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BAYER lässt Konkurrenten ausspionieren
Schweigegeld für kriminelle Detektive
Angeblich zur Abwehr von "Produktpiraterie" hat BAYER durch zwielichtige Detektive konkurrierende Pharmafirmen in mehreren Ländern ausspionieren
lassen. Branchenkenner vermuten, dass sich der Leverkusener Multi durch weltweite Wirtschaftsspionage fremde Produktideen und Patente einverleibt.
Zypern 1997: Die britischen Detektive Michael Flack und Bill Whybrow, zwei Ex-Polizisten, werden bei einem Einbruch erwischt und zu acht Monaten Gefängnis
verurteilt. Ihr Auftrag ist pikant, der Auftraggeber der weltweit agierende BAYER-Konzern. Dieser fürchtet nichts mehr, als dass die beiden Schnüffler ihre Geheimnisse an die Öffentlichkeit bringen und bietet ihnen
laut Sunday Times ein "Schweigegeld" von immerhin 50.000 Pfund. BAYER-Sprecher Thomas Reinert interpretiert das finanzielle Angebot allerdings ganz anders: "Das war kein Schweigegeld. Wir wollten
damit Außenstände begleichen und den Männern ermöglichen, einen Anwalt zu finanzieren. Die beiden waren auf Zypern illegal tätig gewesen. Das war nicht in unserem Interesse." Wer's glaubt, wird selig. Ebenfalls
nicht im Interesse von BAYER war, dass die beauftragten Spione so blöd waren, sich erwischen zu lassen. Und dass sie die 50.000 Pfund ausgeschlagen und statt dessen lieber ihre peinlichen Geheimnisse der Presse
mitgeteilt haben. Flack und Whybrow berichten, sie hätten für eine Tagesgage von 550 Pfund (ca. 1500 Mark) regelmäßig Mitbewerber von BAYER ausspioniert. Zu diesem Zwecke sind sie nach eigenen Angaben in
Großbritannien, Spanien, Italien, der Schweiz, Zypern und in Kanada bei Konkurrenten oder Anwaltskanzleien eingebrochen, haben Telefone und Faxgeräte angezapft und Dokumente gestohlen. Whybrow erläutert gegenüber
der Sunday Times das Ausmaß seiner und seines Kollegen weltweiten Aktivitäten: "Es war sehr gefährlich, besonders, wenn es um das Eindringen in Fabriken ging. Solche Jobs waren immer unheimlich.
Wir erledigten so etwas jeden Monat."
BAYER-Sprecher Reinert bestreitet gegenüber der Welt am Sonntag von den üblen Machenschaften der zweifelhaften Ermittler gewusst zu haben: "Mittel und
Methoden, mit denen Detektive arbeiten, werden von uns nicht vorgeschrieben und auch nicht stillschweigend toleriert." Dies sehen Flack und Whybrow allerdings ganz anders: Ex-BAYER-Einsatzkoordinator Stephen
Smith, ein ehemaliger Marineoffizier, der nach seinem Ausscheiden schriftlich versichern musste, nichts über seine Tätigkeit für den Multi aus Leverkusen zu verlautbaren, habe in einem Schreiben auf Firmenpapier die
beiden Spürnasen beauftragt, einen Anwalt der Firma CHEMO-IBERICA auszuspionieren. "Es wäre interessant zu erfahren, welcher Art die Beziehung zwischen" dem Londoner Anwaltsbüro Fox & Gibbon "und
CHEMO ist und welchen Schaden BAYER erleiden könnte", schreibt Smith. Und Flack weiß, wie dieser freundliche Auftrag zu verstehen ist: "Im Klartext bat Smith uns, das Hotelzimmer und das Büro in London auf
den Kopf zu stellen. Smith hätte es niemals so geschrieben, aber wir wussten, was gemeint war."
Branchenkenner vermuten, dass Wirtschaftsspionage bei BAYER gang und gäbe ist. Nach Angaben der Sunday Times hat der Konzern Anfang der 90er Jahre zusammen
mit anderen Unternehmen die Detektei CARRATU INTERNATIONAL/London im großen Stil mit "Nachforschungen" beauftragt. Allein BAYER habe in einen dazu gegründeten Fonds jährlich 300.000 Pfund (ca. 1,3 Mio
Mark) eingezahlt. Mitte der 90er Jahre dann hat sich der Konzern aus dem Bündnis verabschiedet und die Kollegen Flack und Whybrow engagiert, die ihren Job nach der Verhaftung auf Zypern wieder verloren haben. Es
steht zu befürchten, dass BAYER mit vergleichbarem Aufwand wie in London und ähnlich zwielichtigen Methoden auch in anderen Ländern der Welt zum "Schutz vor Fälschungen und Produkpiraterie", wie es
offiziell heißt, die Geheimnisse der Konkurrenz ausspioniert.
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