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STANDORTE & PRODUKTION
BAYER trennt sich von AGFA Der Leverkusener Konzern hat dem Drängen der
AktionärInnen nachgegeben und angekündigt, AGFA im zweiten Quartal 1999 an die Börse zu bringen. Man gewinne durch die Aktion größere Freiräume und Mittel zur Stärkung der Kerngeschäftsfelder, begründete BAYER-Chef
Dr. Manfred Schneider diesen Schritt. Da Branchenanalysten den Firmenwert von AGFA auf ca. sieben Milliarden Mark veranschlagen, ist ein erklecklicher Erlös zu erwarten. Börsianer bewerteten BAYERs Trennung von AGFA
als "Signal zu mehr Shareholder value" und ließen den Aktienkurs des Chemie-Multis im September gegen den allgemeinen Abwärtstrend steigen.
Die Stadt, der Konzern und die Arbeitslosigkeit Leverkusen leidet nach einem
Bericht der Rheinischen Post zunehmend unter seiner Abhängigkeit von BAYER. Da der Konzern vornehmlich im Ausland investiert und alle Möglichkeiten nutzt, Abgaben niedrig zu halten, sank die Gewerbesteuereinnahme
der Stadt von 246 Millionen Mark im Jahr 1990 auf 125 Millionen Mark im Jahr 1993. Nicht genug damit, ließ die massive Arbeitsplatzvernichtung des Chemie-Multis die Arbeitslosenquote auf 13,4 % ansteigen. Die
Kommune hat zwar ein Anti- Monostruktur-Programm aufgelegt und will zu einer Wohnoase und Einkaufsstadt werden, nennenswerte Erfolge sind indes noch nicht zu verzeichnen. Auch das von BAYER mitgeschaffene Gründer-
und Innovationszentrum (GIZ) konnte bislang kaum größere Unternehmen nach Leverkusen locken. Grund für diesen Mißerfolg ist nicht zuletzt BAYER selber: Die größte Giftmülldeponie Europas und ein "Plastik-
Fußballclub" stellen nicht gerade positive Standortfaktoren dar. Diesen Zeitungsbericht wollte BAYERs "Unternehmenskommunikator" Heiner Springer nicht auf sich sitzen lassen. Er schrieb flugs einen
Leserbrief, in dem er dementierte, daß sein Chef Manfred Schneider gesagt hätte, er wäre nur seinen AktionärInnen verpflichtet und BAYER könnte ohne weiteres auf Flächen in Antwerpen ausweichen.
Ausbau der Polyurethane-Produktion Das Polyurethane-Geschäft boomt, ein
Großabnehmer des Kunststoffs ist in zunehmendem Maße die Automobil-Industrie. Darum kündigte BAYER die Erweiterung von Produktionsstätten an, die Vorprodukte für die Polyurethane-Herstellung liefern. 130 Millionen
DM investiert der Konzern in den Ausbau der Nitrobenzol-Produktion in Uerdingen und der Anilin-Anlagen in Brunsbüttel und Antwerpen.
Abriß denkmalgeschützten Hauses Seit anderthalb Jahren streiten sich in Wuppertal
DenkmalschützerInnen und BAYER um den Abriß eines denkmalgeschützten Hauses im Stadtteil Elberfeld West. Sah es lange Zeit so aus, als müßte ein Ministerentscheid letzte Klärung bringen, stimmte jetzt das RHEINISCHE
AMT FÜR DENKMALPFLEGE den Abrißplänen im Rahmen des Projekts "Stadttor West" zu. Dieses Stadtentwicklungskonzept ist von BAYER, der Wuppertaler Kommune und der Bergischen Universität gemeinsam ausbaldowert
worden, um Elberfeld West "städtebaulich aufzuwerten". Auf dem Grundstück des Hauses an der Friedrich-Ebert- Straße 348 wird jetzt ein Spielplatz errichtet.
Einsparprogramm in Bitterfeld BAYER Bitterfeld will europaweit der kostengünstigste
Standort des Konzerns werden. Dank großzügiger Subventionen in Höhe von 300 Millionen Mark und einem um 10 bis 20 % niedrigerem Lohnniveau als im Westen ist das Werk diesem Ziel schon recht nahe gekommen. Um es
endgültig zu erreichen, ist ein Kostensparprogramm aufgelegt worden: Um 2,5 Millionen Mark sollen die Produktionsaufwendungen sinken. Damit das gelingt, ködert BAYER die Beschäftigten mit Prämien als
Erfolgsbeteiligung, die natürlich unter dem Gewinn durch die Rationalisierungsmaßnahmen liegen dürften.
Buhlen um BAYER Zu immer würdeloseren Gesten treibt das Werben um Industrie-
Ansiedelungen die zuständigen PolitikerInnen. Da außer Brunsbüttel auch noch Antwerpen Interesse an der von BAYER geplanten Euro-Anilin-Anlage zeigt, sicherte der schleswig- holsteinische CDU-MDB Dietrich Austermann
dem Brunsbütteler BAYER-Werksleiter Klaus Starke im Standort-Poker zu: "Wir zahlen eine Mark mehr an Förderung als an jedem anderen Standort." BAYER baute schließlich sowohl in Antwerpen als auch in
Brunsbüttel.
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