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KAPITAL & ARBEIT
Andere Beschäftigten-Struktur Anhand von Stellenanzeigen hat der
Personaldienstleister ADECCO den Strukturwandel innerhalb der chemischen Industrie analysiert. Demnach hat die Vernichtung von Arbeitsplätzen seit Beginn der 90er Jahre - 200.000 Stellen verschwanden - vornehmlich
technisch- gewerbliche Berufe getroffen. Nur noch 28 % aller Annoncen entfallen auf Ausbildungsberufe, wogegen sich der Anteil der Stellenanzeigen für Führungs- und hochqualifizierte Fachkräfte auf 72 % erhöht hat.
Der Anteil der Chemie-Branche am Gesamtstellenmarkt ist auf 3 % gesunken. Sie ist so zwar noch Großverdiener, aber kein Groß- Arbeitgeber mehr.
Schneider kritisiert Roman Herzog Die Äußerung von Bundespräsident Roman Herzog auf
dem DGB- Kongreß in Düsseldorf, manche deutsche Firmen hätten in letzter Zeit "Personalabbau wie eine olympische Disziplin" betrieben, hat BAYER- Chef Manfred Schneider gar nicht gefallen. Es gäbe zwar
einen internationalen Wettbewerb, und der sei auch eine Hauptursache für die Entlassungen, aber sportliche Motive spielten dabei keine Rolle; vielmehr würde der Arbeitsplatzabbau aus "unbedingter
Notwendigkeit" heraus vorgenommen, grantelte Schneider. Nach dieser Politiker- Schelte ruderte der BAYER-Vorstandsvorsitzende allerdings wieder zurück und pries den Standort Bundesrepublik ob der Enthaltsamkeit
der Gewerkschaften, der großen Kaufkraft der Bevölkerung und dem guten Ausbildungsstand der Beschäftigten. Zuviel Standort-Schelte trägt nämlich nicht gerade zur Erhöhung der Wahl-Chancen von CDU/FDP bei.
Einsparungen durch MitarbeiterInnen-Ideen 1997 hat BAYER durch
Verbesserungsvorschläge, die von den Beschäftigten eingereicht wurden, 25 Millionen Mark gespart. An Prämien zahlte das Unternehmen 9,2 Millionen Mark aus. Ein Klecker- Betrag, wenn mensch bedenkt, daß BAYER
vielleicht über Jahrzehnte von den Innovationen profitiert. Und dazu noch sämtliche Entwicklungs- kosten spart, da die MitarbeiterInnen die Ideen sozusagen gratis liefern.
Gipperich Nachfolger von Nitzard Erhard Gipperich ist der neue Vorsitzende des BAYER-Gesamt-
betriebsrats. Sein Amtsvorgänger Rolf Nitzard trat "aus gesundheitlichen Gründen" zurück. Gipperich stand als "junger Wilder" einst in Opposition zur IG Chemie und kandidierte bei Wahlen mit
seiner eigenen Liste "Für einen besseren Betriebsrat". Nach 1981 kehrte er allerdings in den Schoß der Gewerkschaft zurück. Heute bezeichnet Gipperich Politik als "Kunst des Möglichen". Auf
seinem Programm stehen ein Anschluß- vertrag zur "Standortsicherungsvereinbarung" und das Bemühen um eine Erhöhung der Ausbildungsplätze. Weitere Schwerpunkte werden die Einführung der Betriebssoftware
SAP und das Thema "flexible Arbeitszeiten" bilden.
IG BCE und DAG vs. Durchschaubare Wie aus dem Juni-Flugblatt der "Kolleginnen
und Kollegen für eine durchschaubare Betriebsratsarbeit" hervorgeht, versuchen IG BCE und DAG gemeinsam, den Einfluß der "Durchschaubaren" im neu gewählten Betriebsrat möglichst gering zu halten.
Entgegen einer anderslautenden Versicherung sind IG BCE und DAG eine Listenverbindung eingegangen - ein Kuhhandel, der der DAG sieben Ausschußsitze einbringt und zur Folge hat, daß in mehreren Ausschüssen kein
Arbeiter der "Durchschaubaren" vertreten ist. In Geheimdiplomatie einigten sich IG BCE und DAG ferner darauf, künftig analog zu den BAYER- Geschäftsfeldern fünf Bereichsteams zu bilden und übernahmen auch
gleich, ohne Rücksprache zu halten, die Verteilung der "Durchschaubaren"-Vertreter auf die Teams. Vorrangiges Ziel der Umstrukturierung: Bisher von den "Durchschaubaren" geleitete Bereiche wieder
für die IG BCE zurückzuerobern.
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