SWB 03/98 - Ticker

GENE & KLONE

Schwerpunkt Gentechnik
In den USA möchte BAYER im laufenden Gewschäftsjahr wegen der guten Erträge 1,7 Milliarden Dollar investieren. Schwerpunkte bilden die Gentechnik, der Anlagenbau und die Pharmaforschung.

EU für Patent auf Leben
Das europäische Parlament hat eine "Richtlinie zur Patentierung biotechnologischer Erfindungen" beschlossen, die es erlaubt, Patent- Ansprüche auf Pflanzen-, Tier- und Menschengene zu erheben. Der restlosen Kommerzialisierung von Mensch und Natur steht somit nichts mehr im Wege. Ermöglicht wurde die "Lizenz zum Leben" durch den juristischen Winkelzug, das Finden eines bestimmten Gens mit dessen "Erfindung" gleichzusetzen. Reproduktionstechnologien wie das Klonen und die Keimbahntherapie sind vom Patentschutz ausgenommen, nicht aber Forschungen an Embryonen zu medizinischen Zwecken. Es besteht aber noch Hoffnung, die Richtlinie zu Fall zu bringen. Sollten die nationalen Parlamente die Regelungen zum Patent auf Leben nicht akzeptieren, muß der Europäische Gerichtshof in Luxemburg angerufen werden. Und der könnte, da das Gesetzesvorhaben in Widerspruch zur Europäischen Patentübereinkunft steht, durchaus ablehnend entscheiden.

Gentechnik bei Ackergiften
BAYER setzt in der Agrochemie-Sparte zunehmend auf die Gentechnik. Das Unternehmen schloß mit LION BIOSCIENCE AG und einer ForscherInnengruppe an der Münchner Ludwig Maximilian-Universität einen 13 Millionen Mark schweren Kooperationsvertrag. Aus der Untersuchung des Erbguts eines Pilzes, der Maispflanzen befällt, erhofft sich BAYER Erkenntnisse zur Entwicklung eines neuen Wirkstoffes. Bei einem Pressetermin schwärmte BAYERs Hauptverantwortlicher im Bereich Forschung, Pol Bamelis, von den blühenden bundesdeutschen Biotech- Landschaften. Schöner sei es nur in Amerika und in Großbritannien, "aber Deutschland ist klarer Dritter", so der BAYER-Mann.

Gentech beschert Ackergiften neue Wirkorte
Die Zusammenarbeit zwischen BAYER und der amerikanischen Biotech-Firma EXELIXIS PHARMACEUTICALS INC. (siehe TICKER 2/98) besteht im einzelnen darin, daß das Unternehmen mittels genetischer Modellsysteme und der Entschlüsselung eines "Schädlings"genoms neue Testziele und Wirkorte für Insektizide aufspürt.

BAYER vertreibt Gentech-Herzmittel
Der Leverkusener Chemie-Konzern hat von dem US-Unternehmen SOCIOS die Vermarktungsrechte an dem Herzmittel NATRECOR erworben. Neben einer einmaligen Zahlung von 20 Millionen Dollar sind weitere 40 Millionen fällig, wenn das Präparat Zulassungen in Europa, Amerika und Japan erhält. Das gentechnisch hergestellte Medikament beruht auf einem neuen Wirkstoff zur Behandlung von akuter Herzschwäche.

Keine Pillen ohne Gentechnik
Der Leiter des BAYER-Geschäftsbereichs Pharma, Prof. Dr. Horst Meyer, hat die Gentechnik im Pharmabereich als eine Grundvoraus-
setzung bezeichnet, um neue Wirkstoffe zu finden. Wegen der angeblich zunehmend positiven Einstellung der Bevölkerung zur Gentechnik und dem biophilen neuen Landesvater Wolfgang Clement kann sich Meyer in Zukunft durchaus einen bundesdeutschen Gentech-Standort von BAYER vorstellen, z.B. in Wuppertal.