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DRUGS & PILLS
Europäischer Gesundheitsmarkt Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie
begrüßt das Urteil des Europäischen Gerichtshofes, wonach die Krankenkassen der Mitgliedsstaaten verpflichtet sind, auch im Ausland in Anspruch genommene Gesundheitsleistungen zu erstatten. Einen Gesundheits-
tourismus in Sachen Arzneien, Augen- und Zahnheilkunde befürchtet Verbandssprecher Hans Rüdiger Vogel nicht. Was Minister Seehofer um die Zukunft des bundesdeutschen Gesundheitswesens fürchten läßt, begrüßt er als
probates Mittel, "verkrustete Strukturen" auf seiten der Versicherungen und Leistungsanbieter aufzubrechen sowie Preis- transparenz zu schaffen.
BPI gegen Arzneimittel-Richtlinien Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie
(BPI) wendet sich scharf gegen das Vorhaben des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen, durch neue Arzneimittel-Richtlinien bestimmte Medikamentengruppen von der Kostenerstattung auszunehmen. Ziel der
Verordnung ist es, unwirksame Medikamente auszusortieren und den Pharma-Markt, der durch eine Flut von "baugleichen" Präparaten unüberschaubar geworden ist, übersichtlicher zu gestalten. Viel hilft viel,
meint dagegen BPI-Sprecher Hans Rüdiger Vogel und verweist auf eine amerikanische Studie, wonach die Versicherungen angeblich mehr Geld aufwenden müßten, wenn für den verschreibenden Arzt die Auswahl der Medikamente
kleiner ist.
Arzneimittel-Absatz steigt Die Pharma-Industrie hatte bisher nicht unter der
dritten Stufe der Gesundheitsreform zu leiden, die vor allem höhere Zuzahlungen für Medikamente vorsieht. Nach einer Untersuchung des Institutes für medizinische Statistik stieg der Absatz von Medikamenten im ersten
Quartal 1998 im Vergleich zu 1997 um 6,4 % auf eine Summe von 6,7 Milliarden Mark. Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) klagt trotzdem. Er präsentierte beim Wiesbadener InternistInnen- Kongreß eine
Studie, wonach 41 % der Befragten angaben, sie würden wegen der erhöhten Zuzahlungen weniger häufig zum Arzt gehen, und 49 %, sie würden nicht mehr alle Rezepte einlösen. Vor allem durch letzteres sieht der
BPI nicht nur die Pharma- Profite, sondern scheinheilig auch die öffentliche Gesundheit in Gefahr: "Denn wenn ein Patient aus Kostengründen eine vom Arzt verordnete Therapie nicht wahrnimmt, besteht die Gefahr,
daß sich die Krankheit verschlimmert und unter Umständen chronisch wird", so der BPI-Vorsitzende Hans Rüdiger Vogel. Da beruhigt es ihn, daß bei der zitierten EMNID-Umfrage 29 % der Befragten angaben, in
Zukunft mehr rezeptfreie Medikamente zur Selbsttherapie kaufen zu wollen. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN fordert von der Pharma-Industrie eine drastische Preissenkung ihrer Präparate, damit die
Gesundheitsreform nicht nur zu Lasten der Versicherten geht.
Subventionen für Pharma-Forschung Die Pharma-Konzerne konzentrieren sich in ihrer
Arzneimittel-Forschung vor allem auf die Zivilisationskrankheiten. Die Nachfrage ist groß, die Gesundheitssysteme kommen - weitgehend - für die Kosten auf. Eine weitverbreitete und gefährliche Krankheit wie Malaria
hingegen weckt den ForscherInnen-Ehrgeiz nur mäßig - die "Dritte Welt" als Markt verspricht zuwenig Rendite. Ähnlich verhält es sich bei den 5.000 seltenen unter den 30.000 bekannten Krankheiten. Das
magere PatientInnen-Volumen bietet wenig Anreiz, die Köpfe rauchen zu lassen. Aber diese eklatanten Mängel in der medizinischen Grundversorgung treiben der Pharma-Industrie nicht etwa Schamesröte ins Gesicht. Sie
tritt keck als Bittsteller auf und verlangt Subventionen für Forschungen auf dem Gebiet der sog. "Orphan Drugs", der Waisen-Medikamente. Und das Europäische Parlament wird sich diesem Begehren sicherlich
nicht verschließen.
Pharmakologe gegen Seehofer Ulrich Schwabe, Professor für Pharmakologie und
Mitherausgeber des "Arzneiverordungsreports", hat die systematische Hintertreibung einer bewertenden ArzneimittelInformation durch Gesundheitsminister Horst Seehofer beklagt. Zu den Kniefällen des
Ministers vor der Pharma- Lobby gehören nach Meinung des Wissenschaftlers unter anderem die Nicht-Fortschreibung der Negativliste, die Auflösung der unabhängigen Sachverständigen-Kommission für therapeutische und
preisliche Arznei-Transparenz, die fehlende Aktualisierung der Preisvergleichsliste, die Sabotage einer Erweiterung der Arzneimittel-Richtlinien und das Verbot, eine Liste mit 2.000 unwirksamen Medikamenten zu
veröffentlichen. Den statt dessen von Seehofer eingeschlagenen Weg, das Gesundheitssystem über eine Mehrbelastung der Versicherten zu "reformieren", kritisierte Schwabe scharf.
Gekaufte WissenschaftlerInnen Die Ergebnisse von Arzneimittel-Studien sind in hohem
Maße davon abhängig, wie ab- oder unabhängig die MedizinerInnen von der Pharma-Industrie sind. Eine Gruppe von WissenschaftlerInnen wertete 70 Studien zur Sicherheit von Kalzium-Antagonisten wie BAYERs Adalat mit
dem Wirkstoff Nifedipin aus und publizierte die Resultate im angesehenen "New England Journal of Medicine". Demnach bestanden bei einer positiven Bewertung der Kalzium-Antagonisten in 96 % aller Fälle
Beziehungen zur Pharma-Industrie, bei einer negativen Bewertung hingegen waren nur 37 % der Wissenschaftler mit der Pharma-Industrie verbandelt. Mit 96 %iger Sicherheit gekauft ist somit auch die im Anhang des
Artikels aufgeführte Untersuchung "Nifedipine trials" von Professor Wolf Rafflenbeul. Auf eine von diesem Wissenschaftler durchgeführte INTACT-Studie zu ADALAT, die angeblich die heilsame Wirkung des
Präparats bei der Behandlung von koronalen Herzkrankheiten nachweist, beruft sich BAYER in einer Pressemitteilung vom Mai. ADALAT ist in der Forschung sehr umstritten. Unabhängige Studien sind immer wieder zu dem
Ergebnis gekommen, daß das Präparat das Herzinfarkt-Risiko steigern kann. Sogar die amerikanische Gesundheitsbehörde hatte in der Vergangenheit vor dem ADALAT- Wirkstoff Nifedipin gewarnt, auf Druck von BAYER &
CO. aber wieder einen Rückzieher gemacht.
Seehofer verzögert bei Kombi-Mitteln Das Gesundheitsministerium hat noch immer nicht über eine Rezept-
pflicht für Kombi-Schmerzmittel wie ASPIRIN FORTE entschieden. Diese Präparate enthalten mehrere Wirkstoffe sowie Koffein und können schwerwiegende Nebenwirkungen wie Nierenschäden, chronischen Kopfschmerz und
Magenbeschwerden verursachen. MedizinerInnen und PharmakologInnen fordern deshalb seit langem eine Aufhebung der Rezeptfreiheit. Seehofer aber will weiter aussitzen und hat erst einmal eine neue Studie in Auftrag
gegeben.
ASPIRIN macht Kopfschmerzen Kein ASPIRIN hilft jetzt auch bei Kopfschmerzen! Denn
Mediziner wie Dr. Volker Pfaffenrath, Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG), machen gerade die übermäßige Einnahme von Schmerzmitteln wie ASPIRIN oder THOMAPYRIN für die Entstehung von
chronischem Kopfschmerz verantwortlich. "Eine suboptimale Behandlung", so der Facharzt, "bahnt einer Chronifizierung den Weg." Er empfiehlt statt dessen eine Therapie mit dem Wirkstoff
Triptane. Sein Kollege Gunter Haag, der Generalsekretär der DMKG, rät alternativ zu nicht- medikamentösen Behandlungswegen wie Entspannungstechniken, Akupunktur und der Transkutanen Elektrischen Nervenstimulation
(TENS).
Kein ASPIRIN bei Präeklampsie Die Präeklampsie oder Schwangerschaftsvergiftung ist
eine Durchblutungsstörung, die während der Schwangerschaft auftritt. Sie kann sowohl für das Baby als auch für die Mutter tödlich sein. In jüngster Zeit gab es in der Presse Meldungen, wonach die Gabe von ASPIRIN
krankheitsvorbeugend wirke. Eine Untersuchung, deren Ergebnis im renommierten "The New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurde, widerlegt dies. In Testreihen hat sich kein Hinweis darauf ergeben,
daß ASPIRIN eine vorbeugende Wirkung zeigt. Weder sind die Todesfälle zurückgegangen, noch ist durch den "Tausendsassa" die Anzahl der Frühgeburten reduziert worden.
Zweifel an METRIFONAL Mit großem Werbeaufwand wird BAYER im Herbst sein neues
Alzheimer-Präparat METRIFONAL auf dem Pharma-Markt einführen. Der Morphologe Heiko Braak hat dagegen auf einer Fortbildungs- veranstaltung des Bundesapothekerverbandes erhebliche Zweifel an einer medikamentösen
Alzheimer-Therapie geäußert. Solange die Ursache der Krankheit nicht geklärt sei, so der Mediziner, würden die Mittel nur die Symtome bekämpfen, den Hirnnervenzerfall aber nicht aufhalten. Da die Mittel sich darauf
konzentrierten, die Leistungsfähigkeit der noch funktionstüchtigen Nervenzellen zu erhöhen, sei zudem noch eine Forcierung des Leidens zu befürchten.
Aus für AIDS-Forschung BAYER und HOECHST beenden ihre zehnjährige Forschungs-
kooperation zu AIDS. Die Anstrengungen von HOECHST und BAYER hatten sich auf die Entwicklung einer Substanzklasse konzentriert, während sich in der AIDS-Therapie eine Kombination mehrerer Wirkstoffe durchgesetzt
hat. Da hat sich die Profitsucht mal als wenig profitabel erwiesen. Denn der Ansatz, sich bloß auf eine, noch unerforschte Substanzklasse zu konzentrieren, hat natürlich den ökonomischen Grund, den entwickelten
Wirkstoff dann exklusiv vermarkten zu können. Das gescheiterte AIDS-Joint-venture veräußert die Rechte an der Auswertung der bis dato erzielten Forschungsergeb- nisse an GLAXO WELLCOME.
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