SWB 04/98 - Ticker

PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE

Schwarzbuch der "Grünen Revolution"
Ein Mitarbeiter des vietnamesischen Agrarministeriums hat eine bittere Bilanz der "Grünen Revolution", der pestizid-gestützten, auf wenige, besonders ertragreiche Sorten konzentrierten Landwirtschaft, gezogen: "Die 'Grüne Revolution' hat in Vietnam zu Monokulturen einzelner Sorten geführt, die sehr anfällig sind. Noch dazu hat der vermehrte Gebrauch von Pestiziden das ökologische Gleichgewicht zerstört und die Böden unfruchtbar gemacht." Und das Hunger-Problem hat die "Grüne Revolution" auch alles andere als gelöst, möchte mensch nur noch hinzufügen.

Pestizide beeinträchtigen Fruchtbarkeit
Nach einer Untersuchung des staatlichen indischen Forschungsinstituts für Fortpflanzung nahm bei 70 % der männlichen Probanden in einem Zeitraum von 1986 bis 1995 die Anzahl der Spermien deutlich ab, im Durchschnitt um 43 %. Der Institutsarzt Kamal Gopalakrishnan führt diese alarmierende Entwicklung neben der Luftverschmutzung vor allem auf die Langzeitwirkung von Pestiziden zurück.

Hochbelastete Lebensmittel-Importe
In den letzten Jahren häuften sich die Alarmmeldungen der EU-Mitglieds-
länder über verseuchte Lebensmittel. Die EU-Kommission hat daraufhin Proben von Obst und Gemüse auf toxische Rückstände untersuchen lassen. Ergebnis: in 40 % der insgesamt 40.000 Proben wurden Pestizid-Rückstände gefunden, 3 % überstiegen den zulässigen Grenzwert. Besonders in Produkten aus Drittländern wie Afrika, Fernost und Südamerika, die EU-weit einen Marktanteil von 25 % haben, fanden sich hohe Konzentrationen. Der Grund dafür ist, daß in diesen Ländern noch Pestizide zum Einsatz kommen, die in der EU bereits verboten sind.

Strengere Auflagen für Haushaltsgifte gefordert
Häufige Nebenwirkungen von Haushaltsinsektiziden wie BAYERs BAYGON sind Kopfschmerzen, Reizung der Schleimhäute und Taubheitsgefühle. Studien belegen zudem, daß die Pyrethroide als zumeist verwandte Wirkstoffgruppe das Krebsrisiko von Kindern erhöhen und die Multiple-Chemikalien-Unverträglichkeit (MCS) auslösen können. Die neue EU-Biozid-Richtlinie schreibt zwar erstmals Prüf- und Zulassungsverfahren für neue Produkte vor, gewährt aber bereits marktgängigen Mitteln eine Schonfrist von zehn Jahren. Dr. Walter Töpner, beim Gesundheitsministerium für Pestizid-Gefahren zuständig, forderte deshalb auf einem Forum der VERBRAUCHER INITIATIVE in Bonn zusätzliche gesetzliche Maßnahmen zum Gesundheitsschutz. Der beste Schutz besteht allerdings darin, die entsprechenden Mittel zu meiden; Podiumsteilnehmer wie der Hygienesachverständige der Stadt Chemnitz, Dr. Karl-Heinz Müller, wiesen auf ätherische Öle und zahlreiche andere Alternativen zu den Chemischen Keulen hin.

Pestizid-Rückstände in Irland
In 47,3 % des in Irland untersuchten Obstes und Gemüses wurden Rückstände von Pestiziden nachgewiesen; in 4,7 % der Fälle lag die Menge über dem zulässigen Grenzwert. Für Getreide lag die Quote sogar bei 60 %, mit dabei: Chlorpyrifos, der Wirkstoff von BAYERs RIDDER. Es überschritt zwar kein Ackergift den zulässigen Grenzwert, was aber nicht viel besagen will, denn nicht für jeden Wirkstoff sind Grenzwerte erlassen. Der PESTICIDE CONTROL SERVICE fordert die irische Regierung deshalb auch auf, mehr Pestizide in die Grenzwert-
regelungen miteinzubeziehen und die Kontroll-Anstrengungen insgesamt zu erhöhen, da die nachgewiesenen Rückstände im Vergleich zu den Vorjahren zugenommen hätten.

BAYER testet Pestizide an Menschen
BAYER kennt wirklich kein Pardon. Der amerikanische Kongreß hat kürzlich das Lebensmittelrecht verschärft, unter anderem, um Kleinkinder besser vor Pestizid-verseuchten Nahrungsmitteln zu schützen.
Da BAYER & Co. deshalb Verbote für ihre Ackergifte befürchten, sind sie auf eine perfide Methode verfallen, die Öffentlichkeit von der Unbedenklichkeit der Agrochemikalien zu überzeugen: Menschenversuche!
BAYER führt entsprechende Testreihen in Schottland durch, NOVARTIS in den USA und AMVAC in England. Die ProbandInnen werden mit einer hübschen Summe Geld geködert und teilweise auch noch in dem Glauben gelassen, es handle sich um Medikamenten-Tests.
Ein Skandal!