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UNFÄLLE & KATASTROPHEN
Bhopal-Gas in Brunsbüttel Die Brunsbütteler Firma GERLING, HOLZ & CO hat Angst.
Angst davor, daß Unbefugte, TerroristInnen etwa, das hauseigene Produkt entwenden. Bei dem brisanten Stoff, der in Flaschen abgefüllt, auf dem Firmengelände lagert, handelt es sich um das gefährliche Bhopal-Gift
Phosgen, eine Substanz, die auch schon als Kampfstoff unrühmliche Geschichte gemacht hat. Das Gewerbeaufsichtsamt verlangt daher eine "ständige Überwachung" der "Ware". GERLING, HOLZ & CO hat
mit der benachbarten Firma BAYER - die übrigens Phosgen zur Herstellung von MDI, ebenfalls ein Bhopal-Giftstoff, braucht - Gespräche geführt, um ein Sicherheitskonzept zu erarbeiten. Nicht auszudenken, was passiert,
wenn eine Explosion bei BAYER die benachbarten Phosgen-Flaschen hochgehen läßt. Brunsbüttel würde von der Landkarte verschwinden. Schließlich stellt sich die Frage, ob BAYER im Brunsbütteler Werk tatsächlich die
gesamte benötigte Menge Phosgen selbst "just in time" produziert, um derart, wie behauptet, keine Lagerbestände entstehen zu lassen, oder ob der Chemieriese das Risiko an die benachbarte Firma abgetreten
hat und bei Bedarf von dort Phosgen bezieht.
BAYER on air! Alles totsicher bei BAYER! Deswegen installierte das Unternehmen vor
kurzem in Zusammenarbeit mit den Städten Köln und Leverkusen rund um das Werk Wiesdorf insgesamt zwölf Sirenen. Nach der Aufstellung der Sirenen wird die Stadt Eigentümerin der Anlagen (und darf die Wartungskosten
tragen). Als größte Errungenschaft der Sicherheits- vorsorge aber verkauft BAYER den direkten Draht zum Radio. In vergangenen Zeiten fuhren Lautsprecherwagen durch die Stadt, um die Bevölkerung bei möglichen
Giftunfällen zu warnen, was wegen der unterschiedlichen Sprachen schwierig gewesen sei. Heute hatt BAYER den direkten Draht zu den Radiosendern WDR und Radio Lev(erkusen). Tagsüber klingelt dann im Falle eines
Falles in der Radioredaktion das "Rote Telefon" und die Feuerwehr kann ihre Warnmeldung an die Bevölkerung absetzen. Ist nachts Radio Lev unbesetzt, wird auf Automatik geschaltet. Dann kann die Feuerwehr
sich mittels Geheimtelefonnummer und Geheimzahl direkt an die Bevölkerung wenden.
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