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DRUGS & PILLS
Krebsmittel-Test gestoppt "Bayer-Forschung: Durchbruch im Kampf gegen
Tumor-Wachstum", schrieb der Kölner Express am 12.6.99 vollmundig. Zahlreiche andere Blätter brachten ähnliche Jubel-Artikel. Vorschnell: Auf Veranlassung des Sicherheitsausschusses für Arzneimittel-Prüfungen,
dem Data Safety Monitoring Board, musste der Leverkusener Chemie-Multi im September die klinischen Prüfungen abbrechen. Die Substanz, die die Ausbreitung von Krebszellen unterbinden sollte, indem sie das für ihr
Wachstum verantwortliche Protein neutralisiert, hatte bei Lungenkrebs- PatientInnen weniger Heilwirkung als das Kontroll-Placebo. Unmittelbar nach dieser Meldung sank der Kurs der BAYER-Aktie. Nach Meinung von
Finanz-AnalystInnen erhöht sich durch den Test-Flop der Druck auf den Konzern, seine Pharma-Sparte umzustrukturieren.
Ausgliederung der Pharma-Sparte? Meldungen, dass BAYERs Konzernbereich
"Gesundheit" zum Verkauf stünde und ein unmittelbar folgendes Dementi vom Vorstandsvorsitzenden Manfred Schneider sorgten Ende September für Verwirrung an den Börsen und in der Wirtschaftspresse (siehe
auch ÖKONOMIE & PROFIT).
BAYER dementiert ASPIRIN-Risiko US-ForscherInnen haben herausgefunden, dass
jährlich 16.500 Rheuma-PatientInnen an den Nebenwirkungen von Schmerzmitteln sterben, die wie ASPIRIN Acetylsalicylsäure (ASS) als Wirkstoff enthalten (Stichwort BAYER 3/99). Der Chemie-Multi hat diese alarmierenden
Ergebnisse natürlich sofort heruntergespielt. In der Rheuma-Therapie würde ASS über einen langen Zeitraum in hohen Dosen verordnet, es handle sich also nicht um die gebräuchlichste ASPIRIN-Anwendung, so
BAYER-Sprecherin Marianne Petersen-Braun. Bei gelegentlicher Einnahme von ASPIRIN, etwa gegen Kopfschmerzen, bestehe dagegen keinerlei Gefahr, so Braun-Petersen weiter. Dieses halbherzige Dementi versucht gar nicht
erst, den traurigen Befund der Untersuchung zu entkräften. Und heuchlerisch ist es obendrein, denn der Konzern arbeitet mit aller PR-Macht daran, ASPIRIN praktisch als Lebensmittel zu vermarkten. Entsprechend hoch
schraubte diese Werbestrategie den jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch der Schmerzpille - in den USA liegt er bei 119 Tabletten.
"Neues" Antibiotikum: AVELOX Im Jahr 2001 verliert BAYERs Antibiotikum
CIPROBAY den Patentschutz, womit es der Konkurrenz von billigeren Nachahmer-Produkten ausgesetzt sein wird. Deshalb hat der Pharma-Konzern im September mit AVELOX ein anderes Antibiotikum auf den Markt gebracht. Es
basiert auf einer geringfügig abgewandelten CIPROBAY-Rezeptur (Moxifloxacin statt Ciprofloxacin als Wirkstoff), kann deshalb aber wieder den so profitablen Patentschutz für sich in Anspruch nehmen. Diese Substanzen
gehören zur Gruppe der Fluorochinolone, die für den Arzneiverordnungsreport '97 nicht zu den primär empfehlenswerten Antibiotika-Wirkstoffen zählen. Antibiotika werden viel zu häufig verschrieben (1996 gab es
über 1,5 Millionen CIPROBAY-Verordnungen) und tragen daher wesentlich dazu bei, dass Bakterien Resistenzen gegen die Mittel bilden. Als Folge davon breiten sich Krankheiten wieder vermehrt aus, die die Medizin
längst unter Kontrolle zu haben glaubte. Breitband-Antibiotika wie AVELOX, dass gegen die Erreger von Bronchitis, Nasennebenhöhlen- und Lungenentzündungen wirken soll, verstärken dieses Risiko noch einmal. Ihr
antibakterieller Rundumschlag vernichtet nämlich auch solche Bakterien, die andere Bakterien an der Ausbreitung hindern. Diese können sich somit wieder ungehindert vermehren.
Vorkaufsrecht für MYRIAD-Proteine BAYER hat sich das Vorkaufsrecht für zwei von dem
Genomforschungsunternehmen MYRIAD identifizierte Proteine gesichert, um daraus Medikamente gegen die Demenz (Altersverwirrtheit) zu entwickeln (siehe auch GENE & KLONE).
Biotech-Asthmamittel Ein von BAYER entwickeltes, biotechnologisch hergestelltes
Asthma-Präparat ist in den USA zur klinischen Prüfung zugelassen worden (siehe auch GENE & KLONE).
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