|
AKTION & KRITIK
Protest gegen falsche Bio-Label Nach einem Gesetzesentwurf des
US-Landwirtschaftsministeriums können sich auch solche Lebensmittel als Bio-Produkte bezeichnen, die gentechnologisch hergestellt und/oder zur Verlängerung der Haltbarkeit radioaktiv bestrahlt worden sind. Gegen
diesen Etikettenschwindel gingen in der Behörde 200.000 Einsprüche aus aller Welt ein.
AGRARBÜNDNIS gegründet 20 Organisationen aus Landwirtschaft, Natur- und Tierschutz
sowie aus den Bereichen Verbraucherschutz und Entwicklungspolitik haben sich in Bonn zum AGRARBÜNDNIS zusammengeschlossen. Es forderte die Bundesregierung zu einer Kehrtwende in der Landwirtschaftspolitik auf. Statt
der Förderung immer größerer Agrarfabriken müsse deren Leitlinie "die Erzeugung gesunder Lebensmittel, die umweltschonende und angemessene Haltung von Nutztieren, die Erhaltung der Kulturlandschaft und ein
fairer Handel mit den Entwicklungsländern" werden. BAYER ist als einer der größten Pestizid-Hersteller der Welt integraler Bestandteil einer agrarindustriellen Produktionsweise, die Umwelt und Gesundheit
gefährdet.
WWF fordert Meeresschutzgebiete Anläßlich der internationalen
UmweltministerInnenkonferenz zum Schutz der Meeresumwelt, die im Juli in Portugal stattfand (Angela Merkel glänzte durch Abwesenheit), forderte der WORLD WIDE FUND FOR NATURE (WWF) eine Reduzierung der
Giftstoff-Einleitungen sowie die Einrichtung von Meeresschutzgebieten. Seit dem Abkommen zum Schutz der Meeresumwelt im Jahr 1992 sei nicht einmal die Hälfte der damaligen Beschlüsse und Empfehlungen umgesetzt
worden, kritisierte die Organisation. Namentlich die Einträge der organischen Chlorverbin- dungen hätten sich kaum reduziert. Diese Substanzen sind besonders schwer abbaubar und waren mitverantwortlich für das
große Seehundsterben im Jahr 1988. Für BAYER stellt die Chlorchemie ein lukratives Geschäftsfeld dar. Die COORDINATION GEGEN BAYER- GEFAHREN fordert seit langem den Ausstieg aus der Chlor-Produktion.
Pestizid-Zulassungsverfahren mangelhaft Ulf Jacobs vom WORLD WIDE FUND FOR NATURE
(WWF) fordert eine Neugestaltung der Genehmigungsverfahren für Pestizide. In die Beurteilungen müßten auch die wissenschaftlichen Kenntnisse über die krebserregenden und erbgutverändernden Wirkungen der Ackergifte
eingehen. Außerdem tritt er für eine begleitende Kontrolle bereits zugelassener Agrochemikalien ein. Zu kritisieren sei ferner, daß bisher kaum kritische WissenschaftlerInnen sowie Umwelt- und Verbraucher-
verbände in die Verfahren einbezogen worden seien, ganz im Gegensatz zu den USA, wo es sogar öffentliche Anhörungen gäbe.
PAN will besseren AnwenderInnenschutz Eine Studie des PESTIZID AKTIONS-NETZWERKs
über den Pestizid-Gebrauch in den sog. Entwicklungsländern ergab, daß die AnwenderInnen dort nicht ausreichend vor Pestizid-Vergiftungen geschützt sind. Nach einer Veröffentlichung der INTERNATIONAL LABOUR
ORGANISATION (ILO) von 1994 treten 99 % aller tödlichen Pestizid-Vergiftungen in den Ländern der "Dritten Welt" auf. Vor allem politische und wirtschaftliche Zwänge konterkarieren nach der Einschätzung des
PAN die vielfältigen Bemühungen verschiedenster Organisationen. Das Netzwerk erhebt deshalb mehrere Forderungen. Den internationalen rechtlichen Rahmen betreffend, fordert PAN, die mittel- und langfristigen
Gesundheitsschäden durch Ackergifte ebenso in die Toxizitätsbewertungen einfließen zu lassen wie die neben den Wirkstoffen ebenfalls toxischen Pestizid-Zusatzstoffe. Die Hersteller fordert PAN auf, ihre Produkte nur
noch dort zu vertreiben, wo die Voraussetzungen für eine sachgemäße Anwendung gegeben sind. Notfalls sollen BAYER & Co. die Schulungen selber übernehmen. An die AkteurInnen der Entwicklungspolitik ergeht die
Forderung, im Rahmen ihrer Förderprojekte auf Pestizide der Toxizitätsklassen 1a und 1b zu verzichten sowie verstärkte Anstrengungen zur Förderung des ökologischen Landbaus zu unternehmen.
PAN begrüßt PIC-Konvention In einer Pressemitteilung begrüßt das PESTIZID
AKTIONS-NETZWERK (PAN) die im September völkerrechtlich verbindlich gewordene PIC-Konvention. Sie versetzt die ärmeren Länder erstmals in die Lage, Einfuhrverbote für solche Pestizide auszusprechen, die auf der
PIC-Liste stehen. Dort aufgeführt sind auch die Wirkstoffe der BAYER-Ackergifte TAMARON, E 605 FORTE, ECOMBI und ME 605. Allerdings sieht das PAN in der PIC-Konvention allein kein probates Mittel, die Zahl der
Pestizid- Vergiftungen merklich zu reduzieren. Geschäftsführerin Carina Weber: "Wichtigste Begleitmaßnahme der Umsetzung ist die Förderung und Bekanntmachung von Alternativen für PIC-Pestizide."
GREENPEACE mäht Gen-Mais ab GREENPEACE-MitgliederInnen mähten im September ein Feld
mit Gen-Mais der Firma NOVARTIS ab. Der Bauer war mit der Aktion einverstanden. Der zu der Zeit noch amtierende Bundesforschungs- minister Jürgen Rüttgers weniger. Das sei in diesem Jahr schon der 17.
Zerstörung, womit sich die Zahl gegenüber 1997 verdoppelt habe, klagte der Minister. Darüber hinaus hat GREENPEACE gegen NOVARTIS Anzeige erstattet, da für den Gen-Mais mit eingebautem Pestizid- Wirkstoff keine
Zulassung nach dem Pflanzenschutzgesetz vorliege.
VerbraucherschützerInnen gegen Antibiotika Eine Sprecherin der ARBEITSGEMEINSCHAFT
DER VERBRAUCHERVERBÄNDE forderte ein sofortiges Verbot von Antibiotika-Gaben in der Tiermast. "Hier muß dringend etwas getan werden, sonst ist es in Zukunft nicht mehr möglich, ernsthafte Krankheiten zu
behandeln", sagte sie vor der Presse. In der Massentierhaltung verwendete Antibiotika können über die Nahrungskette in den menschlichen Körper gelangen und dort ein Depot bilden, so daß im Falle einer Infektion
zusätzlich verabreichte Dosen unwirksam bleiben. Antibiotika als Wachstumsförderer und zur Krankheitsprophylaxe gehören zu BAYERs Tierarznei-Programm.
TERRE DES HOMMES attackiert BAYER & Co. Die TERRE DES
HOMMES-ÄrztInnen-Initiative nahm den Weltkindertag im September zum Anlaß, die Praktiken der Pharma-Industrie bei der Vermarktung von Arzneimitteln für Kinder in den sog. Entwicklungs- ländern zu kritisieren. In
den betreffenden Staaten würden unnütze oder gefährliche Arzneien vertrieben oder einfach Ladenhüter wie Antibiotika- Mixturen abverkauft, noch dazu zu weit höheren Preisen als in Europa. BAYER warf die
ÄrztInnen-Initiative vor, weiterhin Werbung für Kinder- ASPIRIN zu machen, obwohl es hohe Risiken berge. BAYER wies die Vorwürfe zurück, gab aber - anders als noch auf der Hauptversammlung - zu, ASPIRIN für
Kinder zu bewerben, allerdings nur in Kliniken und bei ÄrztInnen.
BAYER antwortet SWB-Extra-Leser Hans-Willi Döpp ließ sich durch die Lektüre des
SWB-Extras zum Thema "Lebensmittelzusatzstoff-Produktion bei der BAYER-Tochter HAARMANN & REIMER" zu einem Brief an die BAYER-Zentrale anregen. Er brachte darin seinen Protest gegen eine industrielle
Lebensmittelproduktion, die zu immer mehr Allergien führt, zum Ausdruck und kritisierte die Verwendung von Antibiotika in der Tiermast. Er erhielt vom BAYER-Referat für Kultur und Sonderaufgaben sogar eine Antwort.
Der zuständige Öffentlichkeitsarbeiter schloß in seinem Antwortschreiben schlicht aus, daß von den künstlichen Aromen und Duftstoffen der BAYER-Tochter HAARMANN & REIMER eine gesundheitsschädliche Wirkung
ausgehe und wies abstruserweise auf Aromastoffe auch in natürlichen Produkten wie Obst, Gemüse, Früchte oder Milch hin. Mehr Verständnis brachte Herr Nassenstein für Hans-Willi Döpps Besorgnis über Antibiotika in
der Massentierhaltung auf. Nur sei die intensive Tierhaltung leider der Preis für die Herstellung "ausreichender, gesunder und kostengünstiger Lebensmittel". Und immerhin habe BAYER kürzlich ein
Antiinfektivum auf den Markt gebracht, das nicht für den prophylaktischen, sondern nur für den therapeutischen Einsatz bestimmt sei. Als Anlage lag dem Schreiben die Zeitung Ihr Nachbar bei, die gemeinsam von den
Lebensmittelzusatzstoff-Herstellern HAARMANN & REIMER und DRAGOCO herausgegeben und im Umkreises des Standorts Holzminden verteilt wird. Der Leitartikel "Das Geschäft mit der Angst" versucht darin, in
die Offensive zu gehen und der massiven öffentlichen Kritik an den Aromapanschern zu begegnen (s. a. unter PROPAGANDA & MEDIEN).
Gegenveranstaltung in Brunsbüttel Als Kontrastprogramm zu den "25 Jahre BAYER
Brunsbüttel"- Feierlichkeiten luden die Steinburger Kreisverbände von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und BUND zu einer BAYER-kritischen Informations- veranstaltung ein. Philipp Mimkes von der COORDINATION GEGEN
BAYER-GEFAHREN sprach dort über die Umweltbelastungen durch den Wasserverbrauch von einer Million Kubikmeter pro Jahr und über die Risiken einer Polyurethan-Produktion mit Phosgen, einen Stoff, den japanische
Kunststoff-Hersteller längst ersetzt haben. Auch auf den Bruch des BAYER-Antrittsversprechens, in Brunsbüttel durch das neuerbaute
Werk über 10.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen - heute sind es gerade einmal 1.200 - machte Mimkes aufmerksam.
Proteste gegen Aquakulturen Weltweit boomt die industrielle Fischzucht, auch
"Blaue Revolution" genannt. Die Weltbank und die Welternährungsorganisation FAO fördern das Anlegen von Aquakulturen mit Millionenbeträgen. BAYER reagiert auf die gesteigerten Ertragsaussichten und hat
angekündigt, das Engagement auf diesem Gebiet zu verstärken. Erster Beleg ist die Fischimpfstoff-Kooperation mit dem kanadischen Unternehmen MICROTEK INTERNATIONAL LTD.. Damit für den Weltmarkt Fischdelikatessen
geliefert werden können, müssen in Bangladesh, Taiwan und Indien Reisplantagen in großem Ausmaß stillgelegt werden. Und die mit Salzwasser unter immensem Pestizid-Einsatz betriebenen Fischfarmen lassen die Erträge
der benachbarten Reisbauern durchschnittlich um ein Drittel sinken. So ist die Versorgung der Landbevölkerung mit Trinkwasser und Reis nicht mehr gesichert, und es entstehen massive Umweltschädigungen. Zudem nimmt
die Arbeitslosigkeit unter den LandarbeiterInnen zu, da die Aquakulturen mit jeweils drei MitarbeiterInnen auskommen. Darum regt sich immer mehr Protest. FischerInnen und LandarbeiterInnen zerstören Rohre und Pumpen
der Anlagen, bilden Menschenketten vor Bulldozern, die neue Teiche ausheben wollen, und reichen Petitionen ein. Im Dezember 1996 konnte die Anti- Krabben-Kampagne erreichen, daß der indische Oberste Gerichtshof die
Intensivzucht in Küstennähe untersagte und die Unternehmen zu einer Behebung der ökologischen Schäden verurteilte.
Pittsburgher Komitee erlangt Publizität Die Aktivitäten des COMMITTEE FOR
APPROPRIATE ACKNOWLEDGEMENT, etwa "Komitee für einen angemessenen Umgang mit der Schuld", erfahren in Pittsburgh, dem Stammsitz von BAYER/USA, ein breites Medienecho. DIE COORDINATION vermittelte einen
Kontakt mit David Fishel, einem ehemaligen IG FARBEN-Zwangs- arbeiter. Auf Einladung der Gruppe, die innerhalb von Pittsburghs Jüdischer Gemeinde aktiv ist, wird er im Dezember einen Vortrag in der Stadt halten.
Die größte Pittsburgher Tageszeitung nahm das zum Anlaß, ausführlich über die Kritik des Komitees an dem BAYER- Konzern, der sich nicht seiner IG FARBEN-Vergangenheit stellt, zu berichten. Der Artikel zitiert eine
BAYER-Sprecherin mit den Worten, die aktuelle finanzielle Unterstützung der Jüdischen Gemeinde solle keineswegs über die dunkle BAYER-Vergangenheit hinwegtäuschen, vielmehr helfen, eine gemeinsame Brücke in die
Zukunft zu bauen. Über diese Brücke muß BAYER aber auch mit denjenigen gehen, die Spenden des Konzerns nur akzeptieren wollen, wenn sie mit einer Offenlegung der Schuld einhergehen, heißt es in dem Artikel
abschließend.
DURCHSCHAUBARE zur Globalisierung In ihrem August-Flugblatt nehmen die KOLLEGINNEN
UND KOLLEGEN FÜR EINE DURCHSCHAUBARE BETRIEBSRATSARBEIT zur Globalisierungsdebatte Stellung. Für sie ist "Globalisierung" lediglich ein Kampfbegriff, der es den Unternehmen erlaubt, geringere Lohnkosten
sowie niedrigere soziale und umwelttechnische Standards durchzusetzen. Denn wie der betreffende Artikel weiter ausführt, waren Kapitalismus und Internationalisierung immer schon eng miteinander verknüpft. BAYER
baute bereits 1876 Werke im Ausland und unterhielt schon 1882 eine ständige Vertretung in China. Eine qualitative Veränderung stellen die Entwicklungen des letzten Jahrzehnts folglich nicht dar, vor allem weil immer
noch zwei Drittel des deutschen Außenhandels mit den europäischen Nachbarländern abgewickelt wird.
DURCHSCHAUBARE für Ausbildungsplatzabgabe Lang, lang ist´s her, seitdem es allein
im Leverkusener BAYER-Werk 2.800 Lehrstellen gab; inzwischen sank die Zahl auf 942. Die Folge: Die Jugendarbeitslosigkeit steigt. Und weil nicht mehr über den unmittelbar eigenen Bedarf ausgebildet wird, herrscht
auf dem Arbeitsmarkt ein Mangel an qualifizierten Fachkräften. Das erhöhte Aufkommen von Stellenanzeigen der Chemischen Industrie für Fachpersonal in den Tageszeitungen stellt dies eindrucksvoll unter Beweis. Auf
dieses Mißverhältnis machten die KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN FÜR EINE DURCHSCHAUBARE BETRIEBSRATSARBEIT in ihrem August- Flugblatt aufmerksam. Um es aufzuheben, fordern sie eine Ausbildungsplatzabgabe für solche
Betriebe, die zu wenig Lehrstellen bereitstellen.
Weitere Proteste zu Kindertagesstätten Die DEUTSCHE ANGESTELLTEN-GEWERKSCHAFT (DAG)
wendet sich in einem Brief an BAYER-Arbeitsdirektor Hans-Jürgen Mohr gegen das Bestreben von BAYER, die Trägerschaft der Kindertagesstätten an das DEUTSCHE ROTE KREUZ abzugeben. Die Gewerkschaft betrachtet die
Kindergärten als "Kernsozialleistung der Firma" und befürchtet für den zukünftigen Betrieb Qualitätseinbußen durch ungünstigere Öffnungszeiten und Aufgabe einer eigenen Küche. Auch müßten die PädagogInnen
mit Lohnabschlägen von bis zu 2.500 Mark rechnen, was BAYER ihnen mit einmaligen Abschlagzahlungen schmackhaft machen will. "Ein unmoralisches Angebot" nennt das der Betriebsrat, der ebenso wie die IG
BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE (IG BCE) gegen die Ausgliederung der Kindergärten protestiert. Ob bei der BAYER-Entscheidung sogar Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats übergangen wurden, ist derzeit Gegenstand einer
juristischen Überprüfung.
IG BCE wirft BAYER Amokläufe vor In einem Info-Blatt attackiert die IG BERGBAU,
CHEMIE, ENERGIE (IG BCE) BAYER "in ungewöhnlich scharfem Tonfall" (Rheinische Post) und wirft dem Konzern vor, massiv gegen das "Standortsicherungs- abkommen" zu verstoßen. Aufgeführt werden
die Ausgliederungen der Kindertagesstätten, des Rechenzentrums und der Spezialprodukte. Durch die Umstrukturierungsmaßnahme will BAYER allein in diesem Logistikbereich
100 Arbeitsplätze einsparen, so Betriebsratsleiter Erhard Gipperich. Das Informationsblatt endet mit folgenden Forderungen: "Schluß mit unnötigen Ausgliederungen! Schluß mit sozialpolitischen Amokläufen! Wiederherstellung der sozialen Partnerschaft!"
|