SWB 01/99 - Ticker

PRODUKTION & SICHERHEIT

Chemieberufe besonders MCS-gefährdet
Professor Dr. Werner Maschewsky von der Fachhochschule Hamburg untersuchte, ob ein Zusammenhang zwischen der Ausübung bestimmter Berufe und dem Leiden an der vielfachen Chemikalien-Unverträglichkeit besteht. Die Studie ergab deutliche Auffälligkeiten. So nehmen unter den bei MCS-PatientInnen überrepräsentierten Berufen die technischen Sonderfachkräfte, also unter anderem Biologie-, Chemie- oder Pflanzen"schutz"laborantInnen, eine absolute Spitzenpositionen ein. Aber auch andere Chemieberufe wie ChemiefacharbeiterIn, ChemiehilfsarbeiterIn, Reifen- und SchlauchmacherIn sowie GummiherstellerIn rechnet Maschewsky noch eindeutig zu den MCS-Risikoberufen.

100 Jahre "Technische Überwachung"
Der Chemie-Multi feiert das 100jährige Jubiläum seiner Abteilung "Technische Überwachung. 1898 erhielt BAYER vom Regierungs-
präsidenten die Erlaubnis, sich selber kontrollieren zu dürfen. "Diese Gedanken waren äusserst modern", so der im Vorstand für "Umweltschutz" zuständige Udo Oels, "denn die Behörden hatten die Vorteile erkannt, sich auf die Sachkunde von betriebsnahen Spezialisten zu verlassen." Neben BAYER gibt es lediglich fünf weitere bundes-
deutsche Unternehmen mit eigener Sicherheitsüberwachung. Die Sicherheitsbeauftragten weisen so einen unschätzbaren Vorteil auf: Sie sind formell Angestellte, aber auch als unabhängige Sachverständige amtlich anerkannt. Noch mehr Synergie-Effekte im Sicherheitsbereich ergeben sich dadurch, dass BAYER Mitglied des TÜVs WEST ist und 1949 den VERBAND DER TECHNISCHEN ÜBERWACHUNGS-
VEREINE mitgegründet hat. Entsprechend wohlwollend und nichtssagend fiel dann auch das TÜV-Gutachten zu dem Störfall aus, der sich 1997 in Dormagen ereignet hat, als 12 Tonnen des krebserregen-
den Toluylendiamin (TDA) ausgetreten waren (SWB 4/98).
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN fordert Betriebsprüfungen, die von unabhängigen Institutionen vorgenommen werden.