SWB 01/98 - Ticker

DRUGS & PILLS

Pharma-Industrie verdient 1,3 % mehr
Die 3. Stufe der Gesundheitsreform, die für die Versicherten höhere Zuzahlungen bei Medikamenten festgelegt hat, führte bei der Pharmazeutischen Industrie nicht zu Umsatz-Einbußen. Neue, teurere Medikamente und die Tatsache, daß PatientInnen sich häufiger Großpackungen verschreiben lassen, da so die Zuzahlungen weniger ins Gewicht fallen, haben im Geschäftsjahr 1997 den vierprozentigen Rückgang im Mengen-Verkauf aufgefangen.

Weiterhin keine Verschreibungspflicht für Kombinationspräparate
Der Bonner Sachverständigen-Ausschuß hat dem Bundestag bei seiner Tageung im Januar (SWB 4/97 berichtete) keine Empfehlung gegeben, eine Rezeptpflicht für Kombinationspräparate wie z. B. ASPIRIN FORTE einzuführen. Damit hat sich die Pharma-Lobby im Ausschuß trotz der Einwände von medizinischer Seite durchgesetzt. Kombi-Mittel können insbesondere durch das in ihnen enthaltene Koffein abhängig machen und bei längerer Einnahme schwere Nierenschäden und chronische Kopfschmerzen verursachen. Nebenwirkungen wie Magendrücken, Nervösität und Schwindel treten ebenfalls häufiger als bei Mono- Präparaten auf.

Pharma-Industrie umwirbt "mündige PatientInnen"
Da das Gesundheitswesen immer mehr in Richtung einer Grundversorgung zurückgeschraubt wird, erhält die Selbstmedikation derjenigen, die es sich noch leisten können, für die Pharma-Industrie zunehmende Bedeutung. 1996 betrug der Anteil der nicht verordneten, nicht rezeptpflichtigen Präparate am gesamten Arzneimittel-Umsatz 17 %. Und der Trend zur Eigen-Therapie wird vermutlich noch zunehmen. "Sie entspricht dem Bewußtsein des modernen Menschen in der Gesundheitsvorsorge", so BAYER-Sprecher Hartmut Alsfasser. Und um diesem Bewußtsein gelegentlich noch auf die Sprünge zu helfen, umgarnt die Pharma- Industrie die 70.000 Selbsthilfe-Gruppen in der Bundesrepublik und schneidet ihre Werbung in Funk, Fernsehen und Internet gezielt auf den "mündigen Patienten" zu.

Die gesundheitlichen Folgekosten des bedenkenlosen Konsumierens von Medikamenten, die durch freie Verkäuflichkeit suggerieren, harmlos zu sein, werden in den USA auf 100 Milliarden Dollar geschätzt. In der Bundesrepublik gerieten in letzter Zeit vor allem die nicht rezept-
pflichtigen Kombinationsschmerzmittel wie ASPIRIN FORTE in die Kritik (s. o.), da sie schwere Nierenschäden verursachen können. Aber die Pharma-Lobby im Sachverständigenrat verhinderte im Januar die Einführung der Verschreibungspflicht.

Alzheimer-Mittel von BAYER
BAYER hat bei der EUROPÄISCHEN ARZNEIMITTEL-AGENTUR einen Zulassungsantrag für das Alzheimer-Präparat METRIFONAT gestellt. Mit der Markt-Einführung des Medikaments, das die Produktion des Enzyms Acetylcholin- Esterase hemmt, ist Anfang 1999 zu rechnen.

Tausendsassa LIBOBAY?
Die Pharma-Industrie nimmt zunehmend auch die gesunden Menschen ins Visier, sie stellen einfach einen größeren Absatzmarkt als die Kranken dar und sollen mit Mitteln zur Vorsorge bedient werden. So versuchen die Pillenmacher seit geraumer Zeit mit eigenen Studien zu beweisen, das Präparate zur Senkung des Cholesterin-Spiegels wie BAYERs LIBOBAY bei regelmäßiger Einnahme einem Herzinfarkt vorbeugen könnten. Entsprechend boomt der Absatz. Die Kranken-
kassen befürchten dagegen, daß diese Erweiterung der Indikation große Löcher in ihren Etat reißen wird. Schon die Anwendung von Medikamenten zur Cholesterin-Senkung ist umstritten, da die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten in den meisten Fällen ausreichen würde. Einige Mediziner wie Manfred Diewitz, der Prüfarzt der Privaten Krankenversicherung DKV, sind sogar der Ansicht, daß die Cholesterin-Therapie an sich unnötig sei und nur "aus ideologischen Gründen" daran festgehalten werde.

BAYER baut Generika-Produktion aus
Horst Meyer, Leiter des Pharma-Geschäftsbereichs bei BAYER, prognostiziert, daß der Generika-Markt - also der für nach Ablauf des Patent-Schutzes einfach kopierte Medikamente - doppelt so schnell wachsen werde wie der Markt für neu entwickelte Produkte.
Der Chemie-Konzern will deshalb gemeinsam mit dem amerikanischen Generika-Unternehmen SCHEIN, an dem es eine Minderheitsbeteiligung hält, Produktionsanlagen in Kanada, Australien, Großbritannien, Frankreich, Spanien und Zentralamerika aufbauen. BAYER kooperiert mit SCHEIN bereits auf dem US-Markt und vertreibt in der Bundesrepublik unter dem Namen BASICS Generika.

Entwicklung schnell löslicher Tabletten
BAYER läßt sich von der US-Firma FUISZ TECHNOLOGIES Ltd. eine neue Wirkstoff-Ummantelung für Tabletten entwickeln. Sie soll schnell löslich sein und so die Tabletten-Einnahme auch ohne Flüssigkeit ermöglichen. Falls man in der Wüste mal Kopfschmerzen bekommt.

Keine Gesundheitskarte mit IBM
Der amerikanische Informatik-Konzern IBM hat sich aus dem Gemeinschaftsprojekt mit BAYER, eine Gesundheitskarte zu entwickeln, zurückgezogen. Auf dieser Karte mit hoher Speicher-Kapazität sollten alle verfügbaren PatientInnen-Daten inklusive Röntgen-Bilder erfaßt werden können. IBM sah keine Vermarktungschancen für die Chip-Karte.