginn der zweiten Sitzungsperiode eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die die Arbeit an einem Bericht zur Verbesserung der Anlagensicherheit aufgenommen hat. Aus meiner
Sicht wurde hiermit viel zu spät begonnen, aber ich hoffe sehr, daß er noch in diesem Jahr erscheint.
?: Unabhängig vom Bericht der Kommission, was sind aus der Sicht des Öko-Instituts die wichtigsten Punkte, die angegangen werden sollten?
!: Das wichtigste ist, ein umfassendes Erfassungs- und Auswertungssystem von Betriebsstörungen aufzubauen. Denn die Anlagenbetreiber werden nur durch Schaden
klug. Durch ein solches System könnte die Beseitigung von Schwachstellen um einiges einfacher werden. Darüber hinaus muß für mehr Unabhängigkeit bei der Kontrolle und Genehmigung von Anlagen gesorgt werden. Die
Behörden werden von Betreibern und Politik zunehmend in die Zange genommen. Angesichts des Umstandes, daß die Wirtschaftlichkeit von Industrie- anlagen immer bedeutender wird, muß es Leute geben, die Grenzen
ziehen. Als drittes muß das Vorurteil abgelegt werden, die Chemiean- lagen wären sicher genug. Die Technik entwickelt sich weiter. Dadurch entstehen neue Risiken. Deshalb ist auch die Sicherheitsforschung und
die Anwendung von Verfahren keineswegs abgeschlossen. Außerdem muß ständig überprüft werden, ob man die gleichen Dinge nicht effizienter machen kann. Der vierte Punkt betrifft die Aufarbeitung von Defiziten bei
Altanlagen, von denen wir hierzulande eine große Zahl haben.
?: Welche Rolle spielt die Firma BAYER in der Störfallkommission und in dem technischen Ausschuß Anlagensicherheit (TAA) ?
!: Professor Volker Pilz von der BAYER AG ist seit fünf Jahren Vorsitzender des TAA und automatisch Mitglied der Störfallkommission. Sein Kontakt zu den
Behörden ist so eng, daß er sich kürzlich damit brüstete, beim Betreten des Bundesumweltministeriums gar nicht mehr kontrolliert zu werden.
?: Wie bewertest Du den jüngsten Unfall bei BAYER in Dormagen? !: Es ist festzustellen, daß dort Gefahren vorliegen, die man voher gar nicht gekannt hat.
Trotz aller Kompetenz haben die Anlagenplaner die Risiken also nicht adequat beurteilt. Bedenklich ist vor allem, daß die Anlage nach kurzer Zeit wieder angefahren wurde, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Unfallursache
nicht geklärt war; einen entgültigen Diskussionsstand darüber gibt es bis heute nicht. Wie auch schon bei Hoechster Störfällen wurden die Gefahren der Stoffe unterschätzt, dei wegen ihrer physikalischen
Eigenschaften in der Umgebung verbleiben, also nicht wasserlöslich oder gasförmig sind. Besoners zu berück- sichtigen sind die krebserregenden Stoffe, wozu das TDA gehört. Trotz der Seveso ist die Risikovorsorge
mangelhaft, vor allem weil keine geeigneten Rückhalteeinrichtungen bestehen. Es dürfen einfach keine Stoffe über die Anlagengrenzen gelangen; hierzu existieren Lösungen, aber es besteht ein großer
Nachrüstungsbedarf, um diese umzusetzen.
10 Thesen für eine andere Chemiepolitik
Durch die Globalisierung der Chemieindustrie kommt es zu einem Standortwettlauf und zu einem Dumpingwettbewerb um
Sozial- und Umweltstandards. Von Prof. Dr. Jürgen Rochlitz, MdB (Die Grünen)
Die zugrundeliegende Globalisierung der Chemiewirtschaft engt den Gestaltungsspielraum für nationale Politik sukzessive ein. Der
Wettbewerb um den Standort mit den geringsten Produktionskosten führt zu einem Wettlauf der Gnadenlosigkeit. Wir brauchen eine Chemiepolitik, die über die Standortsicherung hinaus auch auf einer konsequent
nachhaltigen Stoffpolitik beruht.
1. Chancen nutzen Auf dem Weg zu einer nachhaltigen und umweltverträglichen Wirtschaft kann der Chemieindustrie eine Schlüsselrolle zufallen: Sie könnte zu den
"Gewinnern" einer solchen Entwicklung zählen, wenn sie die Chance wahrnimmt und ihre Struktur von Forschung und Entwicklung in den Dienst der Effizienzsteigerung bei Energie- und Materialverbrauch stellt.
Dafür muß sie ihr Know How von chemischen und biologischen Gleich- gewichten für eine künftige "Welt im Gleichgewicht" nutzen und anderen zugängig machen.
2. Risiken mindern Basis einer
nachhaltigen und umweltverträglichen Entwicklung muß sein, den Eintrag von Stoffen in die Umwelt an den natürlichen Aufnahme- kapazitäten zu orientieren. Darüber hinausgehende Einträge sind zu unterbinden,
ebenso strikt zu vermeiden sind Gefahren und unvertretbare Risiken für die menschliche Gesundheit und den natürlichen Bestand der Arten sowie deren Diversität.
3. Orientierung an der Natur Nicht die
bedenkenlose Nutzung und Beherrschung der Natur mit wie selbstverständlich einhergehender Zerstörung von natürlichen Zusammenhängen, Verschmutzung der Umwelt und Mißachtung der Gesetzmäßigkeiten der Natur und ihrer
Ästhetik darf das Leitbild des Umgangs mit der Natur sein, sondern Orientierung an ihr und Lernen von ihr.
4. EINE WELT im Gleichgewicht Die ungeheure Verschwendung von Energie und Materialien vor allem
in den Industrieländern muß auf ein natur- und menschenverträgliches Maß zurückgeführt werden. Vermeidung durch ökologische Effizienzstei- gerung und Verzicht durch Änderung von Konsum- und Lebensstilen unter
dem neuen Leitbild: "Weniger ist Mehr" ist das Gebot für die Zukunft. Dies wird sich weltweit nur durchsetzen lassen, wenn ausgehend von den Industriestaaten endlich marktwirtschaftliche Instrumente zum
Steuern des Ressourcen- und Energieverbrauchs eingeführt werden.
5. Umorientierung der Forschung und Entwicklung Optimierung sämtlicher Produkte und Verfahren in Richtung Energieeinsparung und Reduktion
des Einsatzes nicht regenerierbarer Rohstoffe.
6. Neue zukunftsfähige Produkte Fortsetzung des Ausstiegs aus der Chlorchemie. Weitere Verwendungsverbote für humantoxikologisch und/oder ökotoxikologisch
bedenkliche Stoffe. Konversion und Substitution zu chlorfreien Produkten, wenn bei Produktion oder Gebrauch usw. die Freisetzung von human- bzw. ökotoxikologisch bedenklichen Stoffen eintritt (Beispiel: PVC).
7. Nachhaltiger Schutz von MitarbeiterInnen, Nachbarschaft und Umwelt sowie nachhaltige Hilfe für die Opfer riskanter Chemie. Substitution der risikoreichen Produktionen und Anlagen durch
* Verzicht auf Produktionen, bei denen durch Freisetzung der verwendeten Stoffe der lokale oder globale Naturhaushalt gestört werden könnte.
* Verminderung von Toxizität und Ökotoxizität der eingesetzten Stoffe. * Verminderung von Anlagengrößen und deren Zentralität. * Verminderung der Transporte und der Lagerung hochtoxischer
Zwischenprodukte. * Einrichtung eines Fonds zur Finanzierung und Entschädigung von Folgen riskanter, hochtoxischer Chemie.
* Durchsetzung von Imformationspflichten und Erhöhung der Transparenz für Nachbarn und VerbraucherInnen. * Einrichtung eines öffentlich einsehbaren Emissionsregisters.
8. Apolloprogramm zur Globalisierung konsequenter Umwelt- und Zukunftsverträglichkeit * Stop der Verlagerung von Produktionen, Lieferung von Produkten der
alten, unterentwickelten Art in die Länder des Südens und Ostens. * Abbau der nachhaltigen Herrschaft des Nordens über den Süden. * Konsequente Entschuldung der Länder des Südens und des Ostens.
* Durchsetzung einheitlicher weltweiter Umwelt- und Sozial-Standards. * Gleichbehandlung von Nord und Süd in einer an Umwelt- und Zukunftsverträglichkeit orientierten Welthandelsordnung.
* Einstellung der selbstverständlichen Aneignung des natürlichen Reichtums durch transnationale Konzerne über Patentierungen, billige Abbau-, Schürf- und Nutzungsrechte.
* Konsequente Konversion der bestehenden Chemieproduktionen nach den hier genannten Thesen Nummer zwei und drei.
9. Gentechnik Gentechnische Produktionen im Labor, Betrieb oder auf dem Acker
widersprechen allen vorangestellten Grundsätzen und deren praktischer Umsetzung. Sie sind daher abzulehnen. Sie sind allesamt verknüpft mit Freisetzungsrisiken von vermehrungsfähigen Lebewesen, damit von mindestens
ökotoxischen, wenn nicht auch humantoxischen Substanzen, die durch die Übertragungen von vererbbaren Eigenschaften die bestehende natürliche Biologie schneller verändern können, als dies die natürliche Evolution je
vermochte.
10. Ökosteuerreform und Reform des Umweltrechts Die gerade in der Chemie nicht zu bestreitenden Erfolge des klassischen Ordnungsrechts müssen auf die bisher noch nicht erfaßten Bereiche
ausgedehnt werden; zusätzlich bedarf es jedoch einer ökologischen Steuerreform, um auch beim Energie- und Materialeinsatz zu einer weiteren Effizienzsteigerung zu kommen. Erst die richtige Mischung aus Ordnungsrecht
und Abgaben wird die nötige Lenkungs- wirkung entfalten. Bei den Öko-Abgaben sollte auch die Einführung einer Chlorsteuer zu einem Instrument weiterentwickelt werden, mit dessen Hilfe ein Fonds für
Entschädigungen und Sanierungen gespeist wird.
Die von der Industrie "freiwillig" übernommenen "Selbstverpflichtungen" schaffen nach Auffassung der COORDINATION GEGEN BAYER- GEFAHREN keine
Abhilfe. Die Überwindung des Profitsystems als Ursache der Ausbeutung von Mensch und Natur ist daher die Grundlage zur Überwindung der ökologischen Krise.
BAYER: Ausgaben für Umweltschutz halbiert (bl)
Seit 1990 hat BAYER die Investitionen für Einrichtungen des Umweltschutzes weltweit auf nun 384 Millionen Mark halbiert. Udo Oels erläutert diesen Schritt mit einer geradezu zynischen Begründung: Die Sorge um die
Umwelt sei in der Öffentlichkeit von der Sorge um Arbeitsplätze und Renten verdrängt worden!
Oels bekannte sich einmal mehr zur Chlorchemie und machte die Zertifizierung weiterer BAYER-Standorte nach der umstrittenen Öko-Audit-Verordnung von einer
weiteren "Entbürokratisierung" von Verwaltungsverfahren abhängig. "Prüfungsinstanz" des BAYER- Umweltberichtes ist die Agentur ARTHUR D. LITTLE, die dem Bericht "Wirklichkeitstreue"
bescheinigte und die bereits des öfteren mit Beurteilungen und Öko-Audit-Zertifizierungen von BAYER beauftragt worden ist.
Glasnost jetzt! Offener Brief an Ministerpräsident Johannes Rau* Sehr
geehrter Herr Ministerpräsident, auch drei Monate nach dem Großunfall im Dormagener BAYER-Werk, bei dem 12 Tonnen krebserregendes Toluylendiamin (TDA) ausgetreten sind, wartet die Öffentlichkeit auf wichtige
Informationen zu dem Vorgang. Trotz wiederholter Nachfrage machen weder der BAYER-Konzern noch die zuständigen Behörden Angaben über die Ursache des Unfalls, seinen Verlauf und die Gefahren für die Bevölkerung,
ebenfalls unbekannt bleiben die entstandenen Brandgase. ... Eine Wiederholung des Unfalls ist nicht auszuschließen.
Die Untersuchungsergebnisse der Umweltämter, der Kriminalpolizei und des TÜV Rheinland lagern in den Schubladen. Wir fordern die nordrheinwestfälische
Regierung auf, einen Bericht mit sämtlichen vorliegenden Informationen über den Unfall vorzulegen und Wege für einen wirksamen Schutz der Bevölkerung aufzuzeigen. Es dürfen keine gefährlichen Stoffe über die
Werksgrenzen gelangen! Den zunehmenden Gefahren, die von chemischen Anlagen ausgehen, muß entgegenge- treten werden, selbst wenn dies zu Konflikten mit den Betreibern führt! Als erster Schritt muß darauf
hingearbeitet werden, daß risikoreiche Anlagen mit einer doppelten Hülle gesichert werden. Denn obwohl Leckagen in druckführenden Rohren zu den häufigsten Ursachen von Störfällen gehören, bleibt bei BAYER eine
Ummantelung von Anlagen und Leitungen bisher die Ausnahme. Außerdem müssen die Anwohne- rinnen und Anwohner gründlich über die Gefahren informiert werden, wie es auch § 11 der Störfallverordnung verlangt. Hierzu
gehört unter anderem eine detaillierte Aufzählung aller produzierten und gelagerten Stoffe, mit Mengenangaben und potentiellen Gesundheitsgefahren. Auf die lange Sicht muß das Ziel aber sein, daß gefährliche Anlagen
aus Wohngebieten verlagert werden.
Mit Bitte um eine rasche Antwort verbleiben Philipp Mimkes (Geschäftsführer CBG) Jörn Lutat (Umweltreferent BUND NRW)
Wolfgang Kühr (umweltpolitischer Sprecher BBU)
Die Antwort Der offene Brief hat in der Presse und der Öffentlichkeit (sowie sicherlich auch bei BAYER und der Landesregierung) einigen Staub augewirbelt.
Die Staatssekretärin im Umweltministerium hat geantwortet, daß die betreffende BAYER-Anlage in Dormagen bis heute (Redaktionsschluß) still stehe und BAYER den Bericht über den "Störfall" nun endlich - mehr
drei Monate nach der Explosion - abgegeben habe. In einem Gespräch zwischen BAYER und dem Umweltministerium solle ausgelotet werden, "inwieweit aus dem Schadensereignis neue Vorgaben für den
Informationsaustausch bei derartigen Fällen herzuleiten sind". Der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN wurde ein Gespräch mit dem Staatlichen Umweltamt angeboten, das wir gerne wahrnehmen wollen. Leider ist der
BAYER-Konzern nach wie vor nicht bereit, sich mit uns zusammen an einen Tisch zu setzen.
* nachrichtlich an NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn (Bündnis 90 / Die Grünen)
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