SWB 01/97 - Ticker

KAPITAL & ARBEIT

BAYER will mehr Rendite
BAYER will künftig noch mehr Rendite aus den MitarbeiterInnen herauspressen. Dies ist die Quintessenz neuer "Leitlinien für die strategische Ausrichtung des Konzerns", die seit dem 1. Januar 1997 in Kraft sind. Darin heißt es: "Wir wollen weltweit die leistungsstärksten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen. ... Einstufung und Bezahlung erfolgen aufgaben-, leistungs- und wettbewerbsbezogen. Sie sind daher keine festgeschriebenen Größen. Dabei muß allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bewußt sein, daß ihr Arbeitsplatz nur durch einen nachhaltigen Beitrag zum Unternehmenserfolg gesichert wird." Das Ziel dieser Vorgaben lautet schließlich: "... Wir wollen die Aktionärsinteressen hoch bewerten. ..." Konzernchef Manfred Schneider dazu in einem Vorstandsrundschreiben: "Die zentrale Aussage der Unternehmensleitlinie ... liegt darin, daß wir das führende integrierte Chemie- und Pharmaunternehmen werden wollen, gemessen an ehrgeizigen Renditezielen, einer erstklassigen Position bei unseren Technologien und der internationalen Marktpräsenz."

Kraftwerkschließung in Leverkusen
(KfdB) BAYER hat die Schließung des X-Kraftwerkes in Leverkusen zum Juni 1997 bekanntgegeben. Betroffen von der Schließung sind 56 Mitarbeiter. Betriebsschließungen sind bei Bayer inzwischen keine große Neuigkeit mehr. Ungewöhnlich bei diesem Fall ist aber, daß das Unternehmen an die "Solidarität" der Belegschaft mit den Betroffenen apelliert. Die Belegschaft der gesamten Abteilung soll in einem neuen Arbeitszeitsystem und die Schichtler in einem neuen 6-Schicht- System ihre Arbeitszeit flexibilisieren und reduzieren. Dabei sind Lohneinbußen hinzunehmen. Die Beschäftigten der Energieabteilung sollen zugunsten der Betroffenen aus dem X-Kraftwerk auf einen Teil ihrer Arbeitszeit und ihres Einkommens verzichten. Und so wird von BAYER nun auch der Begriff der "Solidarität" für die Vernichtung von Arbeitsplätzen instrumentalisiert.

"MitarbeiterInnen-Pool" bei BAYER
Momentan gibt es bei BAYER über 1.300 MitarbeiterInnen, die keinen festen Arbeitsplatz haben, davon etwa 1.100 in Leverkusen. Statt diesen MitarbeiterInen feste Stellen zu geben, ist die Unternehmensleitung auf die Idee gekommen, einen MitarbeiterInen-Pool einzurichten. Aus diesem Pool können dann die KollegInnen überall hin und her verliehen werden. Die MitarbeiterInnen im Pool haben keinen festen Arbeitsplatz und sind ständig unter Druck, weil sie jederzeit versetzt werden können und genau wissen, daß sie die nächsten sind, die ganz entlassen werden.
Die "KollegInen für eine durchschaubare Betriebsratsarbeit" fordern statt eines "MitarbeiterInnen-Pools" bei der Besetzung offener Stellen feste Anstellungen und eine Auswahl nach sozialen Kriterien, damit die Schwächeren nicht auf der Strecke bleiben. Ein Qualifizierungsplan müsse die MitarbeiterInnen zusätzlich für die Anforderungen an einen neuen Arbeitsplatz fit machen. Schließlich müsse die Auftragsvergabe an Fremdfirmen zur Sicherung der Arbeitsplätze endlich gestoppt werden.

Leistungszahlungen: Beurteilungsrunde zweiter Versuch
Im vergangenen Jahr wurde, im Zusammenhang mit der Neuregelung der Eckwerte, ein neues "gerechteres" und "nachvollziehbares" System zur Vergabe der Leistungszahlungen eingeführt. Sowohl die Beurteilungsgespräche als auch die Beurteilung als solche haben in vielen Betrieben für Unruhe gesorgt. Jetzt läuft bereits die zweite Runde.
Unabhängig von den oft geringen Leistungszahlungen hat die oft nicht nachvollziehbare "Benotung" bei den Kollegen zu Konkurrenz und Diskussion geführt. In vielen Bereichen blieb der Eindruck, daß die Vorgesetzten subjektiv handelten. Da viele Chefs unterschiedliche Kriterien zur Beurteilung heranzogen, sind die Beurteilungen untereinander nicht zu vergleichen. Dies führte gerade bei Freunden oder Lebenspartnern zu Diskussionen und Verärgerungen. Hier hatte das neue System mit Sicherheit keine motivierende Wirkung.
Die "KollegInnen für eine durchschaubare Betriebsratsarbeit" bemängeln nicht nachvollziehbare Kriterien sowie mangelndes Mitspracherecht der Betroffenen und fordern insgesamt die Abschaffung der entsolidarisuierenden, leistungsdruckfördernden Benotungen. 1995 legten allein in Leverkusen ca. 550 KollegInnen Einspruch gegen ihre "Bewertung" ein. Eine daraufhin von BAYER eingesetzte Kommission benötigte über ein Jahr, um alle Einsprüche abzuarbeiten. Die letzten wurden erst bearbeitet als die KollegInnen schon die nächste Beurteilung in den Händen hielten. Unabhängig davon, daß dies für die Kollegen unzumutbar war, haben die Einsprüche nicht in allen Fällen zu Veränderungen der Beurteilungen geführt. Die Kommission hat entsprechend einer Betriebsvereinbarung nur einen geringen Spielraum zur Anerkenung von Beurteilungsfehlern. Vorgesetzte haben trotz Vorschlag der Kommission, ihre Benotung zu überdenken, an ihren Einschätzungen festgehalten. Wenn in diesen Fällen keine Korrektur erfolgt, wird das Einspruchsverfahren zur Farce.

Neuorganisation: JedeR gegen jedeN
(KfdB) Bei der Bekanntgabe der Umorganisation im Herbst 1996 war den Beschäftigten gleich klar, daß dabei nichts Gutes herauskommen konnte. Wie berichtet, verändert BAYER die Organisation insbesondere in den Servicebereichen, es gibt weitere Ausgliederungen und neue Unternehmensleitlinien. Diese sehen die meisten KollegInnen zu recht als eine Kampfansage an. Es geht um "marktpreisorientierte Abrechnungen" und "marktorientierten Transferpreise". Ziel ist, Dienstleistungen nicht durch Werksumlage oder über Gemeinkosten zu finanzieren, sondern die Dienstleistungen nur noch verursachergerecht abzurechnen. Die Geschäftsbereiche sollen selbst entscheiden, ob sie eine Dienstleistung von BAYER-KollegInnen aus dem Haus in Anspruch nehmen wollen oder ob sie sie von Fremdfirmen einkaufen wollen. Marktvergleich und Konkurrenz wird mit der Neuregelung zum Tagesgeschäft und bleibt nicht auf spezielle Untersuchungen beschränkt. Dadurch stehen die BAYER-Dienstleister in einem direkten ständigen Vergleich mit der Konkurrenz. Wenn eine Fremdfirma also noch flexiblere und lohnräuberischere Arbeitszeiten oder durch Rationalisierung noch "günstigere" Preise anbietet, zieht die BAYER-Abteilung nach und umgekehrt.
Ein weiterer Aspekt: Service-und Geschäftsbereiche achten nur noch auf kurzfristige Gewinnentwicklung. Der Druck auf die Beschäftigten erreicht einen Höhepunkt. Profitmaximierung heißt das Ziel. Daß nach dem Grundgesetz Eigentum (welches die Beschäftigten erwirtschaftet haben) verpflichtet, und daß gewährleistet sein muß, daß alle Menschen ein vernünftiges Leben führen können, davon ist keine Rede mehr.
Wie die "KollegInnen für eine durchschaubare Betriebsratsarbeit" mitteilen, ist Gegendruck und Solidarität angesagt. "Wer sich wie bisher auf die Konkurrenz- und Standortlogik einläßt und die 'eigene' Firma gegen die Beschäftigten anderer Firmen stützt, wird in einer Sackgasse enden", heißt es.

"Durchschaubare" gegen Gleitzeitmodell
Die "KollegInnen für eine durchschaubare Betriebsratsarbeit" bei BAYER in Leverkusen protestieren gegen ein im November 1996 eingeführtes, flexibles Gleitzeitmodell für Teile des Zentralbereiches Personal. Obwohl eine Betriebsversamlung anders entschieden hatte, tauchte später im Betriebsratsbericht ein Passus auf, der eigentlich gestrichen werden sollte: "Ferner wurde mit uns Einvernehmen erzielt, daß Arztbesuche wegen der geringen und zeitlich nicht fixierten täglichen Arbeitszeitverpflichtung von mindestens 4 Stunden nach Möglichkeit so zu legen sind, daß sie mit dieser Arbeitsverpflichtung zeitlich nicht kollidieren." Damit wird eine Schlechterstellung der Teilzeit- Beschäftigten gegenüber dem Manteltarifvertrag § 8 erzielt, in dem es heißt : "Dem Arbeitnehmer ist ... Freizeit wie folgt zu gewähren. ... Bei ärztlicher Behandlung, die nach ärztlicher Bescheinigung während der Arbeitszeit notwendig ist, für die als hierfür erforderlich nachgewiesene Zeit."

Protest gegen Weihnachtsgeldkürzung
Die "KollegInnen für eine durchschaubare Betriebsratsarbeit" bei BAYER in Leverkusen protestieren in einem Brief an den Betriebsratsvorsitzenden Nietzard gegen die am 18.12.96 tarifvertraglich vereinbarte Kürzung des 13. Monatsentgelts um 5 Prozent. Damit, so die "Durchschaubaren" müßten die BAYER- ArbeitnehmerInnen die ebenfalls vereinbarte 100prozentige Entgeltfortzahlung im Krankheitsfalle hinterrücks doch noch weitgehend selbst bezahlen. Vorstandschef Dr. Manfred Schneider will durch Lohnabschläge Ausbeute der Beschäftigten noch weiter steigern. Schneider wörtlich: "So haben wir bei BAYER die Produktivität, gemessen am Umsatz pro Mitarbeiter, seit 1992 um über 30 Prozent gesteigert ..."

BAYER-Belegschaft in Bewegung
Ende 1996 fanden an vielen Orten Veranstaltungen gegen die Kürzung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall statt. Die BAYER-Belegschaft, die bisher mit Aktionen nicht unbedingt in den Vordergrund getreten war, beteiligte sich im Oktober gleich an zwei BAYER-Standorten mit Demonstrationen. In Leverkusen demonstrierten die "Durchschaubaren Betriebsräte" vor dem BAYER-Kasino unter dem Motto "Für die Unternehmer nur Peanuts" gegen die geplante Umsetzung des Regierungsbeschlusses durch die Geschäftsleitung. Krefeld erlebte ebenfalls im Oktober eine eindrucksvolle Demonstration von etwa 800 BAYER-Beschäftigten unter Parolen wie z. B. "Heute krank - morgen blank", zu der die IG CHEMIE aufgerufen hatte.

90 Jahre "Arbeiterseele" in Leverkusen
Im August 1996 publizierte die IG CHEMIE Leverkusen eine Chronik der Chemiegewerkschaft in Leverkusen unter demTitel "Solidarität ist die Seele der Arbeiterbewegung. 90 Jahre Chemiegewerkschaft in Leverkusen". Autor ist der Historiker Michael Linnartz. Größter Arbeitgeber war und ist BAYER, von daher ist die Leverkusener Chronik die Geschichte der Auseinandersetzung der Gewerkschaft mit BAYER.
Auf knappen 35 Seiten geht Linnartz zurück bis zu den Straßenkämpfen von 1848, berichtet vom großen Streik 1904, von Streikbrechern, die mit Eichenknüppeln auf Streikende einschlugen und schwarzen Listen, auf denen Gewerkschaftsmitglieder vermerkt waren. Weiter vermerkt Linnartz kleinere (wilde) Streiks bei BAYER gegen die schlechte Versorgungslage 1917. Nach Beendigung des Krieges allerorten Arbeiter- und Soldatenräte, so auch in Leverkusen. "Die Räte Leverkusens können nur wenig revolutionär sein, zu drängend sind die anstehenden Problem des täglichen Lebens", so die bagatellisierende und der Realität keinesfalls entsprechende Bewertung durch den Historiker.
Durch die britische Verwaltung wird das Leben der Räte in Leverkusen schnell beendet. Die Zeit der Weimarer Republik ist laut Linnartz auch in Leverkusen durch die Auseinandersetzungen zwischen Sozialdemokraten (USPD) und Kommunisten geprägt.
1921 kommt es zu einem Streik, der die Betriebsleitung zwingen soll, den gesetzlich verankerten Achtstundentag anzuerkennen. Kurz zuvor hatten die Kommunisten die Wahlen zum BAYER-Arbeiterrat gewonnen. Die (sozialdemokratische) Gauleitung des Fabrikarbeiterverbandes, wie auch der ehemalige Vorsitzende des BAYER- Betriebsrates, ebenfalls ein Sozialdemokrat, sprechen von "Kommunistenputsch". Der Streik scheitert, wohl auch wegen mangelnder Unterstützung durch die höheren Ebenen des Verbandes. 800 Beschäftigte verlieren ihre Arbeit, die beiden kommunistischen Gewerkschaftsvertreter werden in den Ruhestand versetzt bzw. treten zurück.
Der Fabrikarbeiterverband Leverkusen kommt nicht zur Ruhe. Dem (sozialdemokratischen) Bevollmächtigten wird gekündigt, am 3.1.1923 wird beschlossen, eine "Zahlstelle des Fabrikarbeiterverbandes Wiesdorf-Opposition" zu gründen. Die Spaltung schwächt die ArbeiterInnenbewegung in Leverkusen.
1933 ereilt den Leverkusener Fabrikarbeiterverband das Schicksal aller Gewerkschaften: Beschlagnahmung des Vermögens, Auflösung, Verfolgung durch die Faschisten. Die Arbeiterschaft wird in die im Mai 1933 von dem Leverkusener Chemiker und NSDAP-Funktionär Robert Ley gegründete Deutsche Arbeitsfront gezwungen.
Über die Zeit des Faschismus und mögliche Gegenwehr durch (illegale) Überreste des Fabrikarbeiterverbandes sei in den Quellen nichts überliefert behauptet Linnnartz. Wahrscheinlicher ist, daß sein Arbeitsauftrag so eingeschränkt war, daß sie keine umfangreichere Archivarbeit zuließ (z. B. im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf oder Bundesarchiv Koblenz, in denen z. B. Reichspolizeiakten lagern). Auch fehlt die von BAYER-Boß Carl Duisberg entwickelte und seit den zwanziger Jahren in enger Abstimmung mit der reaktionären Politik angewandte Strategie zur Zerschlagung einer kämpferischen Arbeiterbewegung mit ihrem System der Bestechung und der betrieblichen Vertrauensleute, mit Bespitzelung und Werkschutz-Terror.
Die Berichterstattung über die Nachkriegszeit, mit der Gründung und allmählichen Wandlung der IG CHEMIE zur sozialpartnerschaftlichen Agentur von heute ist aufschlußreich und dokumentiert zwischen den Zeilen, wie unter dem ehemaligen Vorsitzenden, Hermann Rappe, die Weichen zu einer an die BAYER-Geschäftspolitik angepaßten Politik gestellt wurden.

Immer mehr Fremdfirmen-ArbeiterInnen in Uerdingen
BAYER vergibt immer mehr Arbeiten an Fremdfirmen. So z. B. auch in Krefeld Uerdingen. 1990 arbeiteten dort noch 10.400 Beschäftigte direkt bei BAYER und 1.000 bei Fremdfirmen. Heute sind nur noch 7.900 bei BAYER, dagegen 3.800 bei Fremdfirmen. Der Einsatz von Fremdfirmen stößt bei Betriebsräten und oppositionellen BelegschaftsvertreterInnen immer wieder auf Kritik, da Arbeitsplätze vernichtet und Beschäftigte gegeneinander ausgespielt werden. Fremdfirmen arbeiten häufig kostengünstiger.

IG CHEMIE will weiter fusionieren
Die gerade mit den Einzelgewerkschaften IG LEDER und IG BERGBAU/ENERGIE fusionierte IG CHEMIE will ihren Machtbereich ausbauen. Sicher auch im Interesse und mit Unterstützung der Industrie, da die IG CHEMIE im Gegensatz zu manch anderen Gewerkschaft ein verläßlicher Partner der Bosse ist. Der IG CHEMIE- Vorsitzende Hubertus Schmoldt führte aus: "Die Zahl der Einzelgewerkschaften muß deutlich sinken; drei bis vier Industriegewerkschaften und eine Dienstleistungsgewerkschaft - unter Einbeziehung der DAG - halte ich in der Zukunft für ausreichend". Auf die Konkurrentin IG METALL ist Schmoldt offensichtlich neidisch: "Wenn eine Einzelgewerkschaft über 40 Prozent der DGB-Mitglieder stellt (gemeint ist die IG METALL), ist dies einer vernünftigen Zusammenarbeit unter dem Dach des DGB abträglich. Eine solche Dominanz kann von unserer Seite durchaus Konsequenzen provozieren." Die IG CHEMIE hat in der jüngsten Vergangenheit eine unselige Vorreiterrolle hinsichtlich des Abbaus von ArbeitnehmerInenrechten gespielt. Die Vereinbarung untertariflicher Einstiegslöhne etwa ist ein Verrat an den Beschäftigten, der jetzt in anderen Branchen - und auch von Kanzler Kohl -auch gefordert wird.

AGFA: Weiterer Stellenabbau
Kaum ist der neue Vorstandsvorsitzende der BAYER-Tochter AGFA, Klaus Seeger, angekündigt, kaum der Umzug der Geschäftsleitung ins belgische Mortsel beschlossen, verkündet der noch amtierende Vorstandsvorsitzende, Klaus Gerlach, er wolle 1997 die Belegschaft noch einmal um 1.000 Beschäftigte auf 22.000 reduzieren. Schon 1996 sind 1.000 Stellen vernichtet worden. Auf diese Weise soll die von BAYER verordnete Umsatzrendite von 6 % brachial realisiert werden: 1996 lag sie imerhin schon bei 4,6 %.

Mehr Profit durch Lehrlings-Pool, Senioren-Pool usw.
"Das Grundprinzip (des Lehrlings-Pools) besteht darin, die Ausgebildeten bis zur Übernahme auf genehmigten Dauerarbeitsplätzen flexibel einzusetzen, wo befristet Bedarf besteht", so BAYER- Personaldirektor Wolfgang Böckly. Seit einiger Zeit übernimmt BAYER nicht mehr alle im eigenen Betrieb ausgebildeten Lehrlinge. Andererseits will der Betrieb natürlich das in der Ausbildung realisiserte Know-How nutzen und stellt die Ausgebildeten auf der Grundlage eines unbefristeten Teilzeitarbeitsvertrages mit ca. 20 Wochenstunden ein.
So tummeln sich zur Zeit 316 Ausgebildete im "Pool", die "flexibel" und "befristet" "Bedarfsspitzen" decken bzw. kurzzeitig Personallöcher stopfen. Pool-MitarbeiterInnen können sogar auch bei externen Firmen eingesetzt werden.
Die Geschäftsleitung überlegt offensichtlich weitere Pools anzulegen, die z. B. Vorruhestand/Altersteilzeit auffangen sollen.

Ideen-Schätze für BAYER-Profite
Seit 1909 sucht der BAYER-Konzern das Gold in den Köpfen der eigenen MitarbeiterInnen zu bergen, indem er Verbesserungsvorschläge honoriert. 1996 schüttete BAYER (bis Ende Oktober) 1,29 Millionen an "Neuerer" aus, was eine Steigerung um 10 % im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Von allen eingereichten Vorschlägen wurden 55 % realisiert, 7 % mehr als im Vorjahr. Wieviel Geld BAYER letztlich an den mit 1,29 Millionen recht günstig honorierten Innovationen verdiente, war nicht zu erfahren, nach früheren Recherchen der COORDINARTION GEGEN BAYER-GEFAHREN jedoch bis zum 1000-fachen des eingesetzten Kapitals.

Rausschmiß trotz Rekordgewinn
Einerseits verkündet BAYER-Vorstand Manfred Schneider wieder ein Rekord-Jahr was Umsatz und Gewinne 1996 betrifft. Andererseits wird er nicht müde, über die "Kosten der Arbeit" zu klagen und noch einmal die "Streichung" von mindestens 500 Stellen in der BAYER AG, also den fünf bundesdeutschen Werken, für 1997 anzukündigen.
Trotz der "Beschäftigunssicherungsvereinbarung" der IG CHEMIE mit dem Arbeitgeberverband, die einen Stillstand der Stellenvernichtung in der gesamten Branche zum Inhalt hatte, hat BAYER 1996 knapp 3.000 Menschen vor die Tür gesetzt. Seit 1993 wurden insgesamt 13.000 MitarbeiterInnen gefeuert.

"Streitkultur" fördert BAYER-Profite
BAYER legt Wert auf MitarbeiterInnen, die nicht nur fachlich fit sind. Günter Ritter, bei BAYER verantwortlich für Personalmarketing, und Prof. Dr. Herwig Hulpke, "Umweltschutz"-Chef bei BAYER, äußern in einem Beitrag für eine Fachzeitung: "Das Persönlichkeitsprofil spielt in den neuen Organisationsformen eine ganz entscheidende Rolle. Fachwissen, interdisziplinäre Ansätze, außeruniversitäre Aktivitäten, Freizeitaktivitäten sind gefragt." Ritter gibt sich ganz fortschrittlich: "Wir sind bei BAYER auf dem richtigen Weg. Wir haben Führungsgespräche und Mitarbeiterbeurteilungen eingeführt. Unser Ziel ist eine Streitkultur, die auch vorgelebt werden muß. Nur dann kann Team- und Projektarbeit funktionieren."

"Altersteilzeit" hilft bei Entlassungen
"Sozialverträglicher" Abbau von MitarbeiterInnen erfordert immer neue, flexible Lösungen, so  z.B. die "Frühverrentung" bzw. "Altersteilzeit".  Betriebsrat und Geschäftsleitung von BAYER haben sich geeinigt, das frühzeitige Ausscheiden unter bestimten Voraussetzungen mit 100 Mark monatlich für ArbeiterInnen und 210 Mark für Angestellte zu honorieren. Nocheinmal 50 Mark zusätzlich können Beschäftigte bekommen, deren Teilnahme an der Altersteilzeit deutlich im Interesse des Betriebes liegt - sprich, die ansonsten gekündigt würden. Rund 4.600 MitarbeiterInnen der BAYER AG sind 55 Jahre oder älter. Für die Geschäftsleitung liegt hier noch ein riesiges Potential zur Vernichtung von Arbeitsplätzen.

Neuwahlen: Aufsicht ohne Rat
Rund 600 Delegierte, die (angeblich) mehr als 68.000 Beschäftigte der BAYER AG repräsentieren, haben am 21. Januar 1997 zehn (angebliche) ArbeitnehmerInen- VertreterInnen für den Aufsichtsrat gewählt.
Für die gewerblichen ArbeitnehmerInnen wurden gewählt Adolf (Adi) Busbach, Dieter Meinhardt, Bernd Reckschwardt, für die Angestellten Rolf Nietzard (Betriebsratsvorsitzender in Leverkusen), Hans-Dieter Peppmeier und Waltraud Schlaefke als einzige Frau. Die leitenden Angestellten repräsentiert Klaus Alberti.
Die Interessen der IG CHEMIE werden von der Prominenz (im Betriebsjargon "Gewerkschaftsbonzen") verteten: DGB-Chef Dieter Schulte, IG CHEMIE-Chef Hubertus Schmoldt und Werner Bischoff, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der IG CHEMIE. Dieter Schulte, Dieter Meinhardt und Bernd Reckschwardt sind neu in diesem Gremium, in dem sie fünf Jahre lang ArbeitnehmerInnen-
interessen vertreten sollen.
Durch die Beteiligung des DGB-Vorsitzenden an der Aufsicht erfährt die Sozialpartnerschafts-Politik der IG CHEMIE eine gewichtige und bedenkliche Aufwertung.
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN fordert seit Jahren einen Aufsichtsrat, der direkt gewählt wird und tatsächlich darüber wacht, daß BAYER die Interessen der Belegschaft achtet und die Umwelt schützt.

Gesicherte Lohnfortzahlung für Vorständler
Während allerorten Gewerkschaften und BetriebsrätInnen im Abwehrkampf gegen die Streichung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall stehen, spricht kaum jemand über die Berufsgruppe, die diese Sorgen nicht plagen: Die Unternehmensvorstände. Schätzungsweise etwa 500.000 Vorstände von größeren Unternehmen in der Bundesrepublik haben mit ihren Firmen Modalitäten ausgehandelt, die sie auch im Fall von Krankheit in die  Lage versetzen, ihren aufwendigen Lebensstil aufrechtzuerhalten. Die Firmen zahlen ihren Vorständen meist für ein ganzes Jahr nicht alleine das Grundgehalt weiter, sondern auch Gehaltsanteile wie z. B. Gewinnbeteiligungen. Einige Vorstände haben gar die Weiterzahlung des vollen Gehalts für 18 Monate ausgehandelt.
Gewiß arbeiten Vorstände, auch wenn sie einmal Schnupfen haben - allerdings wissen sie auch, was sie zu verlieren haben. So erhält ein BAYER-Vorstandsmitglied auch im Krankheitsfall 1,63 Millionen Mark im Jahr!

BAYER-Chef Schneider mag Tantiemen
BAYER-Chef Manfred Schneider verdient sein Geld nicht nur mit ASPIRIN. Schneider ist zudem Vizepräsident des Verbandes der Chemischen Industrie, Mitglied des Aufsichtsrates der DAIMLER BENZ AG, Mitglied des Aufsichtsrates der RWE AG, Mitglied des Aufsichts-
rates der VARTA AG, Mitglied des Aufsichtsrates der METRO AG und Mitglied des Aufsichtsrates der ALLIANZ LEBENSVERSICHERUNGS AG. Tantiemen satt für die eh bereits millionenschwere Haushaltskasse der Familie Schneider.