SWB 01/99

Proteste französischer ImkerInnen erfolgreich

Bienenkiller Gaucho verboten

Von Udo Horster

Am 15. Januar hat der französische Landwirtschaftsminister Jean Glavany die Ausbringung des Bayer-Insektizids Gaucho auf Sonnenblumenfeldern untersagt. Er entschied damit zugunsten der ImkerInnen, die das Ackergift immer wieder für das Sterben ihrer Bienen und das Sinken der Honig-Erträge verantwortlich gemacht hatten.

Wenige Tage vor der Entscheidung des Ministeriums hatten sich 700 BienenzüchterInnen aus dem ganzen Land zu einer Kundgebung am Eiffelturm versammelt. Große Landwirtschaftsorganisationen wie die Confédération Paysanne und die FNSEA unterstützten sie bei ihrem Protest. "Schluß mit der Vergiftung unserer Bienen", "Stoppt Gaucho" und "Rettet die Bienenzucht" war auf den Transparenten zu lesen. In einer flammenden Rede wetterte ImkerInnen-Präsident Henri Clément gegen den Leverkusener Chemiemulti, der einen ganzen Berufsstand in seiner Existenz gefährdet, und beschwor den Landwirtschaftsminister eindringlich, den Einsatz von Gaucho auf Sonnenblumenfeldern zu unterbinden.

Mit Erfolg. Das Votum Galvanys setzte einen vorläufigen Schlußpunkt unter ein jahrelang andauernde Auseinandersetzung zwischen den BienenzüchterInnen und Bayer. 1994 hatten die ImkerInnen erste Schädigungen von Beständen bemerkt, die in der Nähe Gaucho- behandelter Sonnenblumenfelder lagen. Bereits kurz nach der Blüte der Pflanzen verschwanden ganze Bienenvölker. Einzelne Tiere fanden die ImkerInnen noch, sie schwirrten um die Sonnenblumen herum - eindeutiges Zeichen einer Vergiftung. Daraufhin wurde eine erste Studie in Auftrag gegeben. Sie zeigte, daß die Honigproduktion in der Nähe von Gaucho-Feldern um 50-100 % geringer war als der sonst übliche Ertrag. Labor-Untersuchungen belegten zudem die schädigende Wirkung selbst geringster Dosen Gaucho auf Orientierungs- und Geruchssinn der Bienen. Dies genügte dem Landwirtschaftsminister, in drei Departements ein vorläufiges Gaucho-Verbot auszusprechen. Weitere Forschungen sollten Gewissheit bringen.

Bayer stritt die Vorwürfe natürlich ab. Obwohl der Konzern den Gaucho-Wirkstoff Imidacloprid in seinen Produktlisten selbst als "Bienengefährlich" deklariert, zweifelte er die Resultate der WissenschaftlerInnen dreist an. Labor-Ergebnisse seien nicht so einfach auf die Gegebenheiten vor Ort übertragbar, und nicht das Pestizid, sondern schlechte klimatische Verhältnisse seien für die sinkenden Erträge verantwortlich, verlautete aus der Abteilung "Öffentlichkeits-
arbeit". Viel Wirkung zeigte das nicht, der Gebrauch von Gaucho ist jetzt flächendeckend eingeschränkt. Zwar wieder nur vorläufig, aber auch die zigste Expertise wird die bisherigen Befunde nicht aus der Welt schaffen können.

Auszug aus der Kundgebungsrede von Henri Clément, Präsident des französischen ImkerInnenverbandes:

"Liebe Freunde!
Seit es die Probleme mit Gaucho gibt, ist die Firma Bayer (...) den Imkern mit größtmöglicher Verachtung gegenübergetreten, hat sie als Außenseiter, kleines Grüppchen oder lächerliche Gestalten angesehen und hat damit gerechnet, aufgrund ihrer Uneinigkeit schnell mit den Imkern fertig werden zu können. Aber nein, meine Herren Manager, die Bienenzüchter, 85.000 Menschen, sind keine kleine Minderheit. Sie sind ein originärer Teil der Landwirtschaft. Die Bienen stellen eine feste Verbindung zwischen Imkern und Bauern her, und die Bienenzucht ist eine noble Profession, die Sie, Bayer, bedrohen. (...) Herr Landwirt-
schaftsminister Galvany, die Entscheidung, die Sie in diesen Tagen treffen müssen, wird über die Zukunft unseres Berufsstandes entscheiden. Und diese politische Entscheidung betrifft nicht nur die Bienenzucht, sondern unsere ganze Umwelt. Indem Sie die Bienen schützen, schützen Sie unsere Umwelt und indem Sie die Umwelt schützen, schützen Sie auch den Menschen. (...)"