|
ÖKONOMIE & PROFIT
Fusionsfieber? Von einigen Kommentatoren wird nach der britischen Pharma-Fusion
zwischen GLAXO WELLCOME und SMITH KLINE BEECHAM bereits wieder die IG FARBEN-Option gehandelt. Aber BAYER-Mann Walter Wenniger dementiert: "Hoechst ist kein Ziel von Bayer." Während HOECHST durch den
Zusammenschluß der beiden britischen Pharma- Riesen mit einem verschärften Wettbewerb rechnet, reagierten BASF und BAYER gelassen. "Der entscheidende Erfolgsfaktor ist die Pipeline für neue Produkte", so
Wenniger. Und da fühle BAYER sich solide. Eine Aquisition in der Größenordnung von 20 bis 40 Milliarden wollte er für die Zukunft aber nicht ausschließen. Die britische Pharma-Gewerkschaft MSF rechnet durch die
Groß-Fusion mit dem Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen.
Gewinne und Verluste Bei der quartalsweisen Vorstellung der Betriebsergebnisse im
November konnte BAYER wieder einmal mit Umsatz- und Gewinnsteigerungen aufwarten. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Manfred Schneider sprach von einem "Wachstumsschub, wie wir ihn seit Beginn der achtziger Jahre
nicht mehr hatten". Den Aktionären wurde folglich eine Erhöhung der Dividende in Aussicht gestellt. Das Nachsehen haben andere. Da die Profite überwiegend im Ausland eingefahren wurden, die Inlandsergebnisse
aber zurückgingen, trug BAYER wesentlich dazu bei, der Stadt Leverkusen eine Gewerbesteuer-Einbuße von 20 Millionen DM zu bescheren. Und die MitarbeiterInnen haben ebenfalls nichts von den prächtigen Zahlen. Der
Personalabbau sei zwar weitestgehend abgeschlossen, erklärte Schneider, aber BAYER halte an dem Ziel fest, die Personalkosten internationalen Standards gemäß auf unter 30% des Umsatzes zu drücken. Der
Vorstandsvorsitzende nutzte das Auseinanderklaffen von Inlands- und Auslandsprofiten als willkommene Gelegenheit, in das bekannte Standort-Klagelied einzufallen. Er lamentierte über das Scheitern der Steuerreform
und die hohen Kosten der sozialen Sicherungssysteme. Und sandte eine Erpresser-Note nach Bonn: Erst wenn sich das gesellschaftliche Umfeld geändert habe, denke BAYER wieder daran, Personal einzustellen.
1000 große Steuer-Tricks Ca. 40 % aller in der Bundesrepublik ansässigen
multinationalen Unternehmen zahlen keinerlei Ertragssteuern, so der Oberregierungsrat und ehemalige Betriebsprüfer Harald Kuckhoff. Während kleineren und mittleren Firmen durch ihre überschaubaren Strukturen nur
weinig Hintertüren offen stehen, haben es die Multis durch ihre Verzweigtheit einfacher. Besonders bei konzerninternen Lieferbeziehungen lassen sich eine Menge Steuern sparen. So zahlen etwa die BAYER-Töchter in
aller Welt immer noch Patent-Gebühren für ASPIRIN. Diese Schein-Kosten verringern den ausgewiesenen Gewinn, weshalb dann auch weniger Steuern zu zahlen sind.
|