SWB 02/99 - Ticker

STANDORTE & PRODUKTION

Französischer Atomstrom für BAYER?
Die BAYER-Tochter HC STARCK hat im Zuge der Liberalisierung des Strommarktes bereits seine Verträge mit den NORDHARZER KRAFTWERKEN gekündigt und bezieht Energie nun zu deutlich besseren Konditionen aus Süddeutschland (Ticker 1/99). Der Werksleiter von BAYER/Leverkusen, Ludwig Schmidt, drohte in der Diskussion um die Ökosteuer jetzt erstmals auch damit, sich nach günstigeren Stromtarifen umzusehen, beispielsweise in Frankreich, wo der (Atom-)strom "signifikant billiger ist". Vorangig ist BAYER laut Schmidt derzeit jedoch an verlässlichen bundesdeutschen Verhältnissen interessiert. Das Leverkusener BAYER-Werk verbraucht soviel Strom wie eine mittelgroße Stadt. Den Löwenanteil davon frisst die Chlorchemie. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN fordert seit langem den Ausstieg aus der Chlor-Produktion, da Chemikalien auf Chlorbasis zu den gefährlichsten Umweltgiften gehören. Mit Atomstrom hat BAYER kein Problem, das Brunsbütteler Werk steht direkt neben einem Atommeiler und in der Vergangenheit plante der Konzern, auf das Leverkusener Werksgelände ein Kernkraftwerk zu setzen.

Städtepartnerschaft Dormagen-West Haven?
Zwischen den BAYER-Standorten Dormagen und West Haven im amerikanischen Connecticut bahnt sich eine Städtepartnerschaft an. Die Bürgermeister beider Kommunen haben bereits Kontakt miteinander aufgenommen. Über die Ziele einer entsprechenden Verbindung wurde noch nichts bekannt. Bekannt ist allerdings, dass BAYER seinen Einfluss an den Standorten umfassend gesichert hat; die Städtepartnerschaft ist also wahrscheinlich vom Konzern gesponsert.  Sollte sie aber dazu führen, dass die verschiedenen Standorte sich von dem Großkonzern nicht mehr so einfach gegeneinander ausspielen lassen, wäre viel gewonnen.

Neues Titandioxid-Werk in Uerdingen
Im Frühjahr letzten Jahres hat der Leverkusener Chemie-Multi seine Titandioxid- Produktion ausgegliedert und in das Gemeinschafts-
unternehmen MCGEE-BAYER überführt. Der amerikanische Konzern KERR-MCGEE CHEMICAL LLC hält 80 % der Geschäftsanteile, BAYER 20 %. Noch in diesem Jahr beginnt in Uerdingen der Bau einer neuen Titandioxid-Anlage auf Basis der Chlorid-Technologie. Bei Fertigstellung wird die bisherige Produktionsstätte, die noch nach dem veralteten Sulfit-Verfahren arbeitet, stillgelegt. BAYER verkauft diese simple Ersetzung, die aufgrund der Modernisierung der Produktion bestimmt so manchen der 500 Titandioxid-Arbeitsplätze vernichten wird, großsprecherisch "als wichtigen weiteren Schritt zur Standortsicherung".

Mehr Makrolon aus Antwerpen
BAYER erweitert im Antwerpener Werk die Produktionskapazitäten für Makrolon. Der Stoff gehört zu den Technischen Thermoplasten. Er wird bei der Herstellung von Elektronik-Gehäusen, Massivplatten für Stadiondächer, CDs und Autoscheinwerfern verwandt. Durch diese Maßnahme, die wesentlicher Bestandteil eines Investionspaketes von 267 Millionen Mark für Antwerpen ist, soll die Makrolon-Produktion um jährlich 40.000 Tonnen gesteigert werden. BAYER ist weltweit zweitgrößter Hersteller Technischer Thermoplasten.

Pharma-Investion in Wuppertal
41 Millionen Mark wendet BAYER für die Modernisierung des Pharmaforschungszentrums Aprath bei Wuppertal auf. Für die Summe sollen vorhandene Forschungseinrichtungen überholt und erweitert sowie 30 neue Laboreinheiten geschaffen werden.