SWB 02/99 - Ticker

WASSER, BODEN & LUFT

Arzneimittel im Trinkwasser
ÄrztInnen verschreiben jährlich ca. 35.000 Tonnen Arzneimittel.
Eine Vielzahl davon wird nicht eingenommen, sondern landen mit dem Hausmüll auf ungesicherten Deponien (s. Ticker 1/99).
Das Bundesumweltamt hat deshalb Grund-, Fluss- und Klärwerkswasser auf Arzneimittelrückstände untersuchen lassen. Ergebnis: Wirkstoff-Spuren in einem Großteil der Proben. Die Konzentrationen je Liter Wasser überstiegen häufig sogar die für Pestizide geltenden Grenzwerte. Erwartungsgemäß fanden sich die umsatzstärksten Arzneien auch am häufigsten im Wasser wieder: Schmerzmittel wie BAYERs ASPIRIN, Herz-Medikamente wie ADALAT, Anti- Diabetika wie GLUCOBAY und Antibiotika wie CIPROBAY. Die hohe Konzentration von Antibiotika im Wasser kann bei Krankheitserregern zu Resistenzbildungen führen. Eine fortgesetzte Aufnahme der Substanz mit dem Trinkwasser sorgt zudem für einen ständigen Antibiotika-Spiegel im menschlichen Körper und macht eine zusätzliche Gabe im Krankheitsfall wirkungslos. Die Pharma-Industrie tut alles, um diese Untersuchungen zu behindern. Der BUND/LÄNDERAUSSCHUSS FÜR CHEMIKALIENSICHERHEIT forderte den BUNDESVERBAND DER PHARMAZEUTISCHEN INDUSTRIE und den VERBAND DER FORSCHENDEN ARZNEIMITTELHERSTELLER mehrfach auf, Produktionszahlen und Wirkstoffdaten herauszurücken, um zielgenauer weiterforschen zu können. Aber BAYER & Co. blockten beharrlich ab.

Dhünnaue-Sanierung
Die Dhünnaue, BAYERs jahrzehntelanger Schuttabladeplatz am Wiesdorfer Rheinufer, gilt als die größte Giftmülldeponie Europas. Hunderttausende Kubikmeter Chemie- Abfälle lagern nur wenige Meter von Rhein und Wohnbebauung entfernt. Dies führte in der Vergangenheit immer wieder zu Beeinträchtigungen von Mensch und Umwelt. Sogar Todesfälle hat es gegeben. Seit drei Jahren wird das gesamte Gebiet saniert; ganze Wohnblocks wurden geräumt. Da ein einfaches Abtransportieren bei derart großen Mengen nicht möglich war, entschloss man sich zu einer aufwendigen Oberflächen-Versiegelung mittels mehrerer Schichten Ton, Erde und Kunststoff sowie einer fast vier Kilometer langen, das Grundwasser schützenden Sperrwand. Die Arbeiten in Dhünnaue-Mitte sollen bis zum Herbst 1999 abgeschlossen sein, die Sanierung von Dhünnaue-Nord wird voraussichtlich noch bis zum Jahr 2003 dauern. Die Kosten liegen bei über 200 Millionen Mark, ein Viertel davon trägt der/die SteuerzahlerIn. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN und andere KritikerInnen erachten die Oberflächenversiegelung als eine ungenügende Sanierungsmaßnahme.