SWB 04/98 - Ticker

ÖKONOMIE & PROFIT

5. Platz in Profit-Hitliste
In der Hitparade der am meisten verdienenden Unternehmen in der Bundesrepublik belegte BAYER 1997 mit einem Ergebnis von 2,9 Milliarden Mark den fünften Rang.

Profite hoch, Kurse runter
"Bayer erzielt Rekordergebnis: Aktie bricht ein", schreibt die Landes-
zeitung. Diese Absurdität ist nur ein weiterer Beleg für das immer mehr außer Kontrolle geratene Geschehen an den Weltbörsen. Die unersätt-
lichen Shareholder zeigten sich von BAYERs Gewinnsteigerung um 5,2 % auf 2,9 Milliarden Mark und einer Umsatzrendite für Europa von 15 % so maßlos enttäuscht, daß die BAYER-Aktie 7,43 % ihres Kurswertes verlor und damit Tagesverlierer wurde.

Kurssturz wg. Image-Problemen?
Das Bonner Institut MEDIENTENOR hat die Presse-Berichterstattung über BAYER, HOECHST und BASF ausgewertet und kommt zu dem Ergebnis, daß dabei die Geschäftsverläufe und die Konzernstrukturen im Mittelpunkt stehen, nicht aber die hergestellten Produkte. Da somit Identifizierungsobjekte fehlen, können sich keine langfristig positiven Images aufbauen - und über die Attraktivität der Aktie entscheiden einzig die Geschäftszahlen. Die Neue Zürcher Zeitung führt deshalb den Sturz der BAYER-Aktie im August trotz Verkündigung von Rekordzahlen auf das blasse Erscheinungsbild des Multis zurück und rät, sich die Herzen der Anleger mit einer PR-Dröhnung ASPIRIN zu erobern.

Wem gehört BAYER?
Von BAYER kursieren 730 Millionen Aktien, verteilt auf 295.000 AktionärInnen. Der Anteil der PrivatanlegerInnen beträgt 29 %, der der institutionellen wie z.B. Pensionsfonds 65 %, Tendenz steigend. 47 % der Aktien sind in der Bundesrepublik gestreut, der Rest im Ausland, mit Schwerpunkten in den USA und in England. Einziger Großaktionär, der über 5 % des Grundkapitals besitzt und damit nach dem Aktienrecht seine Beteiligung offenlegen mußte, ist der Versicherungskonzern ALLIANZ.

Zweifelhafte Auszeichnung
"Mit seiner gradlinigen Art kommt BAYER-Chef Manfred Schneider bei Finanzprofis rund um den Globus gut an", schreibt das Wirtschafts-
magazin Capital. Beim Rest der Welt allerdings weniger, sofern keine AktienbesitzerInnen darunter sind. Die Shareholder-Postille veröffentlichte im September eine Bewertung von 190 Geschäfts-
berichten, die das Saarbrücker INSTITUT FÜR WIRTSCHAFTS-
PRÜFUNG vorgenommen hatte. Kriterien bei der Beurteilung waren unter anderem die Qualität der Lageberichte, das Vorhandensein von Planzahlen für Umsatz und Profit und die Detailliertheit von Berichten aus den einzelnen Konzernsparten. Und wer bediente die Shareholder- Wünsche am devotesten? Natürlich BAYER. Wenn die Informations-
politik des Konzerns in Umweltbelangen und bei Störfällen auch nur annähernd so beflissen wäre wie bei den Geschäftszahlen ...