SWB 04/98 - Ticker

GENE & KLONE

AGREVOs Gen-Mais zugelassen
Die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft hat das Ergebnis des Freilandversuchs von AGREVO, Mais mit einem Resistenz-Gen gegen das hauseigene Herbizid LIBERTY zu züchten, positiv bewertet und LIBERTY eine Zulassung erteilt. Damit ist die Bundesrepublik der erste westeuropäische Staat, in dem der Kombi-Pack aus LIBERTY und LIBERTY-restistentem Gen-Mais die Felder heimsuchen darf.

Kennzeichnungspflicht für Gen-Soja und -Mais
Ab September 1998 müssen Lebensmittel, in denen Gen-Soja und/oder -Mais enthalten ist, gekennzeichnet werden. Allerdings nur, wenn es sich um ROUNDUP- resistentes Soja von MONSANTO oder den Bt-Mais von NOVARTIS handelt. Da als Kriterium gilt, daß in den Lebensmitteln veränderte Mais- oder Soja-DNA nachgewiesen werden muß, sind Zwischenprodukte wie Maisstärke, raffinierte Speiseöle oder Soja- Lecithin sowie andere Zusatzstoffe von der Verordnung ausgenommen. Was als transgenes Tierfutter über die Nahrungskette in den mensch-
lichen Körper gelangt, fällt ebensowenig unter die EU-Verordnung
Nr. 1139/98. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN fordert eine umfassende Kennzeichnungspflicht aller transgener Bestandteile von Lebensmitteln sowie mittels gentechnischer Verfahren hergestellter Enzyme oder anderer Zusatzstoffe.

"Ohne Gentechnik"-Siegel
Konventionell hergestellte Lebensmittel können künftig die Aufschrift "Ohne Gentechnik" tragen. Der Bundesrat stimmte einer entsprechenden Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums zu. Der Gentechnik-Experte des BUND, Dan Leskien, erwartet, daß sich das Logo bald zu einem neuen Gütesiegel entwickeln wird.

WBGU beurteilt "grüne Gentechnik" skeptisch
Der WISSENSCHAFTLICHE BEIRAT DER BUNDESREGIERUNG FÜR GLOBALE UMWELTVERÄNDERUNGEN (WBGU) kommt in seinem Jahresgutachten für 1997 zu dem Ergebnis, daß Gentechnik in der Landwirtschaft für die sog. Dritte Welt bislang keine positiven Effekte gehabt hat. Weder hat sie zu höheren Erträgen noch zu einer effektiveren Wassernutzung geführt. Auch haben sich die genetisch manipulierten Nutzpflanzen entgegen den Ankündigungen der Gen-Industrie keineswegs als resistent gegen trockene oder salzreiche Böden erwiesen. Der sozio-ökonomische Effekt der "grünen Gentechnik" wird eine weitere Verarmung der Kleinbauern sein, prognostizieren die WissenschaftlerInnen, denn diese könnten die hohen Produktionskosten der Gen-Landwirtschaft nicht aufbringen.

Bio-Unternehmen machen Verluste
In Europa gibt es ca. 1.000 kleine Biotech-Firmen (bis 500 Mitarbeite-
rInnen) mit insgesamt 39.000 Beschäftigten. Einem Umsatz von
5,4 Milliarden DM stehen Forschungsaufwendungen in Höhe von
3,8 Milliarden DM gegenüber, nach Steuern bleibt ein Verlust von
4 Milliarden DM. Die 173 bundesrepublikanischen Bio-Unternehmen machen mit 4.000 Beschäftigten einen Umsatz von 577 Millionen DM. Bei Forschungskosten von 282 Millionen DM belaufen sich die Betriebsverluste auf 69 Millionen DM. Die Rede von der Zukunftstechno-
logie mit den vielen modernen, sicheren Arbeitsplätzen bleibt also Zukunftsmusik.

Forschungsverbund zum Pflanzengenom
Im September stellte der damalige Forschungsminister Rüttgers in Bonn das Programm "Genomanalyse im biologischen System Pflanze" (Gabi) vor, an dem sich der Bund und 16 Unternehmen aus den Branchen Pflanzenzucht, Chemie und Lebensmittel beteiligen. Der Verbund hat sich zum Ziel gesetzt, das "System Pflanze" zu erforschen, um so Erkenntnisse für die "Produktion" transgener Nutzpflanzen zu gewinnen. Dabei ist nicht mehr nur an den Einbau von Pestizidwirkstoffen, sondern auch an das Implantieren von bestimmten Inhaltsstoffen wie Proteinen und Fettsäuren oder von Arzneiwirkstoffen gedacht. Parallel dazu gab Rüttgers den Start der zweiten Phase jenes Projektes bekannt, das sich mit der Erforschung des menschlichen Genoms befaßt. Acht führende Pharma-Unternehmen gehören dem Verbund an; ein Wunder, wenn BAYER nicht mit von der Partie wäre. Ist es in der ersten Phase um die Kartographie des menschlichen Erbgutes gegangen, liegt der Schwerpunkt der zweiten Phase auf einer Analyse der Funktionsweise solcher Gene, die in Krankheitsprozessen eine Rolle spielen.

Bamelis gegen EU-Freisetzungsrichtlinie
BAYERs Forschungschef Dr. Pol Bamelis ist Vorsitzender der DEUTSCHEN INDUSTRIEVEREINIGUNG BIOTECHNOLOGIE (DIB) im VERBAND DER CHEMISCHEN INDUSTRIE (VCI). In dieser Eigenschaft pries er ein weiteres Mal die blühenden Biotechnologie- Landschaften in der Bundesrepublik und ihren Segen für den Arbeitsmarkt. Wäre die Steuerlast der Unternehmen geringer und gäbe es auch hier Pensionsfonds, die auf dem Risikokapitalmarkt anlegen könnten, so würde noch mehr Gentech aus dem Boden sprießen. Als größtes Wachstumshindernis machte Bamelis aber die die scheinbaren Überregulierungen in den Zulassungsverfahren aus. Er kritisierte den EU-Entwurf einer neuen Freisetzungsrichtlinie, der Genehmigungen von Gen-Saatgut auf sieben Jahre befristet, scharf. Des weiteren bezeichnete er die avisierte Kontrolle bereits auf dem Markt befindlicher gentechnologischer Produkte als undurchführbar. 

Gentechnologische Pharma-Forschung
Die Kooperation BAYERs mit MILLENNIUM (s.a. IMPERIUM & WELTMARKT) besteht im einzelnen darin, daß das Genomforschungs-
unternehmen solche Enzyme, Rezeptoren und Moleküle findet und genetisch entschlüsselt, die eine wichtige Rolle bei bestimmten Krankheitsprozessen spielen. Von den ca. 100.000 menschlichen Genen sind bisher 400 als krankheitsbeeinflußend identifiziert worden; MILLENNIUM will für BAYER 225 neue ermitteln. Diese sollen dann später einmal als Ansatzpunkte für Arzneimittel dienen, als sog. "drug targets". Für die Behandlung von Krebs, Osteoporose, Virus-Infektionen, Hämatologie, Schmerz und Herz-Kreislauf-Erkrankungen will BAYER so neue Therapie-Konzepte entwickeln.

Biotech-Fond in den USA gegründet
BAYER und AGREVO beteiligen sich mit je 25 Millionen Dollar an einem Kapitalfond, der junge Unternehmen im Bereich der "grünen Gentechnik" unterstützen will. Diese Einlage ermöglicht es sowohl BAYER als auch der HOECHST/SCHERING-Tochter, privilegiert auf neue Produktentwicklungen der geförderten Firmen zuzugreifen. Die Anwendung der Biotechnik im Agrar- und Ernährungsbereich werde die Qualität der Nahrungsmittel weiter verbessern und die Umweltverträg-
lichkeit der Produktionsmethoden optimieren, tat ein Konzernsprecher kund. Dieses Statement könnte ein Zeichen dafür sein, daß der Konzern sein Engagement in der Sparte "grüne Gentechnik" verstärken will.

BAYER will Gentechnik ausweiten
Im Zusammenhang mit der Gründung des Biotech-Kapitalfonds und der Allianz mit MILLENNIUM kündigte BAYER an, sein Engagement in der Gentechnik verstärken zu wollen. Von den vier kurz vor der Marktein-
führung stehenden gentechnisch hergestellten Präparaten wie dem Herzmittel NATRECOR und dem Alzheimer-Medikament PROMEM erwartet der Konzern Umsätze in Milliarden-Höhe. Da die Akzeptanz der neuen "Schlüsselindustrie" in der Bundesrepublik steige und sich die Behörden bei den Genehmigungsverfahren zunehmend entgegen-
kommender zeigen würden, so BAYERs amerikanischer Biotech-Chef Wolf-Dieter Busse, wolle man dabei in Zukunft auch Standorte wie Wuppertal verstärkt berücksichtigen. Eine Entscheidung darüber fällt nach seinen Worten im Jahr 2000 oder 2001.

EU-Zulassung für KOGENATE beantragt
BAYER hat für KOGENATE SF, ein gentechnologisch hergestelltes Präparat zur Behandlung der Bluterkrankheit, die EU-weite Zulassung beantragt. Gegenüber dem Blutprodukt, das in den USA bereits seit längerem auf dem Markt ist und unter BAYERs meistverkauften Pharma-Produkten den fünften Rang einnimmt, hat der Chemie-Multi eine Veränderung vorgenommen. Statt Human-Albumin dient nunmehr Saccharose als Stabilisator, worauf der Zusatz SF (Sucrose Formulated) hinweist. Auch gentechnologisch hergestellte Blut- Präparate enthalten, wenn auch in geringerem Maße, SpenderInnen-Blut. Das Risiko der Übertragung von Krankheitserregern ist also weiter gegeben. Eine zweite Gefahr besteht in der Übertragung von Krankheitserregern tierischer Abstammung. Tierische Zellen von Rhesusaffen, Mäusen, Hamstern, Kälbern und Rindern (BSE!) werden nämlich in den gentechnischen Verfahren als Nährböden, zur Produktion biologischer Stoffe oder als Gen-Transporter eingesetzt.

BAYER nutzt Biotech-Nachweisverfahren
Die Diagnostika-Sparte von BAYER kann künftig die Polymerase- Ketten-Reaktion zum Nachweis pathogener Zellen nutzen, das Verfahren, das auch zur Ermittlung des "genetischen Fingerabdrucks" eingesetzt wird. Ein Lizenzabkommen mit dem Pharma-Konzern ROCHE berechtigt BAYER zur Anwendung dieser "Goldstandard- Technologie auf dem Feld molekularer Diagnose", wie es in BAYERs Aktionärsbrief heißt.