SWB 04/99 - Ticker

GENE & KLONE

Sieben Gentechnik-Tote
In den USA kam es bei drei verschiedenen Gentherapie-Versuchen zu Todesfällen. Sieben Menschen starben. Bei einem Opfer steht die Ursache eindeutig fest. Um dem 18-Jährigen leberkranken Jesse Gelsinger ein gesundes Gen in das Organ zu leiten, benutzten die MedizinerInnen 38 Billionen Partikel von Adenoviren als "Erbmaterial- Taxi". Einen Tag später versagten alle Körperfunktionen. Adenoviren werden in 20 % aller Versuche als "Gen-Fähren" benutzt. Nach Bekanntwerden der Nachricht ließ die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) sofort zwei ähnlich angelegte Experimente stoppen. In der Bundesrepublik gibt es bisher neun Gentherapien, die sich dieser Virenart bedienen. Das Paul Ehrlich-Institut als Aufsichtsbehörde sieht sich allerdings nicht zum Eingreifen gezwungen, da die Versuche angeblich nicht mit den amerikanischen vergleichbar sind. Ob auch BAYER- GentechnikerInnen Adenoviren verwenden, konnte bis zum Redaktionsschluss nicht festgestellt werden.

Gentech-Krisengewinnler BAYER
Um die Gentechnik steht es derzeit schlecht, da die negativen Presse-Meldungen sich häufen. So starben sieben Amerikaner an verschiedenen Gen-Therapien. Die Kartoffel-Experimente des Schotten Arpad Pusztai haben massive Zweifel an der Sicherheit gentechisch manipulierter Nahrungsmittel aufkommen lassen. Als Konsequenz daraus kündigten die großen Lebensmittelketten an, keine Gentech- Produkte in ihr Sortiment aufzunehmen. Und MONSANTO hat vor GREENPEACE kapituliert und nimmt sein mittels Gentechnik steril gemachtes TERMINATOR-Saatgut vom Markt, das die Bauern zwang, jedes Jahr neue Pflanzen-Samen zu kaufen. Finanz-AnalystInnen der DEUTSCHEN BANK veranlassten die Negativ-Schlagzeilen zu der Empfehlung, Aktien von Gentech-Firmen aus dem Depot zu nehmen. Diese Nachricht hat laut BAYER-Chef Manfred Schneider in der Branche "wie eine Bombe" eingeschlagen. Der Große Vorstandsvorsitzende fühlt sich durch die jüngsten Ereignisse in seiner Strategie bestätigt, nicht nur auf die sog. Life Science-Sparten gesetzt, sondern an dem Mischkonzern-Konzept festgehalten zu haben. Sein Glaube an die Gentechnik ist aber nicht erschüttert. Schneider will vielmehr die Gelegenheit nutzen, durch die gegenwärtige Krise billig gewordene Gentechnik-Firmen aufzukaufen.

Schlappe für Schweinepest-Mittel
Der von BAYER und INTERVET gentechnologisch hergestellte Marker-Impfstoff gegen die Schweinepest versagte bei Testreihen (siehe auch TIERE & ARZNEIEN).

Biotech-Asthmamittel
Vollmundig verkündet der BAYER-Konzern, dass sein erstes in deutschen Landen entwickeltes Biotech-Pharmazeutikum in den USA klinisch geprüft wird. Der Wirkstoff des Medikaments ist aus Interleukin entstanden. Dabei handelt es sich um einen körpereigenen Regulator, der die Reaktionen des Immunsystems hemmt. Er wird mittels biotechnischer Verfahren industriell hergestellt und kommt seit längerem als Immuntherapeutikum zum Einsatz. Da bei der bio- und gentechnischen Produktionsweise stets mit Antibiotika gearbeitet wird, sei es um das Wuchern unerwünschter Bakterien-Kulturen zu verhindern oder Gene mittels einer Antibiotika-Resistenz identifizierbar zu machen, besteht die Gefahr, dass sich diese Resistenz auf den Menschen überträgt. Infektionskrankheiten können so wieder ein großes gesundheitliches Risiko darstellen.

Protein-Vorkaufsrecht gesichert
Seit 1995 besteht zwischen BAYER und dem Genomforschungsunternehmen MYRIAD ein Kooperationsvertrag. Er sieht vor, dass die Biotech-Firma für den Chemie-Multi nach angeblich krankheitsauslösenden Genen forscht und Proteine identifiziert, aus denen sich Arzneistoffe gewinnen lassen. Auf zwei solcher Proteine hat der Konzern sich jetzt das Vorkaufsrecht gesichert. Er will auf ihrer Grundlage Medikamente gegen die Demenz (Altersverwirrtheit) entwickeln.