SWB 01/97 - Ticker

UNFÄLLE & KATASTROPHEN

Bhopal-Gas in Brunsbüttel
Die Brunsbütteler Firma GERLING, HOLZ & CO hat Angst. Angst davor, daß Unbefugte, TerroristInnen etwa, das hauseigene Produkt entwenden. Bei dem brisanten Stoff, der in Flaschen abgefüllt, auf dem Firmengelände lagert, handelt es sich um das gefährliche Bhopal-Gift Phosgen, eine Substanz, die auch schon als Kampfstoff unrühmliche Geschichte gemacht hat. Das Gewerbeaufsichtsamt verlangt daher eine "ständige Überwachung" der "Ware". GERLING, HOLZ & CO hat mit der benachbarten Firma BAYER - die übrigens Phosgen zur Herstellung von MDI, ebenfalls ein Bhopal-Giftstoff, braucht - Gespräche geführt, um ein Sicherheitskonzept zu erarbeiten. Nicht auszudenken, was passiert, wenn eine Explosion bei BAYER die benachbarten Phosgen-Flaschen hochgehen läßt. Brunsbüttel würde von der Landkarte verschwinden. Schließlich stellt sich die Frage, ob BAYER im Brunsbütteler Werk tatsächlich die gesamte benötigte Menge Phosgen selbst "just in time" produziert, um derart, wie behauptet, keine Lagerbestände entstehen zu lassen, oder ob der Chemieriese das Risiko an die benachbarte Firma abgetreten hat und bei Bedarf von dort Phosgen bezieht.

BAYER on air!
Alles totsicher bei BAYER! Deswegen installierte das Unternehmen vor kurzem in Zusammenarbeit mit den Städten Köln und Leverkusen rund um das Werk Wiesdorf insgesamt zwölf Sirenen. Nach der Aufstellung der Sirenen wird die Stadt Eigentümerin der Anlagen (und darf die Wartungskosten tragen). Als größte Errungenschaft der Sicherheits-
vorsorge aber verkauft BAYER den direkten Draht zum Radio.
In vergangenen Zeiten fuhren Lautsprecherwagen durch die Stadt, um die Bevölkerung bei möglichen Giftunfällen zu warnen, was wegen der unterschiedlichen Sprachen schwierig gewesen sei. Heute hatt BAYER den direkten Draht zu den Radiosendern WDR und Radio Lev(erkusen). Tagsüber klingelt dann im Falle eines Falles in der Radioredaktion das "Rote Telefon" und die Feuerwehr kann ihre Warnmeldung an die Bevölkerung absetzen. Ist nachts Radio Lev unbesetzt, wird auf Automatik geschaltet. Dann kann die Feuerwehr sich mittels Geheimtelefonnummer und Geheimzahl direkt an die Bevölkerung wenden.