SWB 01/99 - Ticker

PLASTE & ELASTE

Druck durch DAIMLER/CHRYSLER-Fusion
Ein Motiv für die Megafusion im Automobilbereich zwischen DAIMLER und CHRYSLER ist, dass der neugeschaffene Konzern durch seine gewachsene Marktmacht mehr Preisdruck auf die Zulieferer ausüben kann. Als großer Produzent von Kunststoffen für die Autoindustrie bekommt BAYER das jetzt schon zu spüren, bekannte Vorstands-
vorsitzender Manfred Schneider gegenüber Hans Peter Martin, dem Co-Autoren des Buches "Die Globalisierungsfalle". Martin interviewte den BAYER-Chef im Rahmen von Recherchen für eine neue Veröffentlichung.

Gefährliche Kunststoffe
BAYERs Kunststoff-Geschäft boomt, da Polyurethane und Polymere in immer mehr Bereichen, besonders beim Automobilbau, Anwendung finden. Damit steigen auch die gesundheitlichen Risiken, die mit diesen Stoffen verbunden sind. Die WELTGESUNDHEITSORGANISATION (WHO) stuft Isocyanate wie Tolylendiisocyanat (TDI) und Diphenylmethandiisocyanat (MDI), Zwischenprodukte bei der Polyurethan-Herstellung, als erbgutschädigend und potentiell krebserregend ein. Einem akuten Gesundheitsrisiko ausgesetzt sind vor allem in der Kunststoff-Produktion Beschäftigte sowie Berufsgruppen wie Maler oder Bauarbeiter, die isocyanathaltige Stoffe wie Farben oder Polyurethanschäume verwenden. Berichte über die Häufung von Asthma-Erkrankungen unter Malern - ein Anfall endete sogar tödlich - sowie andere Untersuchungen von ArbeitsmedizinerInnen veranlassten die amerikanische Arbeitsschutzbehörde bereits 1989, die Arbeitsplatz- Grenzwerte drastisch abzusenken. Da Isocyanate aber auch in Klebern, Textilbeschichtungen, Polstern und Spanplatten verarbeitet sind, weisen viele Innenräume gefährliche Konzentrationen dieses Stoffes auf, womit sich der gefährdete Personenkreis noch bedenklich erweitert.

Neue Einkaufswagen
BAYER entwickelte einen Einkaufswagen aus dem Kunststoff Durethan. Ein neuartiges System ermöglicht es, die Preise des kompletten Inhalts zentral zu erfassen. Die Waren brauchen an der Kasse also nicht mehr einzeln auf das Förderband gelegt und anschliessend wieder im Wagen verstaut zu werden. Sollte die BAYER-Erfindung wirklich funktionieren, würde das den Lebensmittelketten große Rationalisierungsmöglich-
keiten eröffnen. Massenentlassungen wären die Folge.