SWB 03/98 - Ticker

WASSER, BODEN & LUFT

Kritik an Bodenschutzgesetz
Als Kniefall vor der Agrar-Lobby kritisiert der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft das neue Bodenschutzgesetz. Nach Meinung des Verbandes reicht eine einfache Übernahme der Bestimmungen des Dünge- und Pflanzenschutzrechtes in die Gesetzesnovelle nicht aus, um einen ausreichenden Schutz der Gewässer vor agrochemikalischen Verunreinigungen zu gewährleisten.

Klimakiller BAYER
Die Chemie ist der größte Stromverbraucher aller Industrie-Branchen. 1997 benötigte sie Strom in einem Umfang von 60 Milliarden Kilowattstunden. Damit trägt sie maßgeblich zu einer Gefährdung des Weltklimas bei, denn bei der Stromerzeugung werden große Mengen Kohlendioxid freigesetzt. Der Ausstoß der BAYER-eigenen Kraftwerke betrug 1996 nach den im Umweltbericht veröffentlichten Zahlen 9,6 Millionen Tonnen. Da BAYER zusätzlich Strom von Fremdfirmen wie RWE bezieht, liegt die CO2-Gesamtsumme noch höher. In einer Selbstverpflichtungserklärung zur letztjährigen Klima-Konferenz in Kyoto hat die Chemische Industrie angekündigt, den "spezifischen Energieverbrauch" um mehr als 30 % senken zu wollen. Das Wort "spezifisch" hat es allerdings in sich. Darunter wird die Energie-Menge verstanden, die zur Herstellung einer bestimmten Gütermenge benötigt wird. Und die kann abnehmen, während der gesamte Energieverbrauch nicht oder nur in geringem Umfang abnimmt. So sank 1995 im Chemie- Bereich der spezifische Energieverbrauch um 36,1 %, während der absolute Energieverbrauch lediglich um 3,6 % abnahm. Das Ozonloch kriegt man damit nicht wieder zu.

Sondergenehmigung für Klärwerk
Für BAYER gelten andere Gesetze: Mit dem Landesverband Wupper feierte der Konzern jetzt die Erlaubnis, weiterhin ein Gemeinschafts-
klärwerk betreiben zu dürfen. Eigentlich untersagt dies eine Anordnung des Kölner Regierungspräsidenten Franz-Josef Antwerpes von 1991. Er hatte eine "Trennungsverfügung" erlassen, weil Industrieabwässer aus Umweltschutzgründen gesondert aufbereitet werden sollten, bevor sie in den Rhein fließen. Dies hätte für den Landesverband Wupper allerdings bedeutet, ein neues Klärwerk zu bauen. Auf BAYER wäre ein kostenintensives Verfahren, dem Abwasser Frischwasser beizumengen, zugekommen. Um den Kommunen Kosten zu ersparen und den Chemie-Standort NRW nicht in sauberem Abwasser untergehen zu lassen, stimmte Antwerpes schließlich dem Gesetzesbruch zu.

Elbverschmutzung durch BAYER
Das BAYER-Werk Brunsbüttel hat nach Angaben des Werksleiters Klaus Starke 1997 mehr Nickel, Kupfer, Halogen-Verbindungen und Quecksilber in die Elbe eingeleitet als im Vorjahr. Verursacht wurde die zusätzliche Belastung des Flusses laut Starke durch eine erhöhte Produktion, ein neues Produkt und -Achtung!- "die Verunreinigung einiger Rohstoffe, die BAYER von außen zugekauft hat". Die anderen also wieder. Wegen geringerer Produktion wurden dagegen weniger Rückstände von organischen Chemikalien und Kohlenstoffen gemessen. So geht´s mit der Elbe und dem Umweltschutz konjunkturabhängig auf und ab.