SWB 02/98 - Ticker

ERSTE & DRITTE WELT

Biopirat BAYER
Die Natur bietet ein scheinbar unerschöpfliches Reservoir an Heilstoffen. Und mittels moderner Screening-Verfahren ist es möglich, in einem überschaubaren Zeitraum aus dem umfangreichen Substanzen-Angebot brauchbare DNAs zu isolieren, und daraus Arzneien zu entwickeln. BAYER hat sich auf chinesische Pflanzenstoffe spezialisiert, nutzt Heilmittel-Archive in Peking und wird bald das leberschützende "Natur"-Präparat CLAUSENAMID auf den Markt bringen. Andere Firmen werden in den tropischen Regenwäldern Südamerikas fündig. Die Herkunftsstaaten haben von ihren "Natur- Apotheken" in der Regel wenig. Patent-Gesetze ermöglichen eine "Privatisierung der Natur" und sichern den großen Firmen das Eigentumsrecht an den erbeuteten Schätzen zu. Die "Konvention zur biologischen Vielfalt", 1993 in Rio verabschiedet, sah zwar vor, die Ursprungsländer für den Gen-Klau angemessen zu entschädigen, aber verbindliche Regelungen wurden nicht getroffen. Die USA unterschrieb gar nicht erst. Und bundes-
deutsche Unternehmen wehren sich gegen die Einführung von Mindeststandards, durch welche die Bundesregierung diese neue Spielart des Imperialismus ein wenig erträglicher gestalten möchte.
Da verwundert es nicht weiter, daß auch auf der vierten Rio-Nachfolge-
konferenz zur Artenvielfalt in Bratislava keine konkreten Maßnahmen beschlossen worden sind.

Entwicklungshilfe  für BAYER
Nun profitiert auch BAYER vom Trend  zur Privatisierung der Entwicklungshilfe. Der Konzern beteiligt sich an einem Gesundheits-
projekt der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) in Uganda. Zur Bekämpfung von Malaria, der weitverbreitesten Krankheit der Welt, testet man die Imprägnierung von Fenstern und Vorhängen mit dem Insektizid CYFLUTHRIN, um mit dem Moskito den Überträger der Krankheit ausschalten zu können. Für BAYER ein billiges Unterfangen: Statt sich der Erforschung wirksamer Malaria-Medikamente widmen zu müssen, die wegen der Schwäche des afrikanischen Pharma-Marktes eh keine Gewinn-Aussichten versprechen, kann man einen Pestizid- Wirkstoff zweitverwerten! Was für Schäden eine Pestizid-Ausbringung in unmittelbarer Nähe von Wohnräumen verursacht, wird dann vielleicht ein zweites Gesundheitsprojekt in Zusammenarbeit mit der GTZ klären.

Weniger Nebenwirkungen in Brasilien
Eine Studie des brasilianischen Mediziners Dr. José Barros verglich die Pharmazeutika-Informationen, wie sie im brasilianischen Arzeimittel- Verzeichnis DEF niedergelegt sind, mit denen des amerikanischen Kompendiums USP-DI. Als Resultat stellte sich heraus, daß im brasilianischen Register zu den einzelnen Präparaten bedeutend weniger Nebenwirkungen und Unverträglichkeitsrisiken angegeben sind.