SWB 03/99 - Ticker

PROPAGANDA & MEDIEN

Chemie-PR im Kindergarten
Die GESELLSCHAFT DEUTSCHER CHEMIKER (GDCh) will das schlechte Image ihres Fachs aufpolieren und so Nachwuchsprobleme lösen. Zu diesem Zweck fällt die in Diensten des GDCh stehende Chemie-"Didaktikerin" Gisela Lück in Kindergärten ein und versucht den Kleinen Chemie durch Gummibärchen-Experimente nahezubringen. Ein Skandal, dass die Kultusbehörden solche reinen Propaganda-Aktionen gestatten.

Kinder-Offensive
BAYER unternimmt zur Zeit die vielfältigsten Anstrengungen, Kinder von den Segnungen der Chemie zu überzeugen. Auf einer Veranstaltung im "BayKomm", dem werbewirksamen "Kommunikationszentrum des Konzerns, soll das Fach Kids ab drei Jahren durch Experimente mit Negerküssen und Luftballons "schmackhaft" gemacht werden, auf das sie spielend verlernen, welche Gefahren mit den giftigen Stoffen aus den BAYER-Laboratorien verbunden sind.

Jugend-Offensive
BAYER zählt von Beginn an zu den Hauptsponsoren des "Jugend forscht"-Wettbewerbes. Das hat große Werbe-Effekte und stellt gleichzeitig auch noch eine Zukunftsinvestition in den wissenschaftlichen Nachwuchs dar. Bereits zum dritten Mal fand jetzt das Bundesfinale des JungforscherInnen-Wettstreits in Leverkusen statt. Mit einer ausführlichen Besichtigung des Werkes und dem kostenlosen Besuch eines Bundesliga-Spiels in der "BayArena" versuchte der Chemie-Multi Punkte bei den angehenden WissenschaftlerInnen zu machen. Der Kontakt zur Politik konnte auch ausgebaut werden: An der abschließenden Preisverleihung nahmen Bundesfor- schungsministerin Edelgard Bulmahn und NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement teil.

Industrie-naher Unterricht
BAYER & Co. unternehmen vielfältige Anstrengungen, den Schul- Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern industrie-freundlich zu gestalten. Sie schicken ein Gen-Mobil auf Rundreise, um auf Schulhöfen Akzeptanz-Förderung zu betreiben und nehmen Einfluss auf die Gestaltung von Lehrplänen (s.a. SWB 2/99). Nicht einmal Kindergärten sind vor ihren BauernfängerInnen sicher (s.o.). Am BAYER-Standort Brunsbüttel stellte der Chemie-Konzern am 20. April gemeinsam mit anderen Unternehmen der Region das Projekt zur Förderung eines "praxisnahen Physik- und Chemie-Unterrichts" vor. Teilnehmer der Diskussionsveranstaltung waren unter anderem Martin Krayenberg, der Vorstandsvorsitzende der schleswig-holsteinischen CDU-Fraktion, der im Kieler Bildungsministerium für die Berufsschulen zuständige Referent Nils Kuhnke, der Werksleiter von BAYER/Brunsbüttel, Klaus Starke, sowie VertreterInnen des Arbeitsamtes und der IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE (IG BCE). Starke stellte einige Beispiele für Schul-Unterricht nach BAYER-Art vor: Brunsbütteler HauptschülerInnen bestimmen gemeinsam mit Auszubildenen des Chemie-Unternehmens Kunststoffe, und die BAYER/HOECHST-Tochter DYSTAR liefert eine Versuchsanordnung zur Farbstoff-Herstellung mit anschließender Textil-Färbung. Oberstes Lehrziel: Die "praxisnahe" und anwendungsbezogene Vermittlung von naturwissenschaftlichem Stoff, die grundsätzliche Fragen nach Risiken und Gefahren ausspart, soll willige Erfüllungsgehilfen für die Industrie produzieren.

PR-Aktion "Top im Kopf 2000"
"Top im Kopf" lautet das Motto einer Kampagne zum Hirnleistungs-
training, die BAYER gemeinsam mit Apotheken, AOK, Bundesärzte-
kammer, der STIFTUNG DEUTSCHE SCHLAGANFALLHILFE und der TV-Sendung Gesundheitsmagazin Praxis durchführt. Die Broschüre mit Übungen zum Gedächtnistraining, die in 19.000 Apotheken und 2.500 AOK-Geschäftsstellen ausliegt, und Angebote, sich per Computer ein Kreativitätsprofil erstellen zu lassen, dienen jedoch nur vordergründig der allgemeinen Gesundheitsvorsorge. Denn mit "Top im Kopf" wirbt der Konzern auch für NIMOTOP S als Mittel gegen Altersdemenz.

Fotowettbewerb zu "Land(wirt)schaft"
BAYER, AGFA und das Fotomagazin veranstalten einen Fotowettbewerb zum Thema "Land(wirt)schaft - Natur mit System". Bei der Formulierung der Aufgabenstellung hat sich BAYER alle Mühe gegeben, den Widerspruch zwischen Chemie, Umwelt und der Agrar-Industrie aufzulösen. Aber ob es den Schnappschuss-JägerInnen wirklich gelingen wird, "Facetten des Miteinanders von Natur, Mensch und Technik" vor die Linse zu bekommen, bleibt fraglich. Denn solche Motive sind angesichts der giftigen Pestizide, der BAYER-Antibiotika für die Massentierhaltung und der umweltschädigenden Schadstoff- Ausstöße des Konzerns äußerst rar gesät.

Werbe-Offensive für Gartengifte
Was für die Agrar-Industrie gilt, will BAYER auch den Hobby- GärtnerInnen schmackhaft machen: Ohne Chemie geht gar nichts. Der Konzern, der im Frühjahr die britische Gartengift-Vertriebsgesellschaft PBI HOME & GARDEN aufgekauft hat und den Geschäftsbereich "Garden/Professional Care" ausbauen will, startete eine Werbe- Offensive. In Artikeln der PR-Abteilung, die - als Garten-Tipps getarnt - in der Presse eine weite Verbreitung fanden, wird den heimischen Gärten eine umfangreiche Gift-Kur empfohlen. Chemische Moosvernichter sollen den Rasen "aufatmen" lassen, das BAYER-Herbizid HEDOMAT das Unkrautrupfen ersetzen und der Flüssigdünger WUXAL SUPER das Entstehen von Flecken auf dem Grün verhindern, damit es keinen Vergleich zum properen Wohnzimmer-Teppich mehr zu scheuen braucht.