|
PROPAGANDA & MEDIEN
Gentec zum Anfassen Ernst-Ludwig Winnacker, Präsident der Deutschen Forschungsgemein-
schaft und Mitglied des BAYER-Aufsichtsrates, macht sich auch im PR-Bereich so seine Gedanken. Er hatte die Idee, daß Bio-Techniker Flohmärkte besuchen sollen, um dort dem Volk zu demonstrieren, wie man aus der
Hefe eines Weizenbieres das Erbgut isolieren kann. Ob dieser Gen-Folklorismus das Akzeptanz-Problem der Gentechnik lösen wird, bleibt abzuwarten.
Rollendes Gen-Labor auf Schulhöfen Die Einfälle der Gen-Lobby, der umstrittenen
Technologie zu mehr Akzeptanz zu verhelfen, werden immer ausgefallener. Die Chemie- und Gentec-Industrie hat jetzt in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsregierung ein rollendes Gen-Labor auf die Reise
geschickt, das die Schulhöfe abklappern soll. TeilnehmerInnen von Chemie- und Biologie-Kursen "dürfen" darin in Labors der Sicherheitsstufe eins mit E. Coli-Bakterien experimentieren - Schwangeren ist die
Teilnahme untersagt. AktivistInnen des Bundes Naturschutz haben sich mit einem "Bio-Frech-Mobil" an die Fersen des 30 Tonnen schweren Sattel- schleppers geheftet, um den Propaganda-Feldzug zu stören.
Auf die Schulgelände wurden sie bei den beiden ersten Stationen der Reise allerdings nicht gelassen, die jeweiligen Schulleiter verboten es.
Neue Werbe-Kampagne BAYER sieht sich in der Öffentlichkeit zu sehr auf die Rolle
eines Pharma-Produzenten festgelegt. Deshalb gab man jetzt unter Beibehaltung des alten Mottos "Kompetenz und Verantwortung" eine neue Anzeigen-Kampagne in Auftrag, die den Konzern als vielseitigen Partner
im Alltag des Menschen erscheinen läßt. Vom Skateboard bis zur Röntgen-Ferndiagnostik, vom ersten "Häusle bauen" mit Lego- Steinen bis zu den eigenen vier Wänden, überall sind BAYER-Produkte mit von der
Partie. Rauchende Schornsteine, Chemie-Unfälle, HIV-infizierte Blut-Präparate und durch Pestizide aussterbende Vogelarten würden in dieser schönen, heilen Scheinwelt natürlich nur stören und fehlen folglich. Die
nächste Print-Offensive im Frühjahr 98 soll von einem TV-Spot begleitet werden.
Anzeigen-Kampagne des VCI zur Gentechnik Auf großflächigen, luftig gestalteten
Zeitungsannoncen betreibt der Verband der Chemischen Industrie (VCI) wieder einmal Sympathie- Werbung für die Bio- und Gentechnik. Der Text spekuliert auf die größere Akzeptanz der neuen Technologie auf
medizinischem Gebiet und hofft, sie als Einfallstor für den umstritteneren Pflanzenbereich nutzen zu können. Natürlich darf das Standort- und Arbeitsplatz-Argument in der Anzeige nicht fehlen. Die Bio- und
Gentechnologie als besonders umweltfreundlich darzustellen, wie es der PR-Multi BURSON- MARSTELLER der europäischen Bio-Industrie geraten hat, hat man dagegen unterlassen. Die COORDINATION GEGEN BAYER- GEFAHREN
lehnt die Gentechnik ab.
Eine Selbstverpflichtungserklärung mehr Immer wenn es für die Chemie-Industrie
einmal besonders brenzlig wird, wartet sie mit einer Selbstverpflichtungserklärung auf. So auch im Fall "Holzschutzmittel", wo der Verband der Chemischen Industrie (VCI) Umweltministerin Angela Merkel
feierlich ein entsprechendes Papier überreichte. Der VCI fügt sich damit nur ins Unausweichliche. Denn die künftige EU-Biozid-Richtlinie schreibt eh verbindlich vor, was die Chemie- Industrie jetzt großherzig als
freiwillige Übung vorturnt, den Nachweis der Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der Holzschutzmittel. Den vielen tausend Menschen, die infolge dieser Mittel an schweren Gesundheitsschäden leiden, hilft die Erklärung
auch nicht. BAYER war als ehemaliger Produzent dieser Mittel in das längste Umweltstrafverfahren der Bundesrepublik verwickelt. Es endete 1996 damit, daß BAYER als ehemaliger Anteilseigner der DESOWAG gemeinsam
mit einem anderen Unternehmen aufgefordert wurde, vier Millionen Mark für ein Forschungsvorhaben aufzubringen, das die Auswirkungen von Wohngiften auf die menschliche Gesundheit untersucht.
Konzertierte Diabetes-Akton Das im ZDF ausgestrahlte "Gesundheitsmagazin
Praxis" stellt für BAYER die ideale Werbe-Plattform dar. Während die Medizin- Sendungen der ARD-Anstalten dankend ablehnen, wenn die Pharma- Firmen sie bitten, eine bestimmte Medikamenten- Schachtel doch bitte
etwas länger in die Kamera zu halten, zeigen sich die Mainzer aufgeschlossener. Kurz nach der von BAYER initiierten "Herz ist Trumpf"-Aktion startete dort eine konzertierte Aktion von BAYER, AOK, Arzt- und
Apothekerverbänden, Bundesärztekammer und der Diabetes-Stiftung zum Thema "Diabetes". Die Aktion "Testen nach dem Essen", für die BAYER drei Millionen Teststreifen zum Selbstkostenpreis zur
Verfügung gestellt hat, soll der Früherkennung von Diabetes mellitus dienen und fällt rein zufällig mit der Markteinführung des neuen Blutzucker-Meßgerätes GLUCOMETER DEX von BAYER zusammen.
Was in Publikumszeitschriften zumeist unter "Gesundheitsvorsorge" beschrieben wird, stellt dagegen das Werbefachblatt prmagazin unter dem Titel
"Ran an den Patienten" ganz offen als die PR-Strategie der "vernetzten Kommunikation" dar.
|