SWB 01/98 - Ticker

POLITIK & EINFLUß

Kohl beim VCI
Bundeskanzler Helmut Kohl war Gast auf der Mitglieder-Versammlung des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI). In seiner Rede gab er die üblichen Textbausteine zu den Themen "Forschung und Entwicklung", "Erschließung neuer Märkte" und "Sicherung von Arbeitsplätzen" zum besten. Anschließend würdigte er die Chemie- Branche als eine der "Schlüssel-Industrien unserer Volkswirtschaft". und nahm seine Global Player vor den Anwürfen in Schutz, sie würden nur noch im Ausland investieren und sich mehr um den Standort Deutschland scheren. Die Verbundenheit Kohls mit der Chemie-Industrie rührt noch aus gemeinsamen Zeiten, er war lange für die Ludwigshafener BASF tätig. 

BAYER erklärt, Politiker stimmen ab
Nach Meinung von Franz-Josef Bohle, der in der PR-Abteilung von BAYER für den Bereich "Gesundheit" zuständig ist, hängt der Erfolg oder Mißerfolg eines Unternehmens zunehmend von politischen Entscheidungen ab. Deshalb habe BAYER das Ziel, durch "Relationship-Management", also Lobby-Arbeit, die politischen Entscheidungen mit zu beieinflussen. Bei den persönlichen Gesprächen mit MinisterInnen, Abgeordneten und BeamtInnen, denen seiner Meinung nach eine besondere Wichtigkeit zukommt, muß Bohle auch schon mal eine "Schulstunde in Gentechnik" geben. Etwa, wenn ihn ein Politiker fragt: "Sagt mal, ich muß da demnächst abstimmen. Erklärt mir mal, was es eigentlich damit auf sich hat."

Zwei Stühle, eine Meinung mit Schneider und Seehofer
Zu den Ehrengästen bei der Einweihung des neuen Wuppertaler Pharma-Forschungsgebäudes (siehe auch unter STANDORTE & PRODUKTION) zählte auch Gesundheitsminister Horst Seehofer. BAYER-Vorstandsvorsitzender Dr. Manfred Schneider nutzte die Gelegenheit, ihm nochmal für seinen Einsatz bei der Herauslösung patentgeschützter Medikamente "aus dem Korsett der Festbeträge" zu danken. Und Seehofer machte sich gleich noch beliebter. Gemeinsam mit Schneider gab er die Divise "mehr Eigenverantwortung im Gesundheitswesen" aus und stellte in Aussicht, daß in Zukunft ein größerer Anteil des Einkommens eines jeden für "das höchste Gut Gesundheit" aufgebracht werden müsse. Nur der NRW-Sozialminister Axel Horstmann störte die Eintracht ein wenig, indem er deutlich machte, daß Gesundheit keine Frage des Geldbeutels sein dürfe.

SPD-MdB in Dormagen
Die SPD-Bundestagsabgeordnete Anni Brandt-Elsweier besuchte das BAYER-Werk Dormagen und informierte sich über die betriebsinterne Frauenförderung sowie über das Bündnis zur Standortsicherung. Letzteres bezeichnete sie als Beispiel, das Schule machen sollte und lobte BAYER für die damit demonstrierte "soziale Verantwortung". So sozial kam BAYER selbst das gar nicht vor. Im Halbjahresbericht 1997 wurden die Maßnahmen zur Standortsicherung den Aktionären gegenüber als ein Mittel bezeichnet, das half, den Personalkosten-
Aufwand um 7% zu senken.

Kolumbische Politiker in Dormagen
Eine kolumbianische Delegation, angeführt vom Botschaftler des Landes und dem Wirtschafts- und Finanzminister, besuchten das BAYER-Werk in Dormagen. Zu der deutsch-kolumbianischen Wirtschaftskonferenz am folgenden Tag stieß auch NRW-Wirtschafts-
minister Wolfgang Clement. Ob die Wirtschaftsbarone auch Deals verabredeten, wurde nicht bekannt.

Bundesverdienstkreuz für langjährigen BAYER-Vorstand
Der Staatssekretär im NRW-Wirtschaftsministerium, Joachim Westermann, verlieh Professor Dr. Klaus Kleine-Weischede, der von 1988 bis 1996 im BAYER-Vorstand saß, das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. Gewürdigt wurde damit sein langjähriges Engagement für Wirtschaft und Gesellschaft, wie es bei solchen Anlässen immer so hohl heißt.

Mohr neuer Vorsitzender der Carl-Duisberg-Gesellschaft
Die Carl-Duisberg-Gesellschaft, benannt nach dem ehemaligen BAYER-Generaldirektor und Verwaltungsratsvorsitzenden der IG Farben, betreibt Entwicklungspolitik als Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, indem sie beispielsweise angehenden Funktionseliten aus Staaten der sogenannten Dritten Welt Praktika und Fortbildungsmöglichkeiten in den Industrieländern vermittelt. Bisher stand immer der jeweilige Vorstandsvorsitzende von BAYER, das die Gesellschaft auch finanziell unterstützt, dem Stiftungskuratorium vor. Nun aber wurde mit der Gepflogenheit gebrochen, und Dr. Manfred Schneider übergibt Hans-Jürgen Mohr, BAYER-Arbeitsdirektor und Vorstandsmitglied, den Posten.