SWB 03/99 - Ticker

GENE & KLONE

BAYER investiert in Bio-Informatik
Da die Genomforschung eine Fülle von Daten zutage fördert, wird die Aufbereitung dieser durch die sog. Bio-Informatik immer bedeutsamer. Deshalb finanziert BAYER dem Heidelberger Unternehmen LION BIOSCIENCE mit einem Betrag von 100 Millionen Dollar die Gründung einer eigenständigen Tochterfirma in den USA. Firmen-Standort von LION BIOSCIENCE RESEARCH INC. (LBRI) wird Cambridge, Massachussettes, wo das Genom-Unternehmen MILLENIUM, an dem BAYER zu 12 % beteiligt ist, seinen Sitz hat. Dort sollen die Bio-InformatikerInnen von LION für BAYER 500 Gene identifizieren, die sich als Wirkorte für Medikamente, sog. drug targets, eignen und 70 neue Funktionsaussagen für angeblich bereits entdeckte Gene machen. Zudem hat das Unternehmen die Aufgabe, die von MILLENIUM gelieferten Genom-Daten so aufzubereiten, dass sich Wirkorte herauskristallisieren. Nach dem Ablauf von fünf Jahren steht BAYER die Option offen, LBRI zu übernehmen.

Kooperation in Biotech-Agrarforschung
Die CONSULTATIVE GROUP ON INTERNATIONAL AGRICULTURAL RESEARCH (CGIAR) ist ein internationales Agrarforschungsinstitut. Es wurde mit finanzieller Unterstützung der Ford-Foundation und der Rockefeller-Stiftung gegründet, um die sog. Grüne Revolution flächendeckend umzusetzen. Aus Profit-Motiven setzten die Chemie-Multis dieses agrar-industrielle Modell einer pestizid-gestützten, auf anfällige Hochertragssorten ausgerichteten Landwirtschaft weltweit durch. Der Öffentlichkeit wurde versprochen, das Problem des Welthungers zu lösen, was mitnichten geschehen ist. Im Gegenteil, BAYER & Co. haben die sozialen und politischen Ursachen des Hungers weiter gefördert. Nun bahnt sich innerhalb des CGIAR ein Strukturwandel an. Mit den gleichen verlogenen Argumenten, mit dem das Institut einst die "Grüne Revolution" propagierte, setzt es nun auf die biotechnologische Agrarforschung. Wieder einmal wird das Hungerelend dazu benutzt, die Durchsetzung einer ebenso profitablen wie gefährlichen Technologie zu ermöglichen. Und da die entsprechenden wissenschaftlichen Vorhaben viel Geld kosten, hat das CGIAR seine einstige finanzielle Unabhängigkeit aufgegeben und arbeitet mit der Industrie zusammen. So untersucht z.B. das zum CGIAR gehörige INTERNATIONAL CENTER FOR AGRICULTURAL RESEARCH IN THE DRY AREAS (ICARDA), ob Kichererbsen, in deren Erbgut das von BAYER isolierte Vitin vinifers-Gen eingebaut wird, resistent gegen Mehltau-Befall werden. Sollte sich der Versuch als erfolgreich erweisen, so hätte der Chemie-Multi nicht nur eigene Forschungs- und Entwicklungskosten gespart, sondern wegen des großen Einflusses der Institution CGIAR auch ausgezeichnete Vermarktungschancen für die transgene Erbsenart.

Neues Gentech-Herzmittel
Ein gentechnologisch produziertes Mittel von BAYER gegen akutes Herzversagen wird derzeit von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA (FOOD AND DRUG ADMINISTRATION) geprüft. Es basiert auf dem Wirkstoff Nesiritide, der mittels Gentechnik aus einem Herz-Hormon gewonnen wurde. Nach akuten Herzattacken soll das Präparat angeblich durch eine Weitung der Gefäße, eine Absenkung des Blutdrucks und eine Entwässerung des Körpers Linderung verschaffen. Parallel zum Zulassungsverfahren fand in Amsterdam ein internationaler Kongress statt, auf dem die anwesenden WissenschaftlerInnen dem BAYER-Stoff durch die Bank weg guten medizinischen Nutzen bescheinigten. Es ist davon auszugehen, dass BAYER die Studien selbst in Auftrag gegeben hat. Auftragsstudien kommen nach einer Untersuchung der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine fast immer zu positiveren Ergebnissen als unabhängige Untersuchungen (s.a. Ticker 2/98).