SWB 03/99 - Ticker

STANDORTE & PRODUKTION

"ChemCologne" gegründet
Das NRW-Wirtschaftsministerium, die Städte Köln und Bonn, der Arbeitgeberverband Chemie/Köln sowie BAYER, SHELL, ESSO, EXXON und AKZO NOBEL haben am 26. Februar auf dem Chemieforum in Köln den Verband "ChemCologne" gegründet. Es soll für noch mehr Industrie-Ansiedlungen in einem der dichtesten Ballungsgebiete Europas sorgen und Kooperationen zwischen Chemie-Konzernen und anderen Unternehmen befördern. Was früher einfach "Filz" hieß, hört sich zu Zeiten des Standort-Fundamentalismus' aus dem Mund des NRW-Wirtschaftsministers Peer Steinbrück so an: "Das Zusammenführen von unterschiedlichen Akteuren ist der beste Weg, um die Region nach vorn zu bringen."

Ionenaustauscher aus Bitterfeld
Der Leverkusener Chemie-Konzern hat in Bitterfeld seine vierte Produktionsanlage in Betrieb genommen. Neben ASPIRIN, Lackharzen und Bauhilfsstoffen werden an dem Standort jetzt auch Ionenaustauscher zur Enthärtung und Entkalkung von Wasser hergestellt. Der Geschäftsführer von BAYER/Bitterfeld, Georg Frank, stellte für die Zukunft weitere Werksansiedlungen in Aussicht - unter der Bedingung, dass die Ostlöhne auf ihrem niedrigen Niveau bleiben und die Subventionen von Land, Bund und EU weiterhin so reichlich fließen. 300 Millionen Mark kassierte BAYER/Bitterfeld bisher an Zuschüssen. Sie machten rund ein Drittel des insgesamt investierten Betrages aus.

AGFA schließt spanisches Werk
Das 500 Millionen Mark umfassende Kostensparprogramm von AGFA zur AktionärInnen-Beglückung fordert nach der Schließung der Neu-Isenburger Niederlassung ein weiteres Opfer. Das Unternehmen hat angekündigt, das Werk in Aranjuez, Spanien dichtzumachen und 200 Beschäftigte auf die Straße zu setzen. Wie im Fall Neu-Isenburg soll die Produktion ins belgische Mortsel, Geschäftssitz der neuen AG, verlagert werden.

BAYER lockt Biotech-Firmen
"Bizeps" nennt sich ein Wuppertaler Projekt zur Förderung von Existenz-Gründungen. BAYER beteiligt sich daran mit dem Ziel, junge Biotech-Unternehmen auf dem Firmen-Gelände anzusiedeln. Ihnen steht auf dem Werksareal eine Fläche von 3380 Quadratmetern kostenlos zur Verfügung. Energie, Wasser und Versorgungsinfrastruktur gibt es für einen Spottpreis; auf Werkstatt-Kapazitäten und Analytik von BAYER können die BiotechnologInnen ebenfalls zurückgreifen. Der Chemie-Multi hofft, dass sich diese "Großzügigkeit" später einmal in Form von Synergie-Effekten auf dem Gebiet der Gentechnik bezahlbar machen wird. Zu einem im Juni von BAYER veranstalteten "Bizeps"-Workshop kamen 150 ExistenzgründerInnen in spe ins Wuppertaler Pharmaforschungszentrum.

Mehr Tierarzneien aus Kiel
BAYER gehört zu den weltweit führenden Anbietern von Veterinärprodukten. Ein Großteil der Tierarzneien wird von der in Kiel ansässigen Tochtergesellschaft KVP PHARMA- UND VETERINÄRPRODUKTE GmbH hergestellt. Um die Kapazitäten zu erweitern, errichtet BAYER dort für 25 Millionen Mark eine neue Fertigungshalle. Aus Kiel kommt unter anderem das Antibiotikum BAYTRIL, das in der Schweinemast routinemäßig Verwendung findet und mit dafür verantwortlich ist, dass Krankheitserreger Resistenzen gegen die Mittel ausbilden. Über den Nahrungskreislauf können sie in den menschlichen Organismus gelangen und dort Krankheiten auslösen. Desweiteren produziert die KVP das Haushaltsinsektizid AUTAN und Insektengifte zur Anwendung bei Haustieren wie ADVANTAGE, BAYTICOL, TIGUVON, BAYTICOL, SEBACIL und BOLFO. Sie enthalten zumeist hochgiftige Wirkstoffe, die imstande sind, Lähmungserschei-
nungen, Muskelschwäche, Magenschmerzen, Schädigungen des Nervensystems und Kopfschmerzen auszulösen.