SWB 03/99 - Ticker

IMPERIUM & WELTMARKT

BAYER europaweit die Nr. 25
In der Rangfolge der umsatzstärksten europäischen Unternehmen belegt BAYER Platz 25 (1997: Platz 28). Unter den profitträchtigsten bundesdeutschen Konzernen nimmt der Leverkusener Chemie-Multi die Position 10 ein (1997: Position 11).

BAYER offen für Pharma-Fusion
Der BAYER-Konzern würde nur mit anderen Pharma-Unternehmen zusammengehen, wenn er dabei die Oberhand behielte, hieß es bisher stets aus der Leverkusener Zentrale. Von dieser Position ist der BAYER-Vorstandsvorsitzende Manfred Schneider jetzt abgerückt. Er erklärte sich erstmals auch zu einer Machtteilung im Falle einer Fusion bereit. Aktien-AnalystInnen der großen amerikanischen Bankhäuser lösten diesen Sinneswandel beim BAYER-Chef aus. Sie zeigten sich auf einem AnalystInnen-Treffen in New York unzufrieden mit BAYERs Pharma-Rendite und drängten den Vorstandsvorsitzenden, auf die Suche nach einem Geschäftspartner für diese Konzern-Sparte zu gehen. Einen Tag, nachdem BAYER Besserung gelobt und flexiblere Bedingungen für die Bildungen von Allianzen angekündigt hatte, stiegen auch schon die Aktien des Unternehmens. Sollte es in der nächsten Zeit zu einem Pharma-Zusammenschluss kommen, so wäre Arbeitsplatzvernichtung in großem Ausmaß die Folge.

Verkauf des Allergen-Geschäfts
Da die großen Pensionsfonds und andere Investoren mit BAYERs Pharma-Rendite nicht zufrieden sind, hat der Konzern das "Effizienzprogramm Pharma" entwickelt. Es soll Kosteneinsparungen im Umfang von 700 Millionen Mark ermöglichen, indem der Arzneimittel- Bereich des Konzerns auf einige wenige Kerngeschäfte wie ASPIRIN, Blutplasma-Produkte, Diabetika und Herzmittel zusammengestrichen wird. Das hat die Schließung von vier bis fünf Pharma-Standorten in Europa zur Folge. Den Anfang machte der Verkauf der Kölner TROPON-Werke (Ticker 2/99). Jetzt ging die Allergen-Sparte an den Finanzinvestor WINDWARD CAPITAL MANAGEMENT LLC.

Verkauf des Allergen-Geschäfts # 2
Die amerikanische Allergen-Sparte verkaufte BAYER an eine Investment-Gesellschaft. Im Juni löste der Konzern den Geschäftsbereich ganz auf. Für 18,3 Millionen Euro ging er an das französische Unternehmen STALLERGÈNES.

AGFA-Börsengang
BAYER hat weder Kosten noch Mühe gescheut, den AktionärInnen den Börsengang der Tochter-Gesellschaft AGFA schmackhaft zu machen. Eine millionenschwere Werbekampagne kreierte das Bild eines modernen Technologie-Konzerns, der längst nicht nur Kleinbildfilme im Angebot hat. GOLDMAN SACHS und DEUTSCHE BANK als die Finanz-Unternehmen, die den Gang an die Börse technisch vorbereiteten, wurden zu Stützungskäufen verpflichtet, falls der Kurs wider Erwarten nach unten rutschen sollte. Und AGFA-Chef Klaus Seeger reiste vierzehn Tage in die USA, um bei den großen Investment-Gesellschaften Klinken zu putzen. Aber es nützte nichts. Der eh schon niedrig angesetze Einführungskurs von 22 Euro gab der Aktie nicht wie erhofft "Entwicklungspotential" mit auf den Weg, das Papier dümpelte vor sich hin. Der Markt bewertete negativ, dass nicht AGFA selber, sondern BAYER von dem Erlös aus dem Aktien-Verkauf (ca. vier Milliarden Mark) profitiert. Da der Leverkusener Chemie-Multi im Moment noch 20 % der AGFA-Anteile hält - 5 % veräußerte er Ende Juni wie geplant an die belgische GEVAERT-Holding - erwarten die HändlerInnen zusätzlichen Kursdruck dadurch, dass BAYER weitere AGFA-Aktienpakete in den Markt gibt. Um die Gunst der SpekulantInnen zu erwerben, sind von AGFA weitere Rationalisierungsmaßnahmen, Werksschließungen und Entlassungen zu erwarten.

AFGA kooperiert mit MITRA
Die frischgebackene AGFA-Aktiengesellschaft, an der BAYER 20 % der Anteile hält, und der kanadische Konzern MITRA IMAGING INC. haben bekanntgegeben, das Gemeinschaftsunternehmen IMPAX TECHNOLOGY INC. zu gründen. Das Joint venture mit Sitz in Waterloo soll digitale Netzwerk-Lösungen für den Medizin-Bereich entwickeln und vertreiben, die es ermöglichen, gespeicherte PatientInnen-Daten und Röntgenbilder elektronisch zu übermitteln.

AGFA erweitert den Bereich Belichtungstechnik
Die AGFA-GEVAERT AG, eine 20 %ige BAYER-Tochter, hat für einen Betrag von drei Millionen Mark den Bereich Belichtungsstechnik vom US-Unternehmen MISOMEX erworben.

Milliarden-Investionen in den USA
Das Leverkusener Chemie-Unternehmen macht ein Viertel seines Umsatzes in den USA. Helge Wehmeyer, der Vorsitzende der amerikanischen BAYER-Niederlassung, bekräftigte im März die Konzern-Ankündigung, in den Vereinigten Staaten von 1995 bis zum Jahr 2004 die Summe von 26 Millarden Mark zu investieren. 11,5 Millarden Mark des Betrages fließen in Sachanlagen; 14,5 Millarden steckt BAYER in "Forschung und Entwicklung". Der Pharma-Bereich bildet den Schwerpunkt der Investionen, da der US-Pillenmarkt der profitträchtigste der Welt ist. Weder Preis-Festlegungen für Medikamente wie in Japan noch Globalbudgets oder Positivlisten, wie sie die rot/grüne Gesundheitsreform vorsieht, trüben hier die Erfolgsaussichten der Pharma-Industrie.

Ausbau von West Haven
Die amerikanische BAYER-Niederlassung baut West Haven, den Pharma-Standort, aus. Für 90 Millionen Mark wird dort ein zusätzliches Forschungszentrum errichtet.

Ausbau von Berkeley
Der BAYER-Konzern baut seinen Biotech-Standort im kalifornischen Berkeley aus. Der Chemie-Multi will dort in den nächsten fünf Jahren eine Summe von 600 Millionen Mark investieren. Es sind ein neues Verwaltungsgebäude, die Errichtung einer kombinierten Lager- und Verpackungshalle sowie neue Laboratorien und Produktionsanlagen geplant.

Erweiterte Zusammenarbeit mit SYMYX
BAYER und der US-Konzern SYMYX TECHNOLOGIES haben beschlossen, ihre Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Werkstoffforschung auszuweiten. Statt bisher 52 Millionen Dollar zahlt der Leverkusener Chemie-Multi jetzt 68 Millionen Dollar an das amerikanische Unternehmen, damit es neue Katalysatoren und Polymere entdeckt. Ein anderer Schwerpunkt liegt in der Entwicklung neuer Verfahren zur Kunststoff- Herstellung. All dies soll später einmal Eingang in die Kunststoff-Produktion von BAYER finden.

ASPIRIN-Werk in Argentinien
In ärmeren Ländern entwickelt sich der Markt für freiverkäufliche Arzneimittel besonders gut, da die Gesundheitssysteme kaum ausgebaut sind und die meisten Menschen sich Arztbesuche nicht leisten können. So ist Argentinien eine ASPIRIN-Hochburg: sechs bis sieben Prozent des Weltumsatzes mit dem Tausendsassa macht BAYER in dem südamerikanischen Land. Neben der Standardaus-
führung wird ASPIRIN dort auch noch als Kombinationspräparat in Verbindung mit Koffein angeboten (Nebenwirkungen: Abhängigkeit, chronischer Kopfschmerz, Nierenschädigungen) und in niedrigerer Dosierung unter dem Markennamen ASPIRINETAS als Medikament für Kinder. In Europa hat BAYER das Kinder-ASPIRIN längst vom Markt nehmen müssen, nachdem MedizinerInnen nachgewiesen haben, dass es das tödliche Reye-Syndrom auslösen kann, nur Südamerika bietet noch unbegrenzte Vermarktungsmöglichkeiten. Damit die Profit-Quelle in Zukunft noch reichhaltiger sprudelt, hat der Leverkusener Chemie-Multi in Buenos Aires jetzt eine 40 Millionen Dollar teure, neue ASPIRIN- Anlage in Betrieb genommen.

Pharma-Kooperation in Indien geplatzt
BAYER und der indische Pharma-Konzern CADILA ZYDUS haben das Gemeinschaftsunternehmen BAYER ZYDUS aufgelöst, das erst im Juli 1998 gegründet worden war. Die beiden Pharma-Hersteller wollen aber weiterhin bei der Vermarktung und dem Vertrieb ihrer Produkte zusammenarbeiten.

Pestizid-Kooperation in Indien geplatzt
BAYER und der amerikanische Chemie-Multi ROHM AND HAASHAVE haben Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen, das in Indien Pilzbekämpfungsmittel herstellen sollte, wieder aufgegeben. Als Begründung gab der Manager von BAYER/Indien, Alan McGilvray, an, der Markt sei für ein Unternehmen solcher Größe noch nicht reif. Auch sollen Schwierigkeiten mit der Rohstoff-Beschaffung am vorgesehenen Standort Gujarat die Entscheidung mitbeeinflusst haben.

Neuer philippinischer Zentralstandort
Der Leverkusener Chemie-Multi fasst auf den Philippinen Produktion, Lagerung und Verwaltung zusammen. Der neue Zentralstandort liegt im Industrie-"Park" Canlubang unweit von Manila. Die Insel ist BAYERs bedeutenster Absatzmarkt für Pestizide in Südostasien.