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GENE & KLONE
Neuer Impfstoff gegen Schweinepest BAYER hat einen neuen Impfstoff gegen die
Schweinepest entwickelt. Bisherige Impfstoffe hatten zwar auch die gewünschte immunisierende Wirkung, machten aber gesunde von kranken Tieren ununterscheidbar. Denn sowohl die geimpften, als auch die infizierten
oder infiziert gewesenen Schweine bildeten Antikörper heraus. Da die EU Schwierigkeiten beim Export in die USA befürchtete, ließ sie das Impfen nicht zu. Der von BAYER jetzt gentechnologisch hergestellte
Marker-Impfstoff besteht nur noch aus einem kleinen Baustein des Schweinepest-Virus, so daß sich spezielle, unterscheidbare Antikörper herausbilden würden. Mit einer Zulassung durch die EU-Behörden rechnet BAYER
Ende des Jahres.
Die Massentier-Halter hätten damit ein probates Mittel gefunden, die tierquälerische industrielle Landwirtschaft weiter aufrechterhalten zu können. Aber es
bestehen noch erheblich Zweifel an der Wirksamkeit auch des neuen Impfstoffes. Denn die Schweinepest kann nicht nur durch Schweine übertragen werden, sondern durch alles, was mit den kranken Tieren in Berührung
gekommen ist. Die Seuche in den Niederlanden, bei der 10 Millionen Schweine getötet wurden, war durch eine verfütterte Dose infizierten Fleisches aus Bosnien ausgelöst worden. Da der Impfstoff immer erst nach drei
Wochen wirkt, besteht zudem die Gefahr, daß sich Tiere während der Immunisierung anstecken und somit zu Krankheitsüberträgern werden.
Bundesrepublik Nr.1 bei Gen-Arzneien Nirgendwo auf der Welt sind so viele
gentechnisch hergestellte Pharmazeutika auf dem Markt wie in der Bundesrepublik: 384 Medikamente, basierend auf über 20 Wirkstoffen. 50 der Präparate wurden von der seit 1995 existierenden Europäischen Agentur für
die Beurteilung von Arneimitteln (EMEA) zugelassen.
Bio-Dementi In einem Presse-Gespräch schätzte der Leverkusener Werksleiter Ludwig
Schmidt die Chancen der Bio- und Gentechnik in der Bundesrepublik eher skeptisch ein: " Der Zug ist für uns abgefahren. In den deutschen Niederlassungen kann ich mir zur Zeit eine Produktionsstätte nicht
vorstellen." Nachdem die Rheinische Post
diese Äußerung als Distanzierung von der Politik des Forschungsministers Jürgen Rüttgers und des NRW-Wirtschaftsministers Wolfgang Clement interpretierte, dementierte Schmidt tags darauf. Es war alles nicht so gemeint, er befände sich völlig im Einklang mit der festgelegten industrie-politischen Marschroute.
Stadler gründet eigene Biotec-Firma Peter Stadler, bei BAYER bisher in leitender
Position für die Biotechnologie zuständig, hat das Unternehmen verlassen und gemeinsam mit der Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard und dem Kölner Gentechniker Klaus Rajewski die Firma ARTEMIS
PHARMACEUTICAL AG gegründet. Sie will sich auf gentechnisch hergestellte Arzneimittel-Wirkstoffe spezialisieren. Als Kapitalgeber fungiert das bio-pharmazeutische US-Unternehmen EXELIXIS. ARTEMIS wird allerdings
auch von Risikokapital-Fonds und von Existenzgründungssubventionen der Länder und des Bundes profitieren. Das Wall Street Journal widmete dem neuen Bio-Betrieb eine Titelstory und wertete so eine
Existenzgründung als Zeichen für einen bundesdeutschen Wertewandel in bezug auf die Gen-Technologie.
Genforschung zu Altersdemenz und Depression Ein 54 Millionen
Dollar-Forschungsprojekt von BAYER und MYRIAD GENETICS fahndet nach den Schlüsselgenen von Altersdemenz und Depressionen, um die entsprechenden Therapeutika zu entwickeln. Die Vereinbarung beinhaltet, daß BAYER als
erster Pharma-Konzern Zugriff auf die Protein-Datenbank PRONET von MYRIAD GENETICS hat. Eine entsprechende Kooperation zur Gen-Suche bei Astma, Fettsucht und Osteoporosis besteht bereits seit 1995.
Zugriff auf Molekül-Datenbank Für 35 Millionen Dollar darf BAYER einen Blick in die
Molekül- Datenbank von GENZYME CORPORATION werfen, die mehr als eine Million synthetische Substanzen umfaßt. Man hofft, in den kleinen Molekülen auf biologische Aktivitäten zu stoßen, die zur Grundlage neuer
Arzneimittel gemacht werden können.
Ende der GENialen Zeit? (GID) Es gibt einige Anzeichen dafür, daß der große
Enthusiasmus in der Gentechnik einem nüchterern Blick gewichen ist. Im letzten Jahr sanken die Biotec-Werte an der Londoner Börse schon bald nach der -künstlich geschaffenen?- Dolly-Hausse im Mai empfindlich ab. Das
Signal dazu gab BAYER, das ein Gen-Mittel gegen Blutvergiftung zurückzog. Aber auch in den USA überstanden 1997 13 schon vollmundig angekündigte Gen-Präparate die klinische Prüfung nicht. Einige Forscher wie George
Scangos von EXELIXIS PHARMACEUTICALS rufen deshalb schon die "post-genome" Ära aus. Das meint jedoch keinen Verzicht auf die Gentechnik. Der Wissenschaftler plädiert vielmehr dafür, die Suche nach den
heiligen Gen-Grals in den DNA-Sequenzen zu beenden und statt dessen der genetischen Vielfalt jedes Einzelnen mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Sein Klassenziel: die Entwicklung persönlicher Arzneimittel.
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