|
POLITIK & EINFLUSS
VCI gegen Öko-Steuern Hagen Noerenberg, Vorstandsmitglied des
nordrhein-westfälischen Verbandes der Chemischen Industrie und Geschäftsführer der BAYER-Tochter KÖLNER EC ERDÖLCHEMIE GMBH, forderte ein Ende der Debatte um Öko-Steuern. Die Wirtschaft bräuchte attraktivere
Rahmenbedingungen statt "obrigkeitsstaatlich geprägtem Umweltschutz per Ordnungsrecht". Besonders störte er sich am NRW-Projekt einer Emissionsfernüberwachung. Sie erlaubt per Daten-Highway eine ständige
Fernabfrage von Emissionsdaten (siehe auch TICKER 1/98). BAYER hat gegen das Vorhaben bei Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes förmlich Widerspruch eingelegt und droht bei negativem Ausgang sogar mit einer
Klage.
Chemie-Lobby unterwandert WHO Die internationale Chemie-Lobby versucht massiv
Einfluß auf das "internationale Programm zur chemischen Sicherheit" (IPCS) zu nehmen, das von der Weltgesundheitsorganisation WHO, der UN und der International Labor Organisation (ILO) initiiert
wurde. So schrieben ICI, HOECHST und DUPONT den IPCS-Report zu den Umweltgiften Chlorofluorocarbon und Benomyl praktischerweise gleich selbst. Mit Erfolg gelang es den Multis auch, bei einem IPCS-Workshop in
Berlin dafür zu sorgen, das aus der Krankheitsbezeichnung "Multiple Chemikalien-Unverträglichkeit" das imageschädigende "Chemie" entsorgt und das Verursacherprinzip umgekehrt wurde. Jetzt heißt
die Erkrankung "idiopathic environmental intolerances", wörtlich übersetzt "ohne Einfluß von außen sich herausbildende Umwelt-Intoleranz". Nach vielfachem Protest gegen gekaufte ExpertInnen sah
sich die WHO gezwungen, den WissenschaftlerInnen eine "declaration of interest" abzuverlangen, eine Offenlegung ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeiten.
BAYER-Mann macht Umweltschutz bei UN Dr. Ernst Goldschmitt, der ehemalige
Umweltschutz-Beauftragte des Brunsbütteler BAYER-Werks, wechselt zum "United Nations Environment Program". Die Behörde wird seit dem letzten Jahr vom ehemaligen Bundesumweltminister Klaus Töpfer geleitet.
Goldschmitts neuer Aufgabenbereich umfaßt die Einführung von Gefahrenabwehrplänen an Industriestandorten und Verhandlungen mit "Industrieverbänden, Umweltbehörden und Unternehmen vor Ort". Immer praktisch,
wenn die Industrie mit sich selbst verhandeln kann. Der Konzern wird schon wissen, warum er seinen Mann großzügig für diese ehrenvolle Tätigkeit freigestellt hat.
Bitte, Bitte BAYER Das SPD-Bundestagsmitglied Hans Wallow hat BAYER-Vorstands-
vorsitzenden Dr. Manfred Schneider eindringlich darum gebeten, daß der Verband Forschender Arzneimittelhersteller nicht nach Berlin umziehen möge. Schließlich bleiben doch auch die beiden Ministerien, mit denen der
Verband "eng zusammenarbeitet" - Gesundheits- und Forschungsministerium - in Bonn. Und zudem lade noch das 1999 nach Bonn umziehende Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinkunde zu Extrem-Lobbying ein.
Werden sich Bonn-Lobbyisten und Pharma- Lobbyisten einigen? Wir bleiben dran.
|