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PROPAGANDA & MEDIEN
Chemie-PR im Kindergarten Die GESELLSCHAFT DEUTSCHER CHEMIKER (GDCh) will das
schlechte Image ihres Fachs aufpolieren und so Nachwuchsprobleme lösen. Zu diesem Zweck fällt die in Diensten des GDCh stehende Chemie-"Didaktikerin" Gisela Lück in Kindergärten ein und versucht den
Kleinen Chemie durch Gummibärchen-Experimente nahezubringen. Ein Skandal, dass die Kultusbehörden solche reinen Propaganda-Aktionen gestatten.
Kinder-Offensive BAYER unternimmt zur Zeit die vielfältigsten Anstrengungen, Kinder
von den Segnungen der Chemie zu überzeugen. Auf einer Veranstaltung im "BayKomm", dem werbewirksamen "Kommunikationszentrum des Konzerns, soll das Fach Kids ab drei Jahren durch Experimente mit
Negerküssen und Luftballons "schmackhaft" gemacht werden, auf das sie spielend verlernen, welche Gefahren mit den giftigen Stoffen aus den BAYER-Laboratorien verbunden sind.
Jugend-Offensive BAYER zählt von Beginn an zu den Hauptsponsoren des "Jugend
forscht"-Wettbewerbes. Das hat große Werbe-Effekte und stellt gleichzeitig auch noch eine Zukunftsinvestition in den wissenschaftlichen Nachwuchs dar. Bereits zum dritten Mal fand jetzt das Bundesfinale des
JungforscherInnen-Wettstreits in Leverkusen statt. Mit einer ausführlichen Besichtigung des Werkes und dem kostenlosen Besuch eines Bundesliga-Spiels in der "BayArena" versuchte der Chemie-Multi Punkte bei
den angehenden WissenschaftlerInnen zu machen. Der Kontakt zur Politik konnte auch ausgebaut werden: An der abschließenden Preisverleihung nahmen Bundesfor- schungsministerin Edelgard Bulmahn und
NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement teil.
Industrie-naher Unterricht BAYER & Co. unternehmen vielfältige Anstrengungen,
den Schul- Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern industrie-freundlich zu gestalten. Sie schicken ein Gen-Mobil auf Rundreise, um auf Schulhöfen Akzeptanz-Förderung zu betreiben und nehmen Einfluss auf
die Gestaltung von Lehrplänen (s.a. SWB 2/99). Nicht einmal Kindergärten sind vor ihren BauernfängerInnen sicher (s.o.). Am BAYER-Standort Brunsbüttel stellte der Chemie-Konzern am 20. April gemeinsam mit anderen
Unternehmen der Region das Projekt zur Förderung eines "praxisnahen Physik- und Chemie-Unterrichts" vor. Teilnehmer der Diskussionsveranstaltung waren unter anderem Martin Krayenberg, der
Vorstandsvorsitzende der schleswig-holsteinischen CDU-Fraktion, der im Kieler Bildungsministerium für die Berufsschulen zuständige Referent Nils Kuhnke, der Werksleiter von BAYER/Brunsbüttel, Klaus Starke, sowie
VertreterInnen des Arbeitsamtes und der IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE (IG BCE). Starke stellte einige Beispiele für Schul-Unterricht nach BAYER-Art vor: Brunsbütteler HauptschülerInnen bestimmen gemeinsam mit
Auszubildenen des Chemie-Unternehmens Kunststoffe, und die BAYER/HOECHST-Tochter DYSTAR liefert eine Versuchsanordnung zur Farbstoff-Herstellung mit anschließender Textil-Färbung. Oberstes Lehrziel: Die
"praxisnahe" und anwendungsbezogene Vermittlung von naturwissenschaftlichem Stoff, die grundsätzliche Fragen nach Risiken und Gefahren ausspart, soll willige Erfüllungsgehilfen für die Industrie
produzieren.
PR-Aktion "Top im Kopf 2000" "Top im Kopf" lautet das Motto einer Kampagne zum Hirnleistungs-
training, die BAYER gemeinsam mit Apotheken, AOK, Bundesärzte- kammer, der STIFTUNG DEUTSCHE SCHLAGANFALLHILFE und der TV-Sendung Gesundheitsmagazin Praxis durchführt. Die Broschüre mit Übungen zum
Gedächtnistraining, die in 19.000 Apotheken und 2.500 AOK-Geschäftsstellen ausliegt, und Angebote, sich per Computer ein Kreativitätsprofil erstellen zu lassen, dienen jedoch nur vordergründig der allgemeinen
Gesundheitsvorsorge. Denn mit "Top im Kopf" wirbt der Konzern auch für NIMOTOP S als Mittel gegen Altersdemenz.
Fotowettbewerb zu "Land(wirt)schaft" BAYER, AGFA und das Fotomagazin
veranstalten einen Fotowettbewerb zum Thema "Land(wirt)schaft - Natur mit System". Bei der Formulierung der Aufgabenstellung hat sich BAYER alle Mühe gegeben, den Widerspruch zwischen Chemie, Umwelt und
der Agrar-Industrie aufzulösen. Aber ob es den Schnappschuss-JägerInnen wirklich gelingen wird, "Facetten des Miteinanders von Natur, Mensch und Technik" vor die Linse zu bekommen, bleibt fraglich. Denn
solche Motive sind angesichts der giftigen Pestizide, der BAYER-Antibiotika für die Massentierhaltung und der umweltschädigenden Schadstoff- Ausstöße des Konzerns äußerst rar gesät.
Werbe-Offensive für Gartengifte Was für die Agrar-Industrie gilt, will BAYER auch
den Hobby- GärtnerInnen schmackhaft machen: Ohne Chemie geht gar nichts. Der Konzern, der im Frühjahr die britische Gartengift-Vertriebsgesellschaft PBI HOME & GARDEN aufgekauft hat und den Geschäftsbereich
"Garden/Professional Care" ausbauen will, startete eine Werbe- Offensive. In Artikeln der PR-Abteilung, die - als Garten-Tipps getarnt - in der Presse eine weite Verbreitung fanden, wird den heimischen
Gärten eine umfangreiche Gift-Kur empfohlen. Chemische Moosvernichter sollen den Rasen "aufatmen" lassen, das BAYER-Herbizid HEDOMAT das Unkrautrupfen ersetzen und der Flüssigdünger WUXAL SUPER das
Entstehen von Flecken auf dem Grün verhindern, damit es keinen Vergleich zum properen Wohnzimmer-Teppich mehr zu scheuen braucht.
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