SWB 01/99 - Ticker

PROPAGANDA & MEDIEN

NDR-Magazin "Visite" ausgezeichnet
Durch die Stiftung des Preises für Medizin-Publizistik "Medizin im Wort" arbeitet BAYER bereits seit 1975 daran, ein weitverzweigtes konzernfreundliches Medien-Netzwerk zu knüpfen. Auf dieses greift der Konzern dann zurück, wenn er großangelegte Kampagnen wie etwa die Diabetes-Aktion "Testen nach dem Essen" startet (vgl. SWB 1/98). Als vorbildlich uneigennützige medizinische Aufklärungsarbeit wird dann dargestellt, was nur dazu dient, verschiedenste Akteure des Gesundheitswesens wie Selbsthilfegruppen, Krankenkassen, ÄrztInnen und ApothekerInnenverbände stärker an den Chemie-Multi zu binden und den Verkauf des Blutzuckermessgerätes GLUCOMETER DEX anzuheizen. Das diesjährige Preisgeld von 10.000 Mark heimste das NDR-Gesundheitsmagazin "Visite" ein.

BAYER erteilt Unterricht
Die Anbindung an Bildungsinstitutionen von der Grundschule bis zur Universität ist für BAYER wichtig, um für ForscherInnen-Nachwuchs im Unternehmen zu sorgen und eine Ausrichtung der naturwissenschaft-
lichen Fächer auf die Bedürfnisse der Industrie zu erreichen. Stolz vermeldet der Konzern, dass er an 21 Standorten Hunderttausenden von GrundschülerInnen und Tausenden von LehrerInnen praktischen naturwissenschaftlichen Unterricht erteilt. Weit fortgeschritten ist diese Art der "Nachhilfe" vor allem in den USA. Dort sind viele BAYER- MitarbeiterInnen "ehrenamtlich" an Schulen tätig, geben Anleitungen für Experimente und versuchen sogar, den naturwissenschaftlichen Lehrplan zu reformieren. Klassenziel: Ausschaltung kritischer Wissenschaft. Nur in der Bundesrepublik stoße man an Schulen bedauerlicherweise noch auf viel Skepsis, was den Nutzen solcher Kooperationen betrifft, bedauern die Reserve-PädagogInnen aus Leverkusen.

Bestechende Wirkung von CIPROBAY
Antibiotika stehen zunehmend in der Kritik. Rücksichtslos in der Massentierhaltung verwendet und viel zu häufig von ÄrztInnen verschrieben, kommt es bei immer mehr Menschen zu Resistenz-
bildungen. Die Folge: Die Mittel versagen gegen immer mehr Krankheitserreger. Um das Antibiotika-Stimmungstief etwas aufzuhellen, hat BAYER jetzt einen Rundbrief an die Ärzteschaft versandt, in dem diese aufgefordert wird, von ihren ausgezeichneten Erfahrungen mit dem firmeneigenen Antibiotikum CIPROBAY zu berichten. Auf die Praxis- DichterInnen wartet eine stattliche Entlohnung. Die fünf schönsten Jubelarien werden mit DM 1.000 honoriert und - "medizinisch- redaktionell aufbereitet" - in der Zeitschrift Arzt & Wirtschaft veröffentlicht. "Führende Mediziner haben festgestellt, dass CIPROBAY ..." wird es dann vermutlich wieder heissen.

BAYER sponsort Kunstausstellung
Der Leverkusener Chemie-Multi gehört zu den privaten Sponsoren der Ausstellung "Die Macht des Alters". Unter anderem werden extra für die Schau angefertigte Werke von Markus Lüpertz, Jörg Immendorff und Felix Droese gezeigt. Das Mittel, mit dem BAYER die "Macht des Alters" eindämmen wollte, hat sich vorerst als Pharma-Flop erwiesen. Die klinische Erprobung des Alzheimer-Präparats METRIFONAT musste im vergangenen Jahr abgebrochen werden, nachdem es bei 20 ProbandInnen zu Muskelkrämpfen gekommen war ( TICKER 4/98).

BAYER im Dialüg
Um die Jubelfeiern zu "25 Jahre BAYER Brunsbüttel" zu konterkarieren, organisierten die Steinburger Kreisverbände von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und BUND im Oktober eine Gegenveranstaltung, zu der sie Philipp Mimkes, den Geschäftsführer der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN, einluden (vgl. SWB 4/98). Auf die dort vorgebrachte Konzernkritik reagierte BAYER erwartungsgemäss. Alles Lüge, sowohl die Angaben über die vom Staat gezahlten Subventionen für den Bau als auch die über Grundwasserabsenkungen im Raum Wacken und die Risiken der Polyurethan-Produktion, so BAYER- Sprecher Jürgen Gemke wider besseren Wissens. Mimkes bezeichnete er als "Berufskritiker aus Düsseldorf" und die Vorwürfe als "seit vielen Jahren übliche unsachliche und diffamierende Stimmungsmache der 'COORDINATION' gegen das Unternehmen".

Sonderveröffentlichung zu "25 Jahre Brunsbüttel"
Zum 25jährigen Jubiläum des Standortes Brunsbüttel liess BAYER dem größten Lokalblatt, der Dithmarscher Landeszeitung, eine 7seitige "Sonderveröffentlichung" beilegen. An dieser Akzeptanz-Maßnahme wird die Zeitung eine hübsche Stange Geld verdient haben. Sie zeigte sich entsprechend erkenntlich und gratulierte dem Konzern mit einer eigenen Glückwunsch-Anzeige. Von dieser Art Presse hat BAYER nichts zu befürchten.

Spende für Hurrikan-Opfer
BAYER hat den Opfern des Hurrikans "Mitch" in Zentralamerika Medikamente, Mittel zur Trinkwasser-Aufbereitung und Haushaltsgifte im Wert von 600.000 Mark zur Verfügung gestellt. Eine publicity-trächtige Aktion, die vergessen lässt, dass der Chemie-Konzern durch die CO2-Emissionen seiner Produktionsanlagen mit zur Zerstörung der Ozonschicht beiträgt, was wiederum Phänomene wie "Mitch" erst entstehen lässt.

Lukrative Arzneimittelspenden
Dass "gönnerhafte" Arzneimittelspenden in Krisenregionen nicht nur dem Image, sondern auch den Bilanzen der Pharma-Firmen guttun, berichtet der Pharma-Brief-Spezial der BUKO-PHARMA-KAMPAGNE. Durch das Spenden von Medikamenten kommen BAYER & Co. nämlich in den Genuss von beträchtlichen Steuererleichterungen. So eröffnen die "milden Gaben" in den USA beispielsweise Abschreibungsmöglich-
keiten ungefähr in Höhe des zweifachen Produktionswerts. Zudem entledigen sich die Konzerne durch Arzneimittelspenden oft nur solcher Lagerbestände, die kurz vor dem Erreichen des Verfallsdatums stehen.

Vorbildliche Umweltberichte???
In einer Dokumentation vorbildlicher Umweltberichte, der ein Geleitwort der Ex-Umweltministerin Angela Merkel vorangestellt ist, klopft sich die Industrie mal wieder selber auf die Schulter. Im Abschnitt über BAYERs 97er Umweltbericht - ein neuer ist erst für das Jahr 2000 angekündigt - findet man ausser Luftblasen wie "So hat beispielsweise jeder Beschäftigte in seinem Bereich darauf zu achten, dass die BAYER- Produkte bei richtiger Anwendung für Mensch und Umwelt ungefährlich sind" nur wenig Handfestes. Auch was der Leverkusener Veranstaltungs-
ort "Baykomm" oder die Nachbarschaftspostille direkt mit Umweltschutz zu tun haben sollen, erschliesst sich dem interessierten Laien nicht.