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KAPITAL & ARBEIT
Krankgeschriebene zur Arbeit gezwungen BAYER brüstet sich gern mit der scheinbar
niedrigen Zahl meldepflichtiger Unfälle von Beschäftigten (1997 im Werk Leverkusen: 116). Die positiv aussehende Bilanz ist jedoch keinesfalls das Ergebnis hoher Sicherheitsstandards und vorbildlich gestalteter
Arbeitsplätze, sondern kommt zum Teil durch Druck auf die Belegschaft zustande, wie das August-Flugblatt der KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN FÜR EINE DURCHSCHAUBARE BETRIEBSRATSARBEIT aufdeckte. Da ein Unfall erst dann als
meldepflichtig gilt, wenn eine Arbeitsunfähigkeit über drei Kalendertage hinaus besteht, versucht BAYER die Betroffenen in Telefongesprächen zu einer vorzeitigen Rückkehr an den Arbeitsplatz zu bewegen. Eine Prämie
soll die Entscheidung zuungunsten der eigenen Gesundheit noch erleichtern helfen. Das schönt der Unfallbilanz und damit das Saubermann-Image, läßt die Berufsgenossenschaftsbeiträge BAYERs sinken und nutzt die
Ressource Mensch optimal aus. Die kranken Gesunden werden freilich zu einem Raubbau am eigenen Körper gezwungen.
Schwarze Liste für "Schlechtleister" BAYERs Pharma-Ergebnisse lassen zu
wünschen übrig. Der Konzern sucht die Schuld dafür bei seinen Beschäftigten. Wie aus dem Belegschaftsinfo der Wuppertaler BELEGSCHAFTSLISTE vom August hervorgeht, wies die Chef-Etage die Pharma- Produktionsleitung
an, Schwarze Listen anzulegen, auf denen diejenigen MitarbeiterInnen aufgeführt sind, die oft fehlten oder angeblich mangelhafte Leistungen erbrächten. Die BELEGSCHAFTSLISTE hat die Pharma-Leitung aufgefordert,
diese Bespitzelung von Personal unverzüglich zu beenden.
SchichtarbeiterInnen-Untersuchung Falsche Ernährung kann
eine Vielzahl von Erkrankungen auslösen. Für Dr. Astrid Potz vom Bundesgesundheitsministerium sind 65 % aller Sterbefälle in der Bundesrepublik auf ernährungsbedingte Krankheiten zurückzuführen. Besonders SchichtarbeiterInnen ernähren sich oft mangelhaft und sind daher verstärkt gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Bei BAYER Dormagen beginnt aus diesem Grund eine großanlegte arbeitsmedizinische Untersuchung von Schichtarbeite-
rInnen. Der Abschlußbericht wird im März 1999 vorliegen und im Ernährungbericht der Bundesregierung veröffentlicht.
Ausbildung bei BAYER 1088 Jugendliche werden in diesem Jahr beim Chemie-Multi eine
Ausbildung beginnen, 28 mehr als 1997. Diejenigen Lehrlinge, die BAYER über den eigenen Bedarf hinaus ausbildet, sind offiziell bei der "Gesellschaft zur Förderung der beruflichen Bildung" angestellt.
Dieses "Out-Sourcing" erlaubt es dem Unternehmen, pro forma der Betriebsratsforderung nach einer Übernahme aller Lehrlinge nachzu- kommen. Von 1990 bis 1998 hat BAYER rund ein Drittel aller Lehrstellen
gestrichen.
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