SWB 01/97 - Ticker

IMPERIUM & WELTMARKT

Neue Organisation für Weltherrschaft
"Wir wollen das führende integrierte chemisch-pharmazeutische Unternehmen der Welt werden", umschreibt BAYER-Chef Manfred Schneider die Quintessenz neuer "Leitlinien für die strategische Ausrichtung des Konzerns". Seit dem 1. Januar 1997 ist die Organisation des Konzerns diesem Ziel entsprechend verändert worden. Im Vorstand werden die 21 Geschäftsbereiche in fünf (bisher: sechs) Arbeitsgebieten mit je einem Verantwortlichen gebündelt: AGFA (Bamelis), Polymere (Mohr), Chemie (Oels), Gesundheit (Wenninger) und Landwirtschaft (Wenninger). Außerdem werden die BAYER- Vertriebsorganisationen in Deutschland in zwei Tochtergesellschaften zusamengefaßt, der BAYER INDUSTRIEPRODUKTE GmbH & Co KG und der BAYER VITAL GmbH & Co KG, beide mit Sitz in Leverkusen. Ziel dieser Maßnahme ist die "bessere Ausrichtung auf die Anforderungen des Marktes".

O-Ton: BAYER-Leitlinien
Die neuen BAYER-"Leitlinien für die strategische Ausrichtung des Konzerns" verlangen von den KollegInnen Spitzenleistungen. Es geht um die führende Stellung in der Welt und um Super-Renditen. Die Sprache der BAYER-Leitlinien, die wir im folgenden auszugsweise dokumentieren, ist verräterisch und spricht für sich selbst:
"Wir wollen das führende integrierte chemisch-pharmazeutische Unternehmen der Welt werden. ... Wir wollen, daß unsere Produkte den Menschen Nutzen bringen. ... Wir wollen den Unternehmenswert nachhaltig steigern und eine überdurchschnittliche Kapitalverzinsung erzielen. ... Wir wollen weltweit die leistungsstärksten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen. ... Einstufung und Bezahlung erfolgen aufgaben-, leistungs- und wettbewerbsbezogen. Sie sind daher keine festgeschriebenen Größen. Dabei muß allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bewußt sein, daß ihr Arbeitsplatz nur durch einen nachhaltigen Beitrag zum Unternehmenserfolg gesichert wird. ...
Wir wollen die Aktionärsinteressen hoch bewerten. ..."

Neuer BAYER-Finanzvorstand
In den Vorstand der BAYER AG wurde zum 1.2.97 Werner Wenning (50), bisher Chef im Bereich Konzernplanung und Controlling aufgenommen. Wenning, der aus Opladen (Leverkusen) stammt, wird nach der Hauptversammlung am 30. April den Posten des Finanzvorstandes Helmut Loehr übernehmen, der sich in den Ruhestand verabschiedet. Wenning wird darüberhinaus Mitglied in den Vorstandsausschüssen Konzernkoordinierung und Personal. Er begann 1966 seine Ausbildung zum Industriekaufmannn bei BAYER arbeitete für den Konzern in Peru, leitete den Bereich Gesundheit, den BereichVertrieb für Thermoplastische Kunststoffe. Von April 1991 bis April 1992 wechselte er für das Programm "Management Transfer" zur Treuhand nach Berlin und hat dort BAYER-Interessen gewiß nicht vernachlässigt. Nach der Leitung der BAYER HISPANIA INDUSTRIAL S.A., Barcelona, wurde er 1996 zum Leiter Konzernplanung und Controlling bestellt. Ob Wenning gleichzeitig auch die Lobby-Posten von Loehr, z. B. in der Börsensachverständigenkommission beim Bundesfinanzministerium, übernimmt, ist nicht bekannt.

Neuer Chef für AGFA
Ab dem 1.9.97 wird Klaus Seeger dem Vorstand der BAYER-Tochter AGFA angehören, ab dem 1.1.98 löst er Klaus Gerlach als Vorstandsvorsitzenden ab. Seeger (53) ist wie sein Vorgänger ein "BAYER-Gewächs" und fing 1971 an für BAYER zu arbeiten. Er war u. a. Leiter Biochemische Produkte der MILES Inc., der BAYER- Tochter in den USA und ist seit 1990 Leiter des Geschäftsbereich Kunststoff.
Ab 1998 wird der AGFA-Vorstand von sechs auf fünf Personen reduziert. Ab dem 1.7.97 werden Albert Aps und Ludo Verhoeven neu in den Vorstand aufgenommen, in den Ruhestand bzw. den Aufsichtsrat wechselt Rene Peeters. Ebenfalls in den Ruhestand verabschiedet wird Hans Christian Kersten.

Anteile von CIBA?
Es haben erste Gespräche mit CIBA-GEIGY stattgefunden, in denen BAYER offensichtlich Interesse an Produktionsbereichen anmeldete, die CIBA-GEIGY nicht in das neue Gemeinschaftsunternehmen NOVARTIS einbringen will. Es sind dies die Bereiche Polymere, Textilfarbstoffe, Additive, Chemikalien und Pigmente, die vor kurzem in eine eigene Aktiengesellschaft, die CIBA-SPEZIALITÄTENCHEMIE ausgegliedert wurden.

Übernahme von MONSANTO?
Aus den üblicherweise gut unterrichteten Kreisen verlautete, es bestünden gewisse Aussichten, daß BAYER die traditionell gute Zusammenarbeit mit MONSANTO - die Firmen produzierten etwa in einer gemeinsamen Tochter MOBAY das berüchtigte chemische Kampfmittel AGENT ORANGE für den Vietnam-Krieg - fortsetzen werde und von MONSANTO den Chemiebereich erwerben werde. Unterstützung fand das Gerücht durch die Spaltung der MONSANTO.

Was geschieht mit DYSTAR?
Die Kooperation von HOECHST und BAYER im Bereich Textilfarbstoffe ist so alt noch nicht, und schon darf BAYER über die Zukunft der Zusammenarbeit nachdenken. HOECHST hat seinen Bereich Spezialchemie bei der Schweizer Firma CLARIANT eingegliedert und damit eine Beteiligung von 45 % an CLARIANT erworben. BAYER muß nun entscheiden, ob die Kooperation mit CLARIANT weiter bestehen soll oder aber einen neuen Kooperationspartner für das Farbstoff-Geschäft sucht.

Zusammenarbeit in Rußland
In Kooperation mit dem Gesamtrussischen Wissenschaftlichen Fachinstitut für Tierschutz in Wladimir produziert BAYER seit September 1996 Tierarzneimittel. In Zukunft will BAYER auf den Gebieten Polymere, pharmazeutische Wirkstofforschung, Materialforschung und organische Chemie mit drei Forschungsinstituten zusammenarbeiten. Für 1996 erwartet BAYER in den GUS-Staaten einen Umsatz von über 150 Millionen Mark.

Plaste und Elaste aus Brasilien
BAYER-Brasilien hat an der CENTRAL DE POLIMEROS DA BAHIA (CPB) 66 % der Anteile für 51,6 Millionen Dollar erworben. Die CPB hat einen Umsatz von 65 Millionen Dollar und rund 200 Beschäftigte und produziert zur Zeit 50.000 Jahrestonnen ABS-Kunststoffe. Allerdings sind damit die Kapazitäten des Unternehmens nur zur Hälfte ausgelastet. Interessant ist CPB für BAYER, weil es mit dieser Akquisition die Kundschaft von CPB mitgekauft hat, die die Hälfte des brasilianischen Marktes für Kunststoffe im Bereich Auto und Haushaltsgeräte ausmacht. BAYER plant offenbar die Produktion nicht nur auszulasten, sondern auch zu erweitern, um dann von Brasilien aus den südamerikanischen Markt zu beliefern. Außerdem wird in Kürze - wie es der Zufall will - in direkter Nähe des Werkes von CPB ein Werk des koreanischen Autoherstellers Asia-Motors gebaut.

Mehr Biotechnologie aus USA
Die BAYER-CORPORATION hat in den USA den Bereich Tiergesundheit der US-Firma PHARMACIA & UPJOHN ANIMAL HEALTH für einen nicht genannten Preis erworben. Die Anlagen in Worthington und Omaha biotechnologisch Rinder- und Schweineimpf-
stoffe her und beschäftigen 200 MitarbeiterInnen.

Neues Joint-Venture in China
BAYER CHINA beteiligt sich zu 70 % an der chinesischen BEJING GUANGYI POLYCARBONAT PANEL. In das Unternehmen, das unter dem neuen Namen BAYER GUANGYI PANEL Co. firmiert, investiert BAYER 12,5 Millionen US Dollar. Die Produktionskapazität soll im Anfang bei 2.100 Jahrestonnen Polycarbonat liegen.

Eisenoxid aus China
BAYER SHANGHAI PIGMENTS, das zum größten Teil BAYER gehört (SWB berichtete), hat mit der Produktion von Eisenoxiden begonnen.
Es wurden 30 Millionen Mark investiert und es sollen anfangs 20.000 Tonnen pro Jahr produziert werden.

Bald Baubeginn in Südafrika
Der BAYER-Konzern baut zusammen mit der südafrikanischen SENTRACHEM für 170 Millionen Mark ein Werk (SWB berichtete), das pro Jahr 70.000 Tonnen Natriumdichromat und 11.000 Tonnen Chromsäure ausstoßen soll. 900.000 Tonnen Chrom pro Jahr sollen unverarbeitet exportiert werden. Südafrika besitzt mit einem Vorkommen von 3,2 Milliarden Tonnen 69 Prozent der Weltreserven an Chrom.
Mit der Produktion in Afrika soll die Chromverarbeitung in Leverkusen stillgelegt werden.
BAYER ist wegen unmenschlicher Produktionsbedingungen in Südafrika (Lungenkrebs und Todesfälle) durch eine Kampagne der COORDINATION GEGEN BAYER- GEFAHREN international in die Schlagzeilen geraten. Eine Entschädigung der Opfer und deren Hinterbliebenen hat es bis heute nicht gegeben.

LARYLIN verkauft
MERCK, Darmstadt hat zu einem nicht genannten Preis die Marke LARYLIN, die 11 rezeptfreie Arzneien gegen Erkältungskrankheiten umfaßt von BAYER gekauft. Mit dem Verkauf seien keine Entlassungen verbunden verkündete BAYER. LARYLIN hatte BAYER zuletzt 2,5 Millionen Mark Umsatz gebracht. Das Produktsortiment passe eher in das Sortiment von MERCK, das sich Umsatzsteigerungen für den Bereich erhofft.