SWB 02/99 - Ticker

IG FARBEN & HEUTE

Mengele-Opfer klagt gegen BAYER
Eva Mozes Kor hat in den USA eine Sammelklage gegen BAYER eingereicht. Sie vertritt über 100 NebenklägerInnen. Die rumänische Holocaust-Überlebende musste mit ihrer Zwillingsschwester in Auschwitz an den berüchtigten Experimenten des KZ-Arztes Josef Mengele teilnehmen. Auf den Medikamenten, die Mengele an den menschlichen Versuchskaninchen ausprobierte, prangte auch die Markenbezeichnung "BAYER". Der Chemie-Multi, der 1924 den Mörder-Konzern IG FARBEN mitgründete, ließ unter anderem Produkte wie B-1012, B-1034, B-3382 und RUTENOL an KZ-Häftlingen testen und zahlte Mengele dafür 200 Reichsmark für jede gedungene Testperson.

Der Konzern richtete extra eine Abteilung ein, die Verbindung zu den KZ-Labors hielt, um möglichst schnell von den Ergebnissen der medizinischen Folter profitieren zu können. Auch Mengeles Zwillingsforschung finanzierte der Konzern großzügig. Gleich nach einem Vortrag des Arztes zu diesem Thema schickte Wilhelm Mann, Leiter der "Wissenschaftlichen Abteilung", den ersten Scheck, damit die Versuchsreihen mit den Menschen "auf jeden Fall forciert werden", wie er schrieb.

BAYERs Stellungnahme zu der Sammelklage beschränkt sich diesmal nicht nur auf die Standardantwort "BAYER ist kein Rechtsnachfolger der IG FARBEN".

Unternehmenssprecher Thomas Reinert erdreistet sich sogar, die ehemaligen Verantwortlichen von Schuld reinzuwaschen, da sie in den Nürnberger Prozessen nicht für ihre Beteiligung an den Menschenversuchen verurteilt worden sind (siehe Stichwort BAYER 4/96).

In ihrer amerikanischen Heimatstadt Terre Haute hat Eva Mozes Kor ein Museum in Gedenken an die Opfer der Menschenversuche in den KZs eingerichtet. Auf einer Reise in die Bundesrepublik hat sie Hans Münch, einen der damals verantwortlichen Ärzte, wiedergetroffen. Sie verzieh ihm, da er seine Schuld eingestanden hat. Warum gegen Münch ein Verfahren eröffnet werden soll, der bundesdeutsche Staat sich andererseits aber schützend vor die wahren Täter, die Konzerne, stellt, versteht Eva Mozes Kor nicht. Sie könne nur einzelnen Schuldigen vergeben, nicht aber der Industrie, denn diese habe damals nur aus niederen Profit-Gründen gehandelt.