SWB 03/99 - Ticker

AKTION & KRITIK

BAYER-Belegschaft demonstrierte
Während der Tarif-Verhandlungen in der Chemie-Industrie demonstrierten am 20. Mai 600 BAYER-Beschäftigte vor dem Kasino des Konzerns. Sie protestierten gegen die Pläne des Unternehmens, die übertariflichen Leistungen umzustrukturieren sowie gegen die zunehmende Arbeitsverdichtung und das sich kontinuierlich verschlechternde Betriebsklima.

Zentrale Gewerkschaftsdemo
Unter den immer rücksichtsloseren Angriffen der BAYER-Konzernleitung auf die Rechte der KollegInnen und Kollegen leidet auch die zwischen der IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE und BAYER herrschende Einvernehmlichkeit. Am 27. Mai fand erstmals in Leverkusen eine zentrale Kundgebung der IG BCE statt. Das hat es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Die Demonstration richtete sich gegen die Verantwortung der BAYER-Konzernleitung für das unakzeptable Unternehmer-Angebot in den Tarifverhandlungen. 4.000 Chemie- ArbeiterInnen aus dem gesamten Bundesgebiet nahmen teil. In seiner Rede kritisierte der BAYER-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erhard Gipperich den Konzern: "Es muss endlich Schluss damit sein, dass die Unternehmensleitung in Sonntagsreden und für den Kapitalmarkt das BAYER-Geschäft in rosigen Farben darstellt und in den Tarifverhandlungen uns erzählt, wie schrecklich doch alles verläuft." 

BUKO fordert "Gesundheit für alle"
"Gesundheit ist ein Menschenrecht", so ist eine Pressemitteilung der PHARMA- KAMPAGNE des BUNDESKONGRESSES ENTWICKLUNGSPOLITISCHER ARBEITSGRUPPEN (BUKO) überschrieben. Der BUKO zieht darin eine kritische Bilanz des vor 20 Jahren verabschiedeten Programms der WELTGESUNDHEITS-
ORGANISATION (WHO) "Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000". Nach wie vor kommt ein Großteil der Erdbevölkerung nicht in den Genuss einer medizinischen Grundversorgung, über zwei Millionen Kinder sterben jährlich an Lungenentzündung und Durchfall, eine Million an den Folgen von Masern. Als Hauptursache für das Nichterreichen der WHO-Ziele führt die PHARMA-KAMPAGNE die Profit-Interessen von BAYER & Co. sowie die Politik der WELTBANK an.

Umweltkranke verabschieden Resolution
Chemische Stoffe, wie sie BAYER und andere große Unternehmen herstellen, sind für eine Vielzahl von Gesundheitsstörungen verantwortlich. Das Gesundheitsystem will das jedoch nicht wahrhaben. Umwelterkrankungen wie Allergien, die vielfältige Chemikalien- Unverträglichkeit (MCS) oder Amalgam-Schädigungen führen innerhalb des Medizin-Betriebs ein Schattendasein. Sie werden kaum erforscht; MedizinerInnen erklären die betroffenen PatientInnen häufig zu "Ökochondern". In Bonn trafen sich jetzt VertreterInnen verschiedener Selbsthilfegruppen und verabschiedeten am 24. Februar eine Resolution. Die Selbsthilfegruppen fordern darin die grüne Gesundheits-
ministerin Andrea Fischer auf, die Tagung "Umwelt und Gesundheit" zu besuchen und dort Umweltkrankheiten offiziell als medizinisches Faktum anzuerkennen. Desweiteren verlangen sie von der Politik, die Gesundheitsheitsinteressen gegenüber den Wirtschaftsinteressen zu stärken, die Rechtsstellung von PatientInnen innerhalb des Gesundheitssystems zu verbessern und sich auch europäischer Ebene für die Belange der Umweltkranken einzusetzen.

PAN schreibt Funke
Die Gebote, Ackergifte nur nach "guter fachlicher Praxis" anzuwenden und nach Möglichkeit auf nicht-chemische Alternativen zur Bekämpfung von Schadinsekten zurückzugreifen, sind seit 1986 Bestandteil des Pflanzenschutzgesetzes. Beim jetzt unternommenen Versuch des Landwirtschaftsministeriums, zu konkretisieren, was "gute fachliche Praxis" sei, wird aus der avisierten Umstellung der Landwirtschaft allerdings ein nebulöses Fernziel. Aus Protest gegen das Wiedereinstiegsszenario in die Agrochemie schrieb das PESTIZID AKTIONS-NETZWERK (PAN) im April einen Brief an Landwirtschaftsminister Funke, worin die Gruppe auch eigene Vorschläge zur Umsetzung des integrierten Pflanzenschutzes und der "guten fachlichen Praxis" unterbreitete.

InderInnen in Leverkusen
Das hat es in der Geschichte des BAYER-Konzerns noch nicht gegeben: 500 indische LandarbeiterInnen demonstrierten gemeinsam mit BAYER-Beschäftigten aus verschiedenen Werken, VertreterInnen der Kirchen, entwicklungspolitischen Initiativen, Anti-Gentech-Gruppen und der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN am 18. Juni 1999 vor dem Leverkusener BAYER-Werk. Die InderInnen waren anlässlich des Kölner Weltwirtschaftsgipfels in die Bundesrepublik gekommen. Von BAYER forderten sie, dass der Konzern die Rechte der indischen Bevölkerung achtet, aus der Gentechnik aussteigt und die Produktion hochgiftiger Pestizide einstellt.

Kirchenpreis für CBG
Am 15. Juni wurde der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) in Oberhausen der Preis des KIRCHLICHEN ENTWICKLUNGSDIENSTES (KED) verliehen. Damit wurden die Verdienste der CBG in der entwicklungspolitischen Arbeit gewürdigt. Dieser Preis ist nicht der erste, den das konzern-kritische Netzwerk erhalten hat. Für die Aufdeckung von Wirtschaftsverbrechen wurde der CBG vor einigen Jahren von BUSINESS CRIME CONTROL ein Preis zugesprochen.

Widerstand in Pittsburgh
Vor den Gerichten sammeln sich die Klagen von ehemaligen ZwangsarbeiterInnen in den IG FARBEN-Werken und von KZ-Insassen, an denen in Menschenversuchen BAYER-Arzneien ausprobiert worden sind. Im November wird der Geschäftsführer der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG), Philipp Mimkes, auf Einladung der Jüdischen Gemeinde Pittsburgh gemeinsam mit dem IG FARBEN- Überlebenden Hans Frankenthal in die USA reisen und den Protest vor Ort unterstützen.

Opfer von Menschenversuchen klagen
BAYER ließ in der Nazi-Zeit Medikamente an KZ-Häftlingen testen und unterstützte den berüchtigten KZ-Arzt Dr. Mengele bei seinen grausamen Zwillingsforschungsexperimenten (s. Ticker 2/99). Im Februar hatte in den USA erstmals ein Opfer dieser Menschenversuche eine Sammelklage gegen BAYER eingereicht. Zwei weitere - gegen BAYER, HOECHST und SCHERING - wurden amerikanischen Gerichten im Mai vorgelegt; die eine von US-AmerikanerInnen, die andere von BürgerInnen osteuropäischer Staaten. Auf die Vorwürfe angesprochen, räumte BAYER-Sprecher Hans-Bernd Heier zwar ein, dass IG-FARBEN-Pharmazeutika unter dem Namen BAYER gehandelt wurden, erklärte aber im gleichen Atemzug, dass der Konzern als eigenständiges Unternehmen nicht existent gewesen sei. Deshalb sind die Klagen seiner Meinung nach gegenstandslos. Das liest sich in der BAYER-Firmenchronik "Meilensteine" anders. Der Name "BAYER" wurde "zum Markenzeichen der I.G.-Pharmazeutika", verkündet man darin stolz und "Technisch und in der Personalpolitik blieben die großen Werke weitgehend selbständig". Also muss das Chemie-Unternehmen auch die Verantwortung für die Pharma-Experimente an KZ-Insassen übernehmen.

Erfolgreicher Workshop
Im Mai tagten die Staatschefs der Europäischen Union in Köln. Im Rahmen der Proteste haben die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) und die kritischen BAYER- Belegschaftsangehörige jeweils gut besuchte Veranstaltungen mit TeilnehmerInnen aus vielen europäischen Ländern durchgeführt. Mit einem Infostand war die CBG auch auf dem Gegenkongress zum Weltwirtschaftsgipfel vertreten.

CBG-Jahrestagung 1999
Zur Jahrestagung der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) am 7. November 1999 in Düsseldorf haben sich bereits viele TeilnehmerInnen angemeldet. Das Thema "Unser täglich Gift - Chemie in Lebensmitteln made by BAYER(r) stößt offensichtlich auf großes Interesse. Die Zahl der TeilnehmerInnen ist begrenzt, also schnell anmelden: CBG, Postfach 15 04 18, 40081 Düsseldorf, Fax 0211-333940, eMail CBGnetworkaaol.com.

Gentechnik an Schulen
Anhaltende Proteste haben es bisher verhindert, dass BAYER & Co. die Gentechnik so durchsetzen können wie gewünscht. Um dies zu ändern, hat die Industrie im Frühjahr eine Offensive gestartet. SchülerInnen und Schüler sollen für die Gentechnik gewonnen werden. Ein "Gen-Mobil" wurde auf Tournee geschickt und in Nordrhein-Westfalen, wo die BAYER-Konzernzentrale ihren Sitz hat, gelang es sogar, eine positive Darstellung der Gentechnik in den Lehrplänen der Schulen zu verankern. Mit Protestbriefen und Pressearbeit organisieren die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) und der BUND FÜR UMWELT- UND NATURSCHUTZ DEUTSCHLAND (BUND) Widerstand gegen diese Instrumentalisierung von Schulen für Konzern-Interessen.