SWB 01/99 - Ticker

PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE

Schwarzbuch der "Grünen Revolution"
Ein Mitarbeiter des vietnamesischen Agrarministeriums hat eine bittere Bilanz der "Grünen Revolution", der pestizid-gestützten, auf wenige, besonders ertragreiche Sorten konzentrierten Landwirtschaft, gezogen: "Die 'Grüne Revolution' hat in Vietnam zu Monokulturen einzelner Sorten geführt, die sehr anfällig sind. Noch dazu hat der vermehrte Gebrauch von Pestiziden das ökologische Gleichgewicht zerstört und die Böden unfruchtbar gemacht." Und das Hunger-Problem hat die "Grüne Revolution" auch alles andere als gelöst, möchte mensch nur noch hinzufügen.

US-Gemüse und -Obst hochbelastet
In den Vereinigten Staaten wurden 42 Obst- und Gemüsesorten auf Pestizid-Rückstände untersucht. In einem Großteil der Proben konnten Ackergift-Reste nachgewiesen werden. Chemikalien-Spuren fanden sich in 70 % der Erdbeeren, in 64 % der Paprika, in 71 % der Kirschen und Pfirsiche sowie in 90 % der Pampelmusen. In Gurken stellten die WissenschaftlerInnen sogar Spuren eines Insektizides fest, das wegen seiner hochgiftigen Eigenschaften in den USA seit 20 Jahren verboten ist. Als einer der größten Pestizid-Hersteller der Welt ist BAYER für die Giftattacke durch die Nahrung mitverantwortlich.

Pestizide im Tee
Die STIFTUNG WARENTEST untersuchte 68 grüne Teesorten nach Pestizid-Rückständen. Mehr als die Hälfte der Proben enthielt Ackergift- Anteile über dem gesetzlich zugelassenen Grenzwert. Agrochemikalien können Krebs auslösen, das Nervensystem schädigen und das Erbgut angreifen. BAYER ist einer der größten Pestizid-Hersteller der Welt.

Neuer EU-Grenzwert für Babykost
Ab 2001 sind europaweit in Babykost nur noch Pestizid-Rückstände von 0,01 Milligramm pro Kilo zulässig. Das beschloss die EU-Kommission in Brüssel trotz massiver Lobbyarbeit von BAYER und anderen großen Ackergift-Herstellern. Damit ist der in der Bundesrepublik schon länger verbindliche Grenzwert bald auch in Italien, Spanien und Großbritannien gültig.

Inaktive Pestizid-Stoffe
Pestizide bestehen nicht nur aus den Wirkstoffen, die laut Gesetz in den Produkt-Informationen deklariert werden müssen. In ihnen tummeln sich ausserdem noch jede Menge sog. inaktiver Substanzen wie Toluen, Xylen oder Naphthalin. 2.000 der Zusatzstoffe sind von der amerikanischen Umweltbehörde EPA zugelassen. Bei einem Viertel von ihnen ist die Toxizität erwiesen, andere wurden niemals untersucht. Ihr Anteil an den Pestizid-Formulierungen beträgt im Durchschnitt 68 %, und sie können ebenso wie die "aktiven" Substanzen Krankheiten wie Krebs oder Anämie (Blutarmut) auslösen und die Erbanlagen sowie das Hormonsystem schädigen. Die COORDINATION GEGEN BAYER- GEFAHREN fordert BAYER & Co. zu einer Offenlegung aller verwendeten Pestizid-Stoffe auf.

Industrie erforscht hormonelle Stoff-Wirkungen
Seit langem belegen Studien, das Chemikalien wie Pestizide, Weichmacher etc. hormonähnliche Wirkungen haben. Die Folge: Fortpflanzungs-, Entwicklungs- und Stoffwechselstörungen bei Mensch und Tier. "Die chemische Industrie und auch BAYER nehmen diese Anzeichen sehr ernst", heisst es jetzt auf einmal in BAYERs Umweltbericht. Er kündigt zwei Forschungsprojekte der Industrie zu den "umstrittenen Studien" an. Das erste wird von der europäischen Chemie-Dachorganisation CEFIC getragen, das zweite vom VERBAND DER CHEMISCHEN INDUSTRIE und dem Bundesumweltamt. Erste Ergebnisse sollen bereits 1999 vorliegen. Chemiekritisch werden sie wohl kaum ausfallen, denn der Umweltbericht stellt bereits fest: "Schon jetzt ist klar, dass mit der Nahrung ständig pflanzliche Stoffe aufgenommen werden, die östrogenartig wirken mit einer Stärke, die um bis zu einer Million mal höher ist als die von Industriechemikalien."

Arbeitsteilung bei Pestizid-Zulassungen
BAYER und die BIOLOGISCHE BUNDESANSTALT als Zulassungsinstanz für Pestizide kooperieren zukünftig. Der Chemie-Multi hat nämlich laut Bauernzeitung "die Anerkennungsbescheinigung für gute experimentelle Praxis" erhalten. Das bedeutet, dass die Bundesanstalt ab nun bei Prüfverfahren auch die Ergebnisse von BAYERs eigenen Feldversuchen berücksichtigt. Von einer unabhängigen Prüfung kann so beim besten Willen nicht mehr die Rede sein. Sinn der Übung ist es, die Zulassungszeit zu verkürzen, damit der Konzern das Ackergift schneller auf den Markt bringen kann. Angesichts der von der COORDINATION immer wieder ausführlich dokumentierten Schäden, die Mensch und Umwelt durch Pestizide erleiden, ist diese "Deregulierung" nur unverantwortlich zu nennen.

BAYER ersetzt den Wirkstoff Diuron
Eine Untersuchung der LANDESARBEITSGEMEINSCHAFT WASSER über Pestizid-Rückstände im Trinkwasser machte 1997 den Herbizid-
Wirkstoff Diuron, enthalten in den BAYER-Produkten DIURON, RAPIR und USTINEX, als einen der größten Belastungsfaktoren aus. Der Chef der Münsteraner Stadtwerke, Hermann Gaupels, forderte 1998 ein Verbot von DIURON. Auch die COORDINATION trat immer wieder dafür ein, das Mittel vom Markt zu nehmen. BAYER schaltete jedoch auf stur und schob die Grenzwert-Überschreitungen auf "Handhabungspro-
bleme". Jetzt veranlasste die zunehmende Kritik den Chemie-Multi aber, die Produktion von diuronhaltigen Herbiziden für den Haus- und Gartenbereich einzustellen. Ein spätes Einsehen.

Verseuchtes Wasser durch Glyphosate
Die industrielle Fischzucht in sog. Aquafarmen ist ein boomender Geschäftszweig geworden. Allein in den USA beträgt der jährliche Umsatz fast eine Billion Dollar. In der Massenfischhaltung kommen große Mengen an Antibiotika und Pestiziden, unter ihnen der Herbizid- Wirkstoff Gyphosate, enthalten in den BAYER-Produkten KEEPER und RAPIR, zur Anwendung. Rückstände davon in den Fischen können über die Nahrungskette auch in den menschlichen Körper gelangen und so gesundheitliche Schäden auslösen. Zudem sieht die amerikanische Umweltbehörde EPA in den Fischfarmen wegen ihrer Einleitungen unbrauchbar gewordenen Wassers in Flüsse, Seen und Meere die größten industriellen Wasserverschmutzer. Sie will deshalb regulierend eingreifen.

Biotechnologisches "Pflanzenstärkungsmittel"
Im Frühjahr 1999 bringt BAYER das biotechnologisch hergestellte "Pflanzenstärkungsmittel" FZB 24 auf den Markt (siehe GENE & KLONE).