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GENE & KLONE
BAYER will in Biotech-Top 5 In einem Interview mit dem managermagazin
verkündete BAYERs Vorstandsvorsitzender Dr. Manfred Schneider, dass der Konzern vorhabe, binnen vier, fünf Jahren in die Top 5 der Biotechnologie- Anbieter auf dem Weltmarkt vorzustoßen. Mit internem Wachstum
sei dieses Ziel nicht zu erreichen, so Schneider. Es sind deshalb weitere Millionen-Deals wie die Beteiligung des Chemie-Multis an dem amerikanischen Genomforschungsunternehmen MILLENIUM (Ticker 4/98) zu erwarten.
BAYER & Co. sichern sich Gen-Monopole BAYER steigt in großem Stil in die
Erforschung des menschlichen Genoms ein. Der Leverkusener Chemie-Multi hat gemeinsam mit GLAXO WELLCOME, NOVARTIS, PHIZER, HOECHST MARION ROUSSEL und sechs weiteren Pharma-Konzernen ein Genomforschungskonsortium
gebildet. Im Verbund mit der Gentechnik-Stiftung WELLCOME TRUST, gegründet vom Pharma-Riesen WELLCOME, wollen sich die Konzerne ein Wissensmonopol über Gen-Codes sichern. Das erspart ihnen das kostspielige Einkaufen
der Forschungserträge von kleinen Biotech-Firmen. Dem Gen-Kartell steht ein Etat von 44 Millionen Dollar zur Verfügung, der zwischen mehreren Genomforschungszentren aufgeteilt werden soll. Ziel des Projektes ist es,
bestimmte, individuell abweichende Variationspunkte im Genom ausfindig zu machen, die sog. SNPs (single nucleotide polymorphisms). Werden diese mitvererbt, so können sie nach Meinung der ForscherInnen als Gen-Marker
Aufschluss über die Vererbung bestimmter Krankheiten liefern. Die COORDINATION GEGEN BAYER- GEFAHREN lehnt die gentechnologische Fixierung auf Vererbungsprozesse als Ursache von Krankheiten ab, weil dadurch
andere, weit dominantere Faktoren wie Ernährungsgewohnheiten, Umweltbelastungen sowie kulturelle und soziale Gründe aus dem Blick geraten. Auch besteht die Gefahr, dass solche Gen-Marker als Instrument sozialer
Selektion bis hin zur Euthanasie eingesetzt werden.
BAYER forscht nach Anti-Fettpille PharmakologInnen von BAYER untersuchten ein
angeblich für die Fettsucht mitverantwortliches Gen und stießen dabei auf den Botenstoff Neuropeptid Y, der den Hunger-Impuls ans Gehirn weiterleitet. Jetzt wollen die WissenschaftlerInnen den Stoff im Labor derart
gentechnologisch verändern, dass er zwar weiterhin die Energiebilanz des Körpers reguliert, aber kein Hungergefühl mehr auslöst. BAYER hofft sich so mittelfristig ebenfalls auf dem lukrativen Markt für sogenannte
"Lifestyle-Präparate" etablieren zu können. Die Anti-Fettpille XENICAL ist ein Umsatzrenner, weil sie einfaches Abnehmen ohne Diät verspricht. Sie steht im Verdacht, Brustkrebs auszulösen, verursacht
Verdauungsprobleme und reduziert die täglich aufgenommene Energiemenge lediglich um 156 kcal.
Kooperation in Biotech-Agrarforschung Die CONSULTATIVE GROUP ON INTERNATIONAL
AGRICULTURAL RESEARCH (CGIAR) ist ein internationales Agrarforschungsinstitut. Es wurde mit finanzieller Unterstützung der Ford-Foundation und der Rockefeller-Stiftung gegründet, um die sog. Grüne Revolution
flächendeckend umzusetzen. Aus Profit-Motiven setzten die Chemie-Multis dieses agrar-industrielle Modell einer pestizid-gestützten, auf anfällige Hochertragssorten ausgerichteten Landwirtschaft weltweit durch. Der
Öffentlichkeit wurde versprochen, das Problem des Welthungers zu lösen, was mitnichten geschehen ist. Im Gegenteil, BAYER & Co. haben die sozialen und politischen Ursachen des Hungers weiter gefördert. Nun bahnt
sich innerhalb des CGIAR ein Strukturwandel an. Mit dem gleichen verlogenen Argumenten, mit dem das Institut einst die "Grüne Revolution" propagierte, setzt es nun auf die biotechno- logische
Agrarforschung. Wieder einmal wird das Hungerelend dazu benutzt, die Durchsetzung einer ebenso profitablen wie gefährlichen Technologie zu ermöglichen. Und da die entsprechenden wissenschaftlichen Vorhaben viel Geld
kosten, hat das CGIAR seine einstige finanzielle Unabhängigkeit aufgegeben und arbeitet mit der Industrie zusammen. So untersucht z.B. das zum CGIAR gehörige INTERNATIONAL CENTER FOR AGRICULTURAL RESEARCH IN THE DRY
AREAS (ICARDA), ob Kichererbsen, in deren Erbgut das von BAYER isolierte Vitin vinifers-Gen eingebaut wird, resistent gegen Mehltau-Befall werden. Sollte sich der Versuch als erfolgreich erweisen, so hätte der
Chemie-Multi nicht nur eigene Forschungs- und Entwicklungskosten gespart, sondern wegen des großen Einflusses der Institution CGIAR auch ausgezeichnete Vermarktungschancen für die transgene Erbsenart.
Vertragsverlängerung mit MYRIAD BAYER verlängert seine Kooperation mit dem
amerikanischen Genomforschungsunternehmen MYRIAD GENETICS INC., die 1995 vereinbart wurde, um zwei Jahre bis zum September 2002. Die Firma sollte für den Chemie-Multi Asthma-, Osteoporose- und Fettleibigkeits-
gene identifizieren und hat diese Aufgabe laut Pressemitteilung auch erfüllt. Die Behauptung, es gäbe Gene, die genau für eine Krankheit verantwortlich wären, ist eine Mär der Gentech-Industrie. Krankheits-
relevante Erbinformationen sind zumeist auf eine Vielzahl von Genen verteilt, was eine "Gentherapie" zu einem aussichtlosen Unterfangen werden lässt. Eine entsprechende Anlage zu haben, heißt zudem noch
nicht, dass die Krankheit dann auch wirklich ausbricht. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN lehnt die Gentechnik ab.
Kennzeichnung von Zusatzstoffen Lebensmittel, die Zusatzstoffe oder Farbstoffe aus
gentechnischer Herstellung enthalten, müssen diese Substanzen auf den Verpackungen ausweisen. Das beschloss die EU-Kommission in Brüssel. In der Vergangenheit hatte sie sich einer entsprechenden Forderung von
kritischen Verbraucherverbänden stets verweigert. Unter die neue Regelung fallen auch Produkte der BAYER-Tochter HAARMANN & REIMER, das eines der weltweit größten Lebensmittelzusatzstoff- Unternehmen ist.
Mikroorganismen produzieren einen Großteil der Aromen, Bindemittel oder Konservierungsstoffe. Bei den Herstellungs- verfahren beschleunigen spezielle Gene die Reaktionszeit der Kleinstlebewesen; Erbgut, etwa von
Erdbeeren, sorgt für die Prise "natürlichen Geschmacks" im Labor-Substrat. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN kritisiert an der neuen Verordnung, dass es völlig unklar ist, wie wirksam die
Kennzeichnungspflicht kontrolliert wird.
Leitung im Antibiotika-Forschungsverbund Professor Harald Labischinski, bei BAYER
für die bakteriologische Forschung zuständig, ist Leiter eines Antibiotika-Forschungsverbundes geworden. Das Bundesforschungsministerium unterstützt das Projekt mit jährlich 1,5 Millionen Mark. Ziel der
WissenschaftlerInnen ist es, die gesamte Erbsubstanz von Bakterien zu entschlüsseln, um so neue Wirkorte für pharmakologische Substanzen zu finden. Die Pharma- Industrie hat sich jahrelang geweigert, das Problem der
zunehmenden Antibiotika-Resistenzen zur Kenntnis zu nehmen. Und jetzt, wo es so dringlich geworden ist, gelingt es BAYER & Co. auch noch, Geld aus der Staatskasse für die Versäumnisse einer rein an Profitzielen
orientierten Forschung aufzutreiben.
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