SWB 01/98 - Ticker

PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE

Panna trifft Weltbank
Amerikanische Vertreter vom Pestizide Action Network (PAN) sowie Angehörige anderer Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) trafen sich mit Weltbank- Repräsentanten, um auf eine Veränderung des Weltbank-Konzeptes zum Integrierten Pflanzenschutz (IPM) hinzuwirken. Einigung wurde darin erzielt, daß die IPM-Politik darauf hinwirken sollte, die Abhängigkeit der Länder der sog. "Dritten Welt" von chemischen Pestiziden zu verringern. Man sprach sich auch gemeinsam dagegen aus, Vertretern der Pestizid-Produzenten eine offizielle Rolle in den IPM-Programmen der FAO einzuräumen. Kontrovers blieb allerdings die Bewertung der Pestizid-Gefahr. Der Weltbank-Einschätzung, "gut etablierte Pestizide" seien auch "sicher für die Umwelt", vermochten die NGO-Vertreter nicht zu folgen. Bindende Vereinbarungen resultierten aus den Gesprächen nicht. Die AktivistInnen kündigten deshalb an, die Weltbank-Politik auf diesem Gebiet weiterhin kritisch beobachten zu wollen.

Kosten/Nutzen-Analyse zu Pestiziden zurückgehalten
Der Agrarwissenschaftler Hermann Waibel führte im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums eine Studie zu den gesamtgesellschaft-
lichen Kosten der Pestizid- Ausbringung durch. Die Ergebnisse waren so brisant, daß Landwirtschaftsminister Jochen Borchert die Veröffentlichung verhinderte. Die Untersuchung berechnete die Kosten des Pestizid-Einsatzes, dessen Umfang in der Bundesrepublik 30.000 Tonnen pro Jahr beträgt, auf 252 bis 312 Millionen Mark. Dazu zählen die Aufwendungen für die Trinkwasser-Aufbereitung, die Lebensmittel-Überwachung und die Behandlungskosten für Gesundheitsschäden durch Pestizide, wobei mögliche Langzeitfolgen wie Krebserkrankungen noch nicht einmal einbezogen sind. Als Konsequenz aus den verheerenden Zahlen fordert der Wissenschaftler, eine Pestizid-Abgabe einzuführen, damit nicht länger die Profite privatisiert, die Kosten aber auf die Gesellschaft abgewälzt werden. In Schweden hat eine entsprechende Regelung bereits zu einer Reduzierung des Ackergift-Gebrauchs um ein Drittel geführt.

Fünf neue Pestizide auf PIC-Liste
Das Verfahren Prior Informed Consent (PIC), entwickelt von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und dem Umweltprogramm (UNEP) der UNO, erlaubt es sog. Entwicklungs-
ländern, den Import bestimmter gefährlicher Chemikalien zu verbieten. Die PIC-Liste enthielt bisher 17 Pestizide und fünf Industrie-Chemikalien. Galt als Richtschnur eines möglichen Einfuhr-Stops bisher die Anzahl der nationalen Verbote, so wies das Pestizide Action Network (PAN) darauf hin, daß unter den besonderen Ausbringungsbedingungen in den Staaten der "Dritten Welt" auch Pestizide, die mit keinem Verbot belegt sind, schwerwiegende gesundheitliche Schäden verursachen können. Die Intervention war erfolgreich. Die PIC-Liste wurde um fünf Pestizid-Wirkstoffe ergänzt. Darunter befinden sich Methamidophos, Parathion und Parathion-methyl, Wirkstoffe der BAYER-Pestizide TAMARON, E 605 FORTE, ECOMBI und ME 605. Nach einem Bericht der FAO wurden allein in China 48.000 Pestizid-Vergiftungen bekannt, 3.204 davon endeten tödlich.

23 Pestizide im Trinkwasser
Die Rückstände von 23 Pestiziden im Trinkwasser überschreiten die zulässigen Grenzwerte. Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA), deren Veröffentlichung wegen des brisanten Inhaltes von der Bundesregierung und den Landwirtschaftsministern der Länder zurückgehalten wird. Unter den inkriminierten Wirkstoffen sind sieben, die auch in BAYER-Ackergiften zu finden sind: Chlortoluron, Dichlorprop, Diuron, MCPA, Metabenzthiazuron, Metamitron und Parathionmethyl. Bei Messungen im Rhein stellte die Studie teilweise BAYER auch als einzig in Frage kommenden Einleiter fest. Der Wirkstoff Diuron, der in den BAYER-Herbiziden DIURON, RAPIR und USTINEX enthalten ist, wird zusammen mit zwei weiteren Wirkstoffen für die größsten Belastungen des Trinkwassers verantwortlich gemacht. Als Konsequenz der Untersuchungen fordert die Studie unter anderem eine Reduzierung der Einleitungen von BAYER und HOECHST in den Rhein, eine Pestizid-Abgabe, eine bessere Abwasser-Aufbereitung der Direkt- und Indirekt-Einleiter und ein restriktiveres Pflanzenschutzgesetz. 

Hormonelle Wirkung von Pestiziden und Umwelt-Chemikalien
Eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) belegte jetzt die hormonelle Wirkung von Pestiziden und chemischen Stoffen. Sie greifen in den Hormon-Haushalt von Mensch und Tier ein und rufen Fortpflanzungs-, Entwicklungs- und Stoffwechsel-Störungen hervor. In der Nordsee beobachteten Wissenschaftler weibliche Wellhorn-Schnecken mit Penissen. Die geringer werdende Zahl männlicher Spermien wird ebenso mit der bisher kaum erforschten hormonellen Nebenwirkung chemischer Stoffe in Verbindung gebracht wie die steigende Anzahl von Krebs-Erkrankungen. BAYER hat als einer der weltweit führenden Hersteller von Pyrethroiden und Polyurethanen sowie als Ackergift-
Großanbieter maßgeblichen Anteil an diesem Generalangriff auf das Ökosystem. Unter den Stoffen, die laut UBA-Untersuchung hormonell wirksam sind bzw. in Verdacht stehen, es zu sein, befinden sich 16 Wirkstoffe von BAYER-Ackergiften. Zwei von ihnen, Parathion und Parathion-methyl, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als extrem gefährlich eingestuft. Wie nicht anders zu erwarten, sah sich die Industrie-hörige Gesellschaft Deutscher Chemiker, deren stellvertretender Vorsitzender BAYER-Mann Hans-Jürgen Rosenkranz ist, schnell gezwungen, die Ergebnisse der Studie zu relativieren. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN fordert dazu auf, die gefährlichen Produkte vom Markt zu nehmen.

Gebrauchseinschränkung für TRISTAR
Die amerikanische Umweltbehörde EPA hat verfügt, daß Herbizide mit dem Wirkstoff Bromoxynil, wie das BAYER-Mittel TRISTAR, nicht mehr auf Baumwollfeldern ausgebracht werden dürfen, da sie ein Gesundheitsrisiko für Schwangere und Säuglinge darstellen. Transgene Baumwolle mit einer implantierten Resistenz gegen Bromoxynil, die in diesem Jahr eigentlich schon 10 % der gesamten Baumwoll- Anbaufläche einnehmen sollte, wird so ebenfalls zu einem Auslaufmodell.

Neue Ackergifte
In den nächsten Jahren will BAYER mehr als zehn neue Ackergift- Wirkstoffe am Markt plazieren und damit einen Gewinn von 126,6 Millionen Mark machen. Die Schwäche im Herbizid-Bereich sollen drei neue Produkte wettmachen. TERANO ist für den Mais-Anbau bestimmt, das gemeinsam mit RHONE-POULENCE entwickelte HEROLD für den Anbau von Wintergetreide-Arten. Im Jahr 2000 steht die Markteinführung des BAYER/MONSANTO-Produkts ISOPROPAZOL bevor.

Als Saatgut-Beizmittel, d. h. dem Kombi-Pack von Saatgut und Ackergift, wird der Chemie-Konzern erstmals GAUCHO GEBEIZT und eine Kombinationsbeize aus GAUCHO und MONCEREN anbieten.

Bei den Fungiziden sind neu im Angebot IMPULSE, FORTRESS STOP, in Kooperation mit DOW ELANCO entstanden, und TELDOR WG 50.

Pflanzen unter Streß will BAYER schließlich mit dem Pflanzenstärkungs-
mittel BACILLUS SUBTILIS beispringen, natürlich ganz "biologisch". Es darf gelacht werden.