SWB 01/97 - Ticker

AKTION & KRITIK

BAYER zum Trotz: Es lebe die Kieler Liste
Das langwierige Hin und Her um die zuerst von Gesundheitsminister Horst Seehofer befürwortete und dann nach massivem Druck der Pharma-Lobby gekippte Positivliste (Liste der notwendigen Arzneimittel, siehe S. 8 in diesem Heft) dürfte vielen noch in Erinnerung sein. Doch noch haben BAYER & Co. nicht gesiegt, noch ist der Widerstand gegen überteuerte und unsinnige Produkte nicht gebrochen. Es gibt eine neue Liste, verfaßt von dem Apotheker Lothar Flessau und dem Pharmakologie- Professor Heinz Lüllmann aus Kiel. Sie beinhaltet "geprüfte, qualitativ hochwertige, preisgünstige und allgemein anerkannte Arzneimittel, mit denen 90 % der in einer Allgemeinpraxis anfallenden Krankheiten behandelt werden können." Die Liste wird herausgegeben von den Verbraucherzentralen Hamburg, Niedersachsen, Berlin und Baden-Württemberg, sowie der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände.

BürgerInen gegen Krankenhaus-Übernahme durch BAYER
In England startet BAYER eine neue Variante innovativen Pharma- Marketings. Der Konzern möchte dort eine ganze Krankenhausabteilung in die eigene Regie übernehmen. Damit wäre der Vertriebsweg der BAYER-Medikamente von den Rohstoffen bis zum Patienten ganz in BAYER-Hand. Es hat sich bereits breiter Widerstand gegen diese Pläne formiert.

HOECHST finanziert Chemiekritik
Durch einen Trick gelang es, eine Großspende von HOECHST umzuleiten, mit der sich der Frankfurter Chemie-Konzern eigentlich ein grünes Mäntelchen umhängen wollte. Entstanden ist ein chemie- kritisches Sonderheft im Zeitungsformat, das in einer Auflage von mehreren zehntausend Exemplaren bundesweit in Jugend-Umwelt- Kreisen verbreitet wird. Es geht um Gentechnik, Geschichte der chemischen Industrie, Produktionsgefahren etc. Das Sonderheft, das sich auch umfangreich mit dem BAYER-Konzern auseinandersetzt, kann zum Preis von 2,-- DM zzgl. DM 5,-- für Porto und Verpackung bezogen werden bei: Chemie.Mensch.Umwelt.Spezialversand., Postfach 15 02 34, 40079 Düsseldorf.

ANTI-BAYER ACTION UNION
In Taiwan wehrt sich die ANTI-BAYER ACTION UNION (ABAU), eine breit zusammengesetzte Bürgerinitiave, gegen den Bau einer neuen BAYER-Anlage für die TDI-Produktion (SWB berichtete). TDI ist ein Vorprodukt für die Pestizid- und Kunststoff-Produktion. Die TDI-Anlage von BAYER in Taiwan soll die größte der Welt werden. Gefahren gehen dabei z.B. von dem eingesetzten PHOSGEN aus, dessen verheerende Wirkung aus der Zeit seiner Nutzung als chemischer Kampfstoff im Ersten Weltkrieg in tragischer Weise bekannt ist.
Die ABAU hat bereits mehrere Großdemonstrationen mit bis zu 5 Tsd. TeilnehmerInnen organisiert. Die COORDINATION GEGEN BAYER- GEFAHREN (CBG) unterstützt die ABAU nach Kräften in ihrer Auseinandersetzung mit BAYER. Die CBG, über Internet in Kontakt mit der ABAU, liefert Wissen, Infos und Erfahrungen und berät in der Auseinandersetzung.
BAYER hat bereits reagiert. In der altbekannten Art: Mit Drohungen und Verleumdungen. Insbesondere nutzt BAYER die in Taiwan vorherrschenden Angst vor dem Kommunismus und verbreitet die plumpe Lüge, daß "die COORDINATION eine Gründung der Deutschen Kommunistischen Partei" sei und warnt vor den "Mitgliedern der Deutschen Kommunistischen Partei und Gründern der Coordination, Axel Köhler und Jörg Heimbrecht". Dies ist die Taktik des Konzerns seit 1978, als sich in Wuppertal die "Bürgerinitiative gegen BAYER- Umweltgefahren", der Vorläufer des internationalen Selbsthilfe- Netzwerkes der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN gründete: Antikommunismus statt Argumente. Und daß der Dipl.- Chemiker Jörg Heimbrecht den Nachweis erbrachte, daß die aktuellen tödlichen VX-Kampfstoffe der US-Armee einem BAYER-Patent entspringen, verschweigt BAYER natürlich auch tunlichst in Taiwan....

Norwegen: Zwielichtiger "Öko-Fonds"
Überall schießen sogenannte "grüne" Aktienfonds aus dem Boden. Sie geben vor, ihr Kapital "umweltfreundlich" bei ökologisch bzw. ethisch "sauberen" Firmen anzulegen. Auch in Norwegen gibt es solche Fonds. Einer von diesen machte seine Rechnung allerdings ohne uns. Norwegische Gruppen baten die COORDINATION GEGEN BAYER- GEFAHREN (CBG) um Hilfe, als sie entdeckten, daß ein Fonds, der sich selbst als "Öko-Fonds" lobte, in BAYER-Aktien investiert. Die CBG lieferte Material über BAYER. Die norwegischen KritikerInnen gingen damit an die Öffentlichkeit, der Fonds mußte sich von seinen BAYER- Anteilen trennen.

Hauptversammlung: Keine Ruhe für BAYER
Am 30. April 1997 wird in Köln die alljährliche Hauptversammlung der BAYER- AktionärInnen stattfinden. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) plant zu dieser HV Aktionen. Unter dem Motto "Globaler Widerstand gegen globale Konzerne". Wie in all den Jahren seit 1983, wird es auch 1997 keine Ruhe für BAYER auf der HV geben. Der Konzern wird sich einmal mehr mit Kritik und Widerstand auseinandersetzen müssen.
Die CBG bittet alle BesitzerInnen von BAYER-Aktien, dem Beispiel des Großaktionärs Henry Nold zu folgen, der der CBG sein Paket von 200.000 BAYER-Aktien zur Verfügung stellt. Wer der CBG ebenfalls seine Aktien-Stimmrechte übertragen möchte: 0211 - 33 39 11.

Widerstand gegen Xenotransplantation
Xenotransplantationen, die Übertragung (gentechnisch veränderter) tierischer Organe in den Menschen, ist das neue Zaubermittel der Gentechnik. Weil menschliche Organe für Transplantationen fehlen, sollen genmanipulierte Schweine oder Paviane als Organspender dienen. Die chemische Industrie verspricht sich spektakuläre Gewinne.
Xenotransplantationen gelten in einschlägigen Kreisen als "medizinischer Quantensprung". Mit Xenotransplantationen werden die Grenzen zwischen Mensch und Tier aufgelöst und ein weites Feld neuer, unabschätzbarer Risiken für Mensch und Umwelt eröffnet.
Ein Appell aus Basel fordert den sofortigen Stopp aller Experimente mit Xenotransplantationen. Dieser Apell kann noch von interessierten Menschen und Organisationen unterzeichnet werden.
Weitere Informationen: Basler Appell, Postfach 74, CH-4007 Basel.

ÄrztInnen gegen BAYER
Anläßlich des 50. Jahrestags der Nürnberger Ärzteprozesse organisierten die INTERNATIONALEN ÄRZTE FÜR DIE VERHÜTUNG DES ATOMKRIEGS (IPPNW) im Dezember einen Kongreß in Nürnberg, der starke Medienbeachtung fand. Es ging um die verhängnisvolle Rolle der Ärzteschaft im 3. Reich und die Schlußfolgerungen daraus für die heutige Zeit.
Im Vorfeld der Veranstaltung wurde auch die COORDINATION GEGEN BAYER- GEFAHREN (CBG) gebeten, ihr Wissen über dieRolle und Bedeutung der IG FARBEN und des Pharmaherstellers BAYER einzubringen. Daraus entstand ein Info-Stand mit großflächiger Präsentation der Zusammenhänge "BAYER damals - BAYER heute". Der Stand wurde gemeinsam von der COORDINATION, dem PESTIZID-AKTIONS- NETZWERK, dem IPPNW, dem BUKO und der ÄRZTEINITIATIVE VON TERRE DES HOMMES betrieben und erhielt großen Zulauf. Die Forderungen wurden von zahlreichen Ärzten unterstützt. Eine Fortführung der gemeinsamen Aktivitäten ist von den fünf Organisationen geplant.