SWB 02/99 - Ticker

PROPAGANDA & MEDIEN

100 Jahre ASPIRIN
Die Verwandlung des Leverkusener BAYER-Hochhauses in eine ASPIRIN-Schachtel brachte dem Konzern die erwartete Publizität zum 100. Geburtstag der Schmerztablette ein. Landauf, landab wurde über den angeblichen Tausendsassa berichtet. Zuweilen schwanden alle Grenzen zwischen Werbung und Journalismus. In prisma etwa, einer in hoher Auflage erscheinenden TV-Beilage, kam die bezahlte BAYER- Werbung ganz im Mantel des "seriösen Journalismus" daher. Über Risiken und Nebenwirkung der Pille wie das Reye-Syndrom, Magenbluten, vermehrter Kopfschmerz, Nierenschädigungen (ASPIRIN PLUS C) oder sogar Todesfälle fiel nicht in einem einzigen der zahllosen Artikel ein Wort. Natürlich blieben auch Fachorgane wie das New England Journal of Medicine unerwähnt, die BAYER-Meldungen über immer neue Indikationsgebiete wie etwa der Schwangerschafts-
vergiftung durch eigene Studien widerlegten (Ticker 2/98).
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN setzte dem Presserummel eine virtuelle Verhüllung der Verhüllung entgegen: "ASPIRIN tötet Kinder" war so auf der Packung zu lesen (siehe die Abbildung in SWB 1/99).

Direkt-Propaganda
In BAYERs "Nachbarschaftszeitung" direkt, die sonst nur seichte Geschichten über neue Erfindungen, BAYER-Sport und mega- interessante "Tage der Offenen Tür" enthält, fand sich ein ungewöhnlicher Artikel. "Arbeitsstunde in der Chemie bei 71 Mark" war er überschrieben. Darin wurde das alte Lied von den im Ländervergleich angeblich so hohen Arbeitskosten gesungen - schlauerweise bezog sich der Wert nur auf Westdeutschland. Die im Zuge der Einverleibung der DDR auf Niedrigniveau gehaltenen Osttarife wurden einfach ausgeblendet. Aber der Abstand habe sich durch "moderate Lohnkostensteigerungen" verringert, die 1998 mit 0,9 % nirgendwo so gering ausfielen wie in der Bundesrepublik, hieß es weiter. Und das soll auch so bleiben, winkte direkt mit dem Zaunpfahl, ansonsten gehe BAYER nach Portugal.

Bild-Zeitung empfiehlt BAYER-Vitamine
Der Leverkusener Chemie-Multi brachte seinen Ratgeber Vitamin E als "Tip der Woche" in der Bild-Rubrik "Gesund + fit" unter. Die Broschüre wirbt für BAYERs Vitamin E-Pillen BIOGENIS ONE-A-DAY, mit dem der Konzern auf den Markt der freiverkäuflichen Lifestyle-Präparate drängt. Da der Mensch mit der Nahrung in der Regel genug Vitamine aufnimmt, haben solche Produkte keinerlei medizinischen Nutzen. Die Pharma- Forschung konzentriert sich zunehmend auf die Lifestyle-Medizin; die Suche nach Wirkstoffen gegen wirklich bedrohliche Krankheiten wird darüber vernachlässigt.

BAYER-Spende für Krankenhäuser
Der Chemie-Multi spendete dem Obladener Remigius-Krankenhaus 400.000 Mark und dem Leverkusener Klinikum einen Betrag von 135.000 Mark. "Wir sehen diese Spenden auch als Ausdruck unseres sozialen Engagements", erklärte der Werksleiter des Leverkusener BAYER-Werkes, Dr. Ludwig Schmidt. Bleibt die Frage, was mit "auch" gemeint ist. Axel Köhler-Schnura, Vorstandsmitglied der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN dazu: "In erster Linie entspringen diese Spenden dem Interesse des Konzerns, den Pharma-Absatz zu fördern.

Antibiotika-Resistenzen
Die Massentierhaltung fördert den Ausbruch von Krankheiten. Die Folge: Antibiotika wie BAYERs BAYTRIL finden reissenden Absatz. In letzter Zeit ist die Tiergefängnis- Medizin in die Kritik geraten, da sie für die zunehmende Zahl von Antibiotika-Resistenzen mitverantwortlich gemacht wird. Die dauerhafte Verabreichung dieser Mittel in der industriellen Landwirtschaft macht Krankheitserreger immun. Über die Nahrungskette können sie in den menschlichen Körper gelangen und Gesundheits-
schädigungen auslösen. Aber BAYER wiegelt ab. In einem Brief an TierärztInnen behauptet das Unternehmen, dass die Gabe von BAYTRIL, einem Antibiotikum auf Floroquinolen- Basis, weiterhin völlig unbedenklich ist. "BAYER hat und wird immer eine führende Rolle in der Verteidigung der Floroquinole für ihren Beruf spielen", schreibt der Chemie-Multi.

BAYER lässt vortragen
Gemeinsam mit den Westfälischen Nachrichten und der Universität Münster veranstaltet BAYER die Vortragsreihe "Vorbeugen ist besser als heilen", die sich unter anderem Themen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Infektionskrankheiten widmet. Gleich der erste Vortrag macht allerdings deutlich, dass es bei der Reihe keineswegs um gesundheitliche Aufklärung, sondern um Akzeptanzförderung für umstrittene Medizinfelder geht: Er befasst sich mit Genen und ihrer Bedeutung für den Menschen.

BAYER verschenkt Medikamente
Die AKTION MISSION UND LEPRAHILFE erhält von BAYER eine Arzneimittel-Spende im Wert von ca. 65.000 Mark. Die Schmerzmittel, Antibiotika, entzündungshemmenden Mittel und Medikamente gegen Pilz-Erkrankungen sind für kleine Krankenhäuser in Afrika bestimmt. Ganz so uneigennützig ist das Spenden von Pharma- Produkten häufig nicht. BAYER & Co. erhalten dafür Steuererleichterungen in beträchtlicher Höhe. Und oftmals entledigen sich die Konzerne auf eine öffentlichkeitswirksame Weise einfach nur ihrer Altbestände (Ticker 1/99).

BAYER schreibt dem Stern
Der Stern berichtete in der ersten Februar-Woche über die neue Klage, die Heinz Süllhöfer wegen Patentdiebstahls gegen BAYER angestrengt hat (vgl. Nachdruck in Stichwort BAYER 1/99). Den Artikel konnte der Chemie-Multi nicht unwidersprochen lassen. Allerdings wusste er auch nicht recht etwas zu erwidern. So ließ der Konzern seinen Unternehmenskommunikator Jürgen Gemke einen launigen Brief aufsetzen, in dem er mit keinem Wort auf die erhobenen Anschuldigungen einging. Der Auftragsjournalist warf dem Magazin aber gleichwohl vor, den Fall Süllhöfer fälschlicherweise nach dem "David gegen Goliath-Muster" aufzubereiten. Im gleichen Atemzug wirbt Gemke um Mitleid mit dem armen Goliath BAYER: "Schade, dem Stern-Autoren kommt die Möglichkeit, dass auch "David" unrecht haben könnte, nicht in den Sinn."

Wanderausstellung zu "25 Jahre Brunsbüttel"
BAYER tingelt mit einer Foto-Ausstellung zum 25jährigen Betriebs-
jubiläum des Brunsbütteler Werkes über die Dörfer in der Nähe des Standortes. Erste Station ist die Stadtsparkasse in St. Michaelisdonn. Die Umsiedlung von 1.000 Menschen, die dem Werk weichen mussten, zeigt die Schau natürlich ebensowenig wie ausgetrocknete Brunnen und Weiden und abgesackte Böden in der Umgebung der Chemie-Anlagen - Folgen des immensen Wasserverbrauchs von BAYER/Brunsbüttel. Mit Anschauungsmaterial zur Umweltbelastung durch die Produktionsstätte - der Betrieb darf bis zu 650 Tonnen Schwermetalle, 130 Tonnen Blei und 20.000 Tonnen Schwebstoffe jährlich entsorgen - geizt die Ausstellung ebenfalls.