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IG FARBEN & HEUTE
Entschädigungsverhandlungen Das Verhalten von BAYER und den anderen 34 deutschen
Konzernen bei den Verhandlungen über die Entschädigungen für ZwangsarbeiterInnen wird immer skandalöser. Was Bundeskanzler Schröder als "würdiges Angebot" bezeichnete - sechs Milliarden Mark - wird von
KritikerInnen als "Verhöhnung der Opfer bezeichnet. Steuerlich absetzbare Absolution, denn BAYER & Co. können die in den Fonds eingezahlten Beträge als "Betriebskosten" absetzen. So reduziert sich
ihr Beitrag auf die Nettosumme von zwei Milliarden Mark. Die Opfer-Verbände haben das Angebot, wonach für den einzelnen Zwangsarbeiter lediglich zwischen 1.000 und 2.500 Mark übrig bleiben würden, brüsk
zurückgewiesen. Im Vorfeld der Oktober-Verhandlungen sind sie gegenüber der Blockade-Politik der deutschen WirtschaftsvertreterInnen in die Offensive gegangen und haben mit einer Anzeigen-Kampagne begonnen. Eine von
ihnen wies unter der Überschrift "BAYERs größter Kopfschmerz" darauf hin, dass BAYER von dem grausamen KZ-Arzt Josef Mengele Medikamente an Kindern testen ließ. Der Konzern reagierte unverzüglich.
Konzern-Sprecher Thomas Reinert brachte aber keineswegs Scham zum Ausdruck. Im Gegenteil: Er kündigte "angemessene Gegenschritte" an, bevor er aus Angst vor Image-Schäden für den Konzern wieder
zurückruderte und lediglich von einer "angemessenen Reaktion" sprach. Ein Ende des unwürdigen Poker-Spiels von BAYER & Co. ist derzeit noch nicht abzusehen.
Neue Klage von ZwangsarbeiterInnen Die IG FARBEN-Vergangenheit holt BAYER immer
wieder ein. Im Oktober ist der Chemie-Multi in den USA ebenso wie andere bundesdeutsche Unternehmen erneut zum Gegenstand einer Sammelklage geworden. 30.000 ehemalige Zwangsarbeite- rInnen, die heute in Israel
leben, machten ihre Ansprüche gegen die Konzerne geltend.
Kriegswichtiges PERLON Im letzten Jahr feierte BAYER den Geburtstag von "60
Jahre PERLON", ohne an der unrühmlichen Geschichte der IG FARBEN-Erfindung aus dem Jahr 1938 Anstoß zu nehmen. Die Kunstfaser aus Polyamiden galt den Nazis nämlich als kriegswichtiger Stoff, wie die Ausstellung
"Künstliche Versuchung. NYLON, PERLON, DEDERON" im Bonner Haus für Geschichte zeigt. Aus dem äußerst strapazierfähigen PERLON wurden Fallschirme und Borsten zur Reinigung von Waffen gemacht; auch in
Flugzeugreifen fand die Chemiefaser Verwendung. Die zivile Nutzung als Ausgangsmaterial für Damenstrümpfe begann erst 1943.
Vergangenheitsbewältigung des VCI Im Jahr 2002 feiert der VERBAND DER CHEMISCHEN
INDUSTRIE (VCI) 125-jähriges Bestehen. Die zu diesem Anlass erscheinende Festschrift will sich anders als die, die zum 100. Geburtstag herausgekommen ist, der braunen Vergangenheit des Verbandes stellen. Diese
"neue Offenheit" kündigte VCI-Pressereferent Manfred Ritz an. Die Rolle des Chemie-Verbandes als Lobbyist des Zyklon B-Konzerns IG FARBEN soll in dem Buch ebenso thematisiert werden wie die Willfährigkeit,
mit der die Organisation den Anordnungen und Wünschen der Nazis folgte. Eine solche Veröffentlichung wäre in der Tat eine notwendige und längst überfällige Kehrtwendung in der Vergangenheitspolitik der
bundesdeutschen Chemie-Industrie.
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