SWB 03/99 - Ticker

UNFÄLLE & KATASTROPHEN

"Störfall" in Wuppertal
Am 28. Mai - also 11 Tage vor der Groß-Explosion - trat in der Wuppertaler Pestizid-Anlage von BAYER ein Defekt auf. Es traten Schwefeldioxid- und Salzsäuredämpfe aus. Ein Arbeiter wurde verletzt. Nach der Beinahe-Katastrophe vom 8. Juni bestritten die BAYER- Verantwortlichen natürlich, dass zwischen diesem Vorfall und dem großen Knall wenige Tage später ein Zusammenhang bestände.

Beinahe-Katastrophe in Wuppertal
Am 8. Juni kam es auf dem Wuppertaler BAYER-Gelände zu einer Explosion und nachfolgend zu einem Brand. Es traten 600 kg 2-Chlor-5-nitrotoluol, 1.200 kg Dimethylsulfoxid und 500 kg Ätzkali aus. Die Chemikalien und der Brandruß riefen bei unzähligen Menschen Atembeschwerden, Kopfschmerzen, Übelkeit, Augenreizungen und Hautverätzungen hervor; die umherfliegenden Glassplitter verursachten Schnittwunden. Vorläufige Bilanz des Unglücks: Über 100 Verletzte, Sachschaden in Millionenhöhe bei den umliegenden Wohnhäusern und das Werksgrundstück rund um das Kesselhaus 218 eine Trümmerlandschaft.

Wasserstoffleitung angebohrt
Am 11. Mai bohrten Bauarbeiter beim Verlegen einer Erdgas-Leitung eine Wasserstoff-Leitung an, die zum Uerdinger BAYER-Werk führte. Hochexplosiver Wasserstoff trat aus, der sich trotz der Druckeinwirkung durch den Bohrer nicht entzündete - nur eine glückliche Fügung verschonte die Stadt vor einer Detonation. Günstigen Windverhältnissen war es auch zu verdanken, dass nur 70 Personen aus dem unmittelbar in der Nähe der Unglückstelle gelegenen Gewerbegebiet evakuiert werden mussten und nicht auch die BewohnerInnen der angrenzenden Siedlungen. Die Unglücksursache steht noch nicht fest: Entweder war die Wasserstoff-Leitung in den Tiefbau-Plänen nicht verzeichnet oder aber den Bauarbeitern ist beim Verlegen der Erdgas-Leitung ein Fehler unterlaufen.

Mängel bei "Gefahrgut"-Transporten
Im Regierungsbezirk Köln wurde im Juni dieses Jahres die Sicherheit von "Gefahrgut"-Transporten überprüft. Die BeamtInnen stellten bei der Hälfte der kontrollierten Fahrzeuge erhebliche Mängel fest. Die gefährliche Ladung war häufig falsch gesichert und die Ausrüstung der Transporter unvollständig, z.B. fehlten Feuerlöscher. Eine in Brandenburg von den Ämtern für Arbeitsschutz durchgeführte Kontrolle von "Gefahrgut"transporten kam zu ähnlich alarmierenden Ergebnissen: Rund ein Drittel der Tankfahrzeuge und die Hälfte der übrigen Straßenfahrzeuge verstieß gegen die Sicherheitsvorschriften.

Gift-Transporter verunglückt
Am 22. Juni verunglückte am Verteilerkreis Köln-Niehl ein "Gefahrgut"-Transporter, der sich auf dem Weg von den Krefelder BAYER-Werken nach Antwerpen befand. Er hatte 19.000 Tonnen der giftigen und leicht entflammbaren Chemikalie Toluidin geladen. Nur durch eine glückliche Fügung kam es beim Umkippen des Lasters zu keiner Explosion.