SWB 04/98 - Ticker

WASSER, BODEN & LUFT

Klimaschutz vertagt
Während das Ozonloch einen Rekordumfang erreicht hat, und ExpertInnen schätzen, daß die Kohlendioxid-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 70 % steigen werden, hat die Klima-Konferenz von Buenos Aires zu keinen konkreten Ergebnissen geführt. In völliger Verkenntnis der bedrohlichen Situation nahm bei den Verhandlungen die Frage den größten Raum ein, in welcher Form ein bilateraler Handel mit CO2-Emissionen möglich sein soll. Dieser erlaubt es den Industrieländern, ihr Zuviel an Luftverschmutzung mit geringeren Werten der sog. Entwicklungsländern zu verrechnen und durch einen solchen Ablaßhandel unter den vorgeschriebenen Richtwerten zu bleiben. BAYER trägt als Großverbraucher von Strom (allein das Dormagener Werk stößt eine Million Tonnen CO2 aus), sowie als Produzent von Lachgas, dem Kunststoff BAK und von FCKW (als Treibgas in Asthmasprays) einen gehörigen Anteil am Klima-GAU.

Wasserwerke fördern Ökohöfe
Die Belastung des Grundwassers durch Pestizide und Nitrate, für die eine traditionell betriebene Landwirtschaft verantwortlich ist, stellt die Wasserwerke vor erhebliche Probleme. Um die Qualität des Trinkwassers zu sichern, müssen immer höhere Investitionen in technisch anspruchsvolle Aufbereitungsverfahren vorgenommen werden. Die Münchner Wasserwerke setzen jetzt beim Verursacherprinzip an und unterstützen Bauern bei ihrem Bemühen, ihre Höfe auf eine ökologische Bewirtschaftung umzustellen. Diesem Beispiel sind jetzt auch andere Wasserversorgungsunternehmen gefolgt. Sie betreiben in ihrem Umkreis Flächenförderung, verpachten eigene Flächen und versuchen durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit, möglichst viele LandwirtInnen für ihr Vorhaben zu gewinnen.

Neue EU-Trinkwasser-Richtlinie
Von Pestiziden geht das stärkste Gefährdungspotential für  die Qualität des Trinkwassers aus. Immer wieder müssen Brunnen, aus denen Trinkwasser gewonnen wird, aufgegeben werden, weil die Pestizid- Grenzwerte überschritten sind. Derzeit steht die Trinkwasser-Richtlinie der EU zur Novellierung an. BAYER & Co. versuchten massiv, auf die Änderungsvorschläge der EU-Kommission Einfluß zu nehmen. Doch diese ließ sich nicht erweichen und behielt sowohl den Summengrenz-
wert für Pestizide von 0,5 Mikrogramm pro Liter als auch den Wert für einzelne Pestizide von 0,1 Mikrogramm pro Liter bei. Zusätzlich ist daran gedacht, in die Bestimmungen auch Abbauprodukte mit pestizid- ähnlichen Wirkungen aufzunehmen. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN fordert, die Grenzwerte langfristig auf Null abzusenken, da Pestizide auch in geringsten Dosen krebserregend wirken können.

EU-Gewässerschutz verwässert
Der Entwurf zur neuen Gewässerschutz-Richtlinie der EU ist vor allem ein Dokument der gelungenen Lobby-Arbeit von BAYER & Co.. Die Vorlage legt weder Grenzwerte für toxische Substanzen fest, noch beschreibt sie ein längerfristig angelegtes Ausstiegsszenario für giftige Einleitungen. Zahlreiche Ausnahmeregelungen für Pestizide und stark veränderte Lebensräume weichen die Schutzmaßnahmen zusätzlich auf. Auch ist die von der EU-Kommission ursprünglich vorgesehene Verpflichtung zu Wasserpreisen, die die wirklichen Kosten der Aufbereitung widerspiegeln, fallengelassen worden. Nach den Worten der grünen EU-Parlamentarierin Hiltrud Breyer kommt der Richtlinien- Entwurf einem Ausverkauf der Gewässer an die Chemieindustrie gleich.

FCKW in BAYER-Asthmaspray
FCKW ist zwar verboten, aber für die Pharma-Industrie wurde eine Ausnahme gemacht. Obwohl es Alternativen zu dem die Ozonschicht schädigenden Stoff gibt, beriefen BAYER & Co. sich auf einen Therapie- Notstand. In Asthmasprays von BAYER BASICS und anderen Herstellern als Treibgas verwandt, können so 10.000 Tonnen FCKW in die Atmosphäre gelangen. Die EU-Kommission hat jetzt gefordert, die Sondergenehmigung bis zum Jahr 2003 aufzuheben. Den nationalen Gesundheitsbehörden wurde geraten, die Asthma-PatientInnen in der Zwischenzeit verstärkt auf die Existenz von Asthmasprays ohne FCKW aufmerksam zu machen.