SWB 02/99 - Ticker

DRUGS & PILLS

Arzneimittelumsätze steigen
Die Umsätze bundesdeutscher Apotheken erhöhten sich 1998 im Vergleich zum Vorjahr um 6 %, obwohl weniger Packungen verkauft wurden und die Preise im Durchschnitt nur um 0,4 % stiegen. Neue patentgeschützte und deshalb teure Medikamente brachten die Kassen zum Klingeln. Der Arzneimittelverordnungs-Report 1998 schätzt den therapeutischen Nutzen vieler dieser Präparate eher gering ein. Oftmals ist die Rezeptur gegenüber dem Vorläufer-Medikament nur geringfügig verändert. Der VERBAND DER FORSCHENDEN ARZNEIMITTEL-
HERSTELLER spricht angesichts der Umsatzzahlen von einer "positiven Entwicklung". Die Gesetzlichen Krankenkassen, die das finanzieren müssen, betrachten die Tendenz mit Sorge.

Konkurrenz für ASPIRIN ?
BAYERs Pharma-Flaggschiff ASPIRIN drohen stürmischere Zeiten. Die US-Unternehmen MONSANTO und PFIZER brachten gemeinsam ein Mittel gegen Rheuma- Schmerzen auf den Markt, das ASPIRIN pharmakologisch ähnelt, jedoch keine Nebenwirkungen wie Magenbluten hat. In den USA stellten ÄrztInnen bereits kurz nach der Zulassung des Präparats 165.000 Rezepte aus; für 1999 wird ein Umsatz von 500 Millionen Euro erwartet.

Vorerst keine METRIFONAT-Zulassung
Im letzten Jahr kam es bei der klinischen Erprobung von BAYERs Alzheimer-Präparat METRIFONAT in den USA zu einem Zwischenfall. 20 Personen erlitten eine plötzliche Muskelschwäche, woraufhin die amerikanische Gesundheitsbehörde FOOD AND DRUG ADMINISTRATION (FDA) den Arzneimitteltest stoppen ließ. Im Zuge des Zulassungsverfahrens für das Medikament sandte die FDA dem Chemie-Multi jetzt einen "action letter", in dem die Behörde eine METRIFONAT-Genehmigung von einer Veränderung des Herstellungs-
verfahrens und der pharmakologischen Wirkungsweise abhängig machte. Weil sich die Zulassung durch diesen "Blauen Brief" erheblich verzögern dürfte, sank der Kurs der BAYER-Aktie am darauffolgenden Tag. In Europa hat der Konzern die Zulassungsunterlagen für die Arznei selbst zurückgezogen, "um ergänzende Studienergebnisse hinzufügen zu können", wie es schadenbegrenzend heisst.  

Bald Potenzpille von BAYER?
Die Potenzpille VIAGRA ist in den USA mit 3,6 Millionen Verordnungen bereits kurz nach der Markteinführung das bestverkaufenste Lifestyle-Medikament.  Dabei warnen MedizinerInnen vor den beträchlichen Risiken und Nebenwirkungen des Präparats. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FOOD AND DRUG ADMINISTRATION (FDA) führt schon 69 Todesfälle auf den VIAGRA-Wirkstoff Sildenafil zurück.
Dem managermagazin sagte BAYER-Chef Manfred Schneider, dass auch der Chemie-Multi auf diesem Gebiet forscht, "aber die Konkurrenz war schneller". Da Gesunde einen größeren Absatzmarkt darstellen als Kranke, boomen in der Pharmakologie seit einiger Zeit die Lifestyle-Arzneien, während die Forschung zur Therapie schwerer Krankheiten vernachlässigt wird. Mit ihren Verheißungen, man könne abnehmen, ohne seine Lebensgewohnheiten zu ändern und ein erfülltes Sexualleben sei in der Apotheke zu kaufen, sind die Lifestyle-Präparate perfekt auf die westlichen Konsumgesellschaften zugeschnitten.

BAYERs Anti-Fettpille
In den BAYER-Labors wird eine Anti-Fettpille auf gentechnologischer Basis entwickelt, mit der der Chemie-Multi ins lukrative Marktsegment der "Lifestyle-Präparate" vordringen will (s. GENE & KLONE).

PRECOSE schädigt Leber
Bei 57 zuckerkranken PatientInnen, die Antidiabetika mit dem Wirkstoff Acarbose wie BAYERs PRECOSE einnehmen, sind schwere Leberschädigungen festgestellt worden. In zwei Fällen führten sie sogar zum Tod. Das geht aus einem Bericht des japanischen Gesundheits-
ministeriums hervor. In den USA erreichte BAYER unlängst eine Indikationserweiterung für PRECOSE. Es ist künftig auch zur Behandlung der Typ-2-Diabetes, des sog. Alterszuckers, zugelassen, sofern die Einnahme in Kombination mit Insulin oder Moformin erfolgt.

Neues MOXIFLOXACIN
BAYER hat den Wirkstoff des Antibiotikums MOXIFLOXACIN, Quinolon, weiterentwickelt. Nun soll es auch gegen den Staphylokokkus-Keim einsetzbar sein. Resistenz-Bildungen gegen gängige Antibiotika haben sich zu einem großen medizinischen Problem entwickelt. Schuld daran sind unnötige und falsche Antibiotika-Verordnungen durch ÄrztInnen, aber vor allem auch die massiven Antibiotika-Gaben in der Massentier-
haltung, die Bakterien widerstandsfähiger machen. Über die Nahrungs-
kette gelangen sie dann in den menschlichen Körper, wo sie Krankheiten auslösen können. Der BAYER-Konzern trägt durch sein "Veterinär- Programm" für die Massentierhaltung sowie durch die aggressive Vermarktung seiner Antibiotika als Allheilmittel eine große Mitverantwortung an dem gegenwärtigen Medizin-Problem.

Rechte an MS-Präparat gekauft
BAYER hat von CAMBRIDGE NEUROSCIENCE die Rechte an dem Wirkstoff Glial Growth Factor 2 zur Behandlung von Multipler Skerose und anderer Nervenleiden erworben. Der Chemie-Konzern übernimmt die bisherigen Forschungskosten und stellt dem US-Unternehmen weitere finanzielle Mittel zur Weiterentwicklung zur Verfügung. Insgesamt erhält CAMBRIDGE NEUROSCIENCE 26 Millionen Dollar und ist über Lizenzgebühren am späteren Erlös des Präparats beteiligt. BAYER plant, das Multiple Sklerose-Mittel Ende 2003 auf den Markt zu bringen.

Neue Vertriebssoftware
Mit einer Software-Lösung, die von IMS HEALTH STRATEGIC TECHNOLOGIES speziell für den Pharma-Bereich entwickelt wurde, will BAYER die Arzneimittel-Vertriebsstrukturen in Großbritannien und Irland besser vernetzen. Der Chemie-Multi hofft so, seine Produkte besser vermarkten zu können.