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AKTION & KRITIK
BAYER reagiert verstimmt auf "Offenen Brief" In einem "Offenen
Brief" an den Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, Johannes Rau, hatte die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN gemeinsam mit dem BUND und dem BBU kritisiert, daß noch keine Konsequenzen aus der
Dormagener Beinahe-Katastrophe im Juni letzten Jahres gezogen wurden. Es seien keinerlei Maßnahmen zur Behebung der Sicherheitsmängel und zum zukünftigen besseren Schutz der Bevölkerung getroffen worden. Auch
schlummere der Untersuchungsbericht über die Ursachen des Störfalls immer noch in den Schubladen der Behörden. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. "BAYER weist die Anschuldigungen mit allem Nachdruck
zurück", erklärte wenig überraschend ein Unternehmenssprecher. Man habe im Störfall-Handling den ganzen Katechismus verantwortlichen Handelns an den Tag gelegt. Bei dem "Offenen Brief" handle es sich
lediglich um Stimmungsmache von Chemie-Gegnern gegen das Unternehmen und die chemische Industrie.
Portokasse zur Stadtkasse? Die Leverkusener Grünen forderten BAYER auf, der
finanzschwachen Stadt mit einer Investionshilfe in Höhe von 50 Millionen Mark aus ihrer "Portokasse" unter die Arme zu greifen. Die Rufe werden wohl unerhört bleiben, denn man kann nicht gleichzeitig Teil
des Problems und Teil der Lösung sein. Die Finanz-Misere der Stadt (Gewerbesteuer-Einbuße: 20 Millionen Mark) ist zu einem erheblichen Teil darauf zurückzuführen, daß BAYER sich im Zuge der Globalisierung aufs
lukrativere Auslandsgeschäft konzentriert und die erzielten Gewinne auch fern der Heimat versteuert.
Erfolgreiche Presse-Aktion Im November wurde die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN
von einer amerikanischen PatientInnen-Gruppe darüber informiert, daß BAYER in den USA eine Rückruf-Aktion für drei Chargen seines Blutplasma-Produkts PROLASTIN gestartet hat, da bei einem Spender die
Creutzfeldt-Jacob-Erkrankung (CJD) diagnostiziert worden war. Die COORDINATION informierte daraufhin die Presseagenturen. Eine entsprechende Meldung wurde von 12 Zeitungen aufgegriffen. Allerdings hatte die
AP-Agentur noch einmal Rücksprache mit einer BAYER- Sprecherin gehalten. Die Meldung enthielt so den beschwichtigenden, von der Hälfte der Zeitungen auch übernommenen Hinweis, daß es noch keinerlei gesicherte
Erkenntnisse über die Übertragbarkeit von CJD auf dem Blutwege gäbe. Kurz darauf wurden die Forschungsergebnisse des Schweizer Wissenschaftlers Adriano Aguzzi publik. Seine Unter- suchungen haben ergeben, daß
bei Mäusen die weißen Blutkörperchen als Träger der infektiösen Eiweiße fungieren, die die Hirnkrankheit auslösen. Dies könnte, so der Schweizer Forscher, ein Anlaß für eine "kritische Überprüfung der
Sicherheit von Blutprodukten" sein.
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